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Pravex-Bank an Intesa Sanpaolo verkauft

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Die italienische Gruppe Intesa Sanpaolo unterschrieb gestern einen Vertrag über den Kauf der Pravex-Bank für 750 Mio. $, die dem Kiewer Bürgermeister Leonid Tschernowezkij und Mitgliedern seiner Familie gehört. Der Abschluss des Geschäftes soll im Laufe einiger Monate erfolgen. Im Übrigen hängt der Abschluss nicht nur nur von den Kartellbehörden und den Regulierern zweier Länder ab. Es ist weiterhin die Zustimmung eines Kapitalgebers aus dem Innenministerium notwendig, mit dessen Leiter der Bürgermeister Kiews vor kurzem einen scharfen Konflikt hatte, merken Experten an.

Gestern verkündete eine der größten italienischen Bankgruppen, die Intesa Sanpaolo, den Kauf der Pravex-Bank für 504 Mio. €. “Die Aktionäre der Pravex-Bank unterschrieben einen Vertrag über den Verkauf des 100% Aktienpaketes der Bank an die Gruppe Intesa Sanpaolo”, heißt es in der Mitteilung des Pressedienstes beider Banken. “Die Vollendung der Transaktion wird in den nächsten Monaten erwartet, nach dem Erhalt aller notwendigen Erlaubnisse von Seiten der Regulationsorgane Italiens und der Ukraine. Die Ukraine ist ein strategischer Markt für die Gruppe Intesa Sanpaolo, welche bereits ist in die Entwicklung der Pravex-Bank bedeutende Mittel mit dem Ziel der Stärkung ihrer führenden Position auf dem ukrainischen Markt zu investieren.” Das Geschäft wurde organisiert von den Investmentbanken Rothschild und KBC Securities Baltic Investment Company, als Rechtsberater trat die Kanzlei Baker & McKenzie auf. Weitere Kommentare war man bei der Intesa Sanpaolo gestern nicht bereit zu geben.

Dies ist nicht der erste Versuch der Intesa Sanpaolo auf den ukrainischen Markt zu gelangen. Im Februar 2006 schloss die Banca Intesa eine Vereinbarung über den Kauf von 88,55% der Aktien der UkrSozBank (den der Angaben der Assoziation der Ukrainischen Banken nach, nahm diese zum 1. Dezember 2007 den vierten Platz den Aktiva nach ein) für 1,221 Mrd. $. Im September 2006 wurde die Summe des Geschäftes auf 1,4 Mrd. $ erhöht, doch scheiterte es im April 2007 in Verbindung mit dem Kauf der Bank Sanpaolo IMI im Januar 2007 für 41 Mrd. $. Nach dem Auslaufen der Frist für die vorläufige Vereinbarung fand die UkrSozBank einen neuen Käufer – den Konkurrenten der Intesa Sanpaolo, die italienische UniCredit, welche die Bank für 2,2 Mrd. $ kaufte.

Den Daten der Assoziation Ukrainischer Banken nach, hielt die Pravex-Bank am 1. Dezember 2007 den 24. Platz bei den ukrainischen Banken nach den Aktiva (5,863 Mrd. Hrywnja, ca. 792 Mio. €) und den 22. nach dem Kapital (766,84 Mio. Hrywnja, ca. 103,62 Mio. €) ein. Die Bank hat mehr als 560 Filialen und etwa 2.000 Verkaufsstellen für Verbraucherkredite in Einzelhandelszentren. Den Angaben der Bank nach, hielt Stepan Tschernowezkij 61,43% der Aktien, der Bürgermeister von Kiew, Leonid Tschernowezkij, – 7% , Christina Tschernowezkaja – 7%, “Pravex-Brok” – 10,68%, “Pravex-Strachowanie/Versicherung” – 2,32%.

Zuerst informierte der “Kommersant-Ukraine” über die Vorbereitung der Pravex-Bank zum Verkauf im Herbst 2007. Damals wies Stepan Tschernowezkij diese Information zurück, lediglich eine wünschenswerte Summe für den Verkauf von 0,8 – 1,2 Mrd. $ nennend. Die Möglichkeit des Verkaufs wurde von Tschernowezkij auch noch in der letzten Woche dementiert (Ausgabe des “Kommersant-Ukraine” vom 30. Januar). In der Mitteilung der Pravex-Bank heißt es, dass bei Berücksichtigung der Bilanzdaten vom 30.Juni 2007, der Multiplikator für das Geschäft zum Kapital der Bank einer der höchsten in der Ukraine darstellt – 6,5 und die “die allgemeine Summe des Geschäfts enthält eine Korrektur des Preises (Dollar für Dollar) auf der Basis der zum Zeitpunkt des Geschäftes berechneten reinen Aktiva der Pravex-Bank”.

“Dies ist natürlich ein hoher Koeffizient, doch er ist durch die hohe Zahl an Kunden der Pravex-Bank gerechtfertigt.”, sagte dem “Kommersant-Ukraine” der Senior-Analyst der KBC Securities, Jurij Alexejenko. “Die Bank bedient genauso das große Kapital, daher ist ihr Kreditportfolio diversifiziert.”

