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Wenn man ins Visier der russischen Propaganda gerät …

Screenshot
Der eine oder andere kann sich eventuell an die „Sanktions-Trilogie“ erinnern, die ich vor wenigen Monaten veröffentlichte. Entgangen war mir im Nachhinein, dass es hierzu eine Reaktion in einem russischen Propaganda-Medium gab, der „voice donbass“ (Stimme Donbass), die am 4. August von „Russlandfrieden“ „übernommen“ wurde. Der Artikel über mich ist tituliert mit „Das Geständnis eines Insiders der Ukrainischen Oligarchen-Berater” (sic).

Pamphlet à la Russki

In dieser „Schmähschrift“ wird so einiges kolportiert, das dermaßen absurd ist, dass es schon wieder lustig klingt. Nach Lektüre dieses Pamphlets habe ich alsbald mein Bankkonto überprüft, ob sich da nicht irgendwo ein paar Milliönchen meiner Aufmerksamkeit entzogen hätten, ich diese ergo all die Jahre dusseligerweise übersehen hätte. Aber leider … Fehlanzeige.

Fantasie hat der Verfasser des Artikels in der „Stimme Donbass“ (sic) allemal. Was der Mann oder die Frau (konnte bislang noch nicht herausfinden, wer der Verfasser ist) so alles andichten kann, hat Potenzial für einen Plot eines Wirtschaftsthrillers.

Der Verfasser tritt auch ganz väterlich (oder mütterlich) an mich heran wenn er/sie schreibt: „Schauen sie sich das unwürdige Leben der Menschen in Odessa -Kiew – oder an der polnischen Grenze an Herr Dr. jur. Daniel M. Porcedda und ziehen das Fazit für sich selbst. Sie waren/sind ideologisch zumindest seit 2013/2014 “auf dem falschen Dampfer“ unterwegs. Er hat mächtig Schlagseite, steht kurz vor dem Absaufen.” So viel Fürsorge ist rührend …

Küchenpsychologie à la Russki

Dann allerdings folgt ein Kommentar, der vermuten lässt, dass der Schreiber bei der „Stimme Donbass“ beim Verfassen seiner Zeilen andere Stimmen hörte, die die mentale Fähigkeit, die Sanktions-Trilogie objektiv einordnen