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Ein Ministerium mehr und zwei weniger

Nach Informationen, die LB.ua erhalten hat, diskutiert die Administration des Präsidenten tatsächlich ernsthaft die Zusammenlegung des Gesundheitsministeriums mit dem Ministerium für Soziales. Unbestätigten Informationen zufolge sei die Entscheidung schon gefallen und die Zusammenlegung beschlossene Sache. Den Vorsitz übernimmt wohl Raissa Bogatyrjowa, für die schon lange zuvor der Chefsessel des Gesundheitsministeriums bestimmt worden war.

Die medizinische und soziale Betreuung ist in vielen Ländern verbunden. Ob solch eine Fusionierung in der Ukraine jedoch erfolgreich sein wird, das bleibt abzuwarten. Man kann erst mal nur Vermutungen aufstellen. Und bei der Gelegenheit das Ministerium für Bildung und Wissenschaft, Jugend und Sport näher betrachten. Da haben die Reformen nicht viel gebracht, es handelt sich eigentlich immer noch um das Bildungsministerium – für Wissenschaft, Jugend und Sport wird nämlich praktisch nichts gemacht (obwohl, vielleicht ist das ja auch gar nicht mal so schlecht).

„Ich habe noch nicht gehört, dass die Entscheidung schon gefallen sei“, sagt Semjon Gluzman, Psychiater und Mitglied des Rates für Soziales und Geisteswissenschaft, der vom ukrainischen Präsidenten geleitet wird. „Aber ich weiß, dass im Kabinett des Präsidenten nicht nur ein Mal darüber diskutiert wurde. Ich bin für eine Zusammenlegung – so leben doch alle, die in einem normalen, zivilisierten Staat leben. Gesundheitsfragen getrennt von sozialen Fragen lösen zu wollen, ist doch ein Ding der Unmöglichkeit. Da doppeln sich viel zu viele Sachen. Wie soll da zum Beispiel das Prinzip ‘das Geld läuft hinter dem Kunden her’ umgesetzt werden, wenn der Kunde gleichzeitig bei dem einen und dem anderen Amt Kunde ist? In der Psychiatrie ist das ein sehr aktuelles Problem. Aber darüber hinaus kann so eine Zusammenlegung auch Gefahren mit sich bringen, besonders wenn die Entscheidung unbedacht, unvorbereitet und revolutionär umgesetzt wird. Eine solche Situation wird das Leben der beiden Ministerien nicht bessern, sondern sie eher unter die Erde bringen und damit auch das ganze soziale System“, führt Gluzman weiter aus.

Nach den Informationen von LB.ua, geht es bei der Ernennung Raissa Bogatyrjowas als Vorsitzende des Gesundheitsministeriums bzw. des zusammengelegten Ministeriums für Gesundheit und Soziales nicht um eine Verbesserung der Arbeitsweise des Ministeriums. Vielmehr soll sie damit den Posten als Vorsitzende des Sicherheits- und Verteidigungsministeriums räumen. Nur allein Bogatyrjowa soll es mit dem Wechsel wohl nicht so eilig haben.

Das Gesundheitssystem kann sich auf weitere Erschütterungen vorbereiten. Wie LB.ua bekannt wurde, hat die Regierung am vergangenen Mittwoch bekanntgegeben, dass alle medizinischen Hochschulen von nun an dem Bildungsministerium unterstellt sind. Bisher waren die Hochschulen Angelegenheit des Gesundheitsministeriums. Die Folgen für die Umstellung können unterschiedlich ausfallen – bis hin zum Problem, dass die Medizinstudenten ihre Praktika dann in staatlichen Institutionen absolvieren werden.

21. November 2011 // Wiktoria Gerassimtschuk
Quelle: Lewyj Bereg

Übersetzerin:   Maria Ugoljew — Wörter: 460

Maria Ugoljew ist freischaffende Journalistin und Übersetzerin. Sie hat erst Slawistik, Kunstgeschichte sowie Musikwissenschaft in Greifswald und Brno studiert und dann bei einer Lokalzeitung volontiert. Heute lebt sie in Berlin.

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«"typisch ukrainisch verlogen" - Genau so gibt sich die Ukraine!»

«Da muß ich etwas Essig in den Wein eingießen. Ein Gruppenzweiter wird sich nicht für die Relegation qualifizieren. Sollte...»

«Das Wirtschaftswachstum wird dieses Jahr, im gegensatz zum Vorjahr sinken. Zumal "3" nicht grad viel sind für ein Land wie...»

«Hahaha, sicher :D Der größte Investor in der Ukraine ist immer noch Russland. An 2. Stelle kommt die !gesamte! EU. Hören...»

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