Den Daten der Zentralbank, vom 1. Januar 2008, nach, beträgt das Eigenkapital der Pravex-Bank 724,822 Mio. Hrywnja (ca. 97,95 Mio. €). Dies einbeziehend, ist der Multiplikator sogar niedriger – 5,24. Banker gehen davon aus, dass im Fall des Geschäftsabschlusses, der Preis dafür noch niedriger sein könnte. “Es ist unwahrscheinlich, dass die Italiener eine detaillierte Bewertung des Portfolios der Pravex-Bank durchgeführt haben.”, sagte der Vorsitzende des Aufsichtsrates der Bank NRB_ Wjatscheslaw Jutkin. “Sie werden nach den Leichen im Keller suchen und wahrscheinlich wird der Preis neu berechnet und dann gesenkt nach der Einberechnung der illiquiden Aktiva. Eine Erhöhung des Wertes kann im Fall der Berücksichtigung von nicht ausgeschütteten Gewinnen der letzten Jahre, welche nicht in die Bilanzdaten eingeflossen sind, geschehen.” Der Gewinn der letzten Jahre betrug zum ersten Januar 74,229 Mio. Hrywnja (ca. 10 Mio. €), Problemkredite, erhöhten sich in 2007 um 23,34 Mio. Hrywnja (ca. 3,15 Mio. €) auf 65,31 Mio. Hrywnja (ca. ca. 8,23 Mio. €). Der Parlamentsabgeordnete, der ehemalige Leiter der ukrainischen Vertretung von Interpol, Kirill Kulikow (Unsere Ukraine – Nationale Selbstverteidigung), erklärte, dass der Wert der Pravex-Bank noch sinken kann, da die Mehrzahl der Filialen noch als Wohnraum ausgewiesen sind und “keine Bankeinrichtungen sein können”.

Der Meinung von Bankern nach, ist das Geschäft, auch wenn der Wert der Pravex-Bank sich verringert, so oder so einträglich sowohl für die momentanen Besitzer – die Familie Tschernowezkij -, als auch für die Intesa. “Die Intesa hat seit langem versucht auf den ukrainischen Markt zu gelangen und auf ihre Entscheidung nahm sogar die Weltfinanzkrise keinen Einfluss, da hier bereits ihr Konkurrent – die UniCredit Bank – aktiv ist.”, denkt der Ehrenpräsident der UkrGasBank, Wassilij Gorbal. “Daher gewinnen bei diesem Geschäft alle Teilnehmer.”

Banker merken an, dass bei der Vollendung des Geschäfts Schwierigkeiten auftreten können. “Dies bisher nur eine Absichtserklärung der Intesa. Erinnern Sie sich, wie Intesa vorher den Kauf der UkrSozBank verkündete und dieses Geschäft scheiterte.”, sagt der Vorsitzende des Aufsichtsrates der Bank “Demark”, Alexander Stezenko. “Solch eine Situation kann sich wiederholen.” Unter der Bedingung der Anonymität erzählten dem “Kommersant-Ukraine” zwei Banker, dass das angebahnte Geschäft noch vom Innenminister Jurij Luzenko gestört werden kann. “Es geht darum, dass momentan 100% der Aktien bei Stepan Tschernowezkij konzentriert sind.”, sagte einer von ihnen. Bei einem Verkauf von Bankaktien muss eine Einwohner am Ort seiner Registrierung 15% Einkommenssteuer bezahlen. Im Falle der Pravex-Bank sind dies 112,5 Mio. $ oder 566,14 Mio. Hrywnja. “Doch er (Stepan Tschernowezkij) reichte bei der Zentralbank Dokumente für den Tausch dieser Aktien mit Aktien einer Offshore-Gesellschaft ein, um die Steuerbelastung zu umgehen.”, sagt ein Informant des “Kommersant-Ukraine”. “Von der Sache her erwirbt der Käufer keine Bank, sondern eine Offshore-Gesellschaft.” Der leitende Partner der internationalen Anwaltskanzlei “Integrites”, Wjatscheslaw Kortschew, merkt an, dass im Falle eines Wechsels der Eigentümer von mehr 25% der Aktien müssen die Kontrollorgane die Herkunft des Kapitals überprüfen. Den Worten des Informanten des “Kommersant-Ukraine” nach, wurde eine entsprechende Anfrage bereits von der Zentralbank beim Ministerium des Innern eingereicht. “Als im Innenministerium die Anfrage zur Überprüfung der Quelle des Kapitals eintraf, da gab Jurij Luzenko bereits die Anweisung keine Erlaubnis zu erteilen und am Freitag traf die Absage ein.”, bestätigt der Gesprächspartner des “Kommersant-Ukraine”.

“Im Fall der Bestätigung der Kapitalquelle kann keines der Organe auf die Vollendung des Geschäftes Einfluss nehmen, doch der Prüfprozess der gegebenen Operationen kann sich spürbar hinziehen.”, sagte Wjatscheslaw Kortschew. Der Vorstandsvorsitzende der Kanzlei “Garantija”, Dmitrij Krejnin, präzisierte, dass das Innenministerium einen Verbot des Geschäftes nur vor Gericht fordern kann, wenn sich einer der Aktionäre in seinen Rechten verletzt fühlt. “Doch momentan geht die Rede nicht über ein Gaunerei, daher kann das Innenministerium lediglich den Dokumentenfluss bis zur Klärung der Umstände aufhalten.”, denkt er. “Doch wenn der Investor sieht, was für Probleme die Aktionäre mit den Kontrollorganen in Bezug auf die Herkunft des Kapitals haben, dann senkt er sofort den Preis.”

Ruslan Schornyj, Jelena Gubar

Quelle: Kommersant-Ukraine

Übersetzer:   Andreas Stein — Wörter: 1338

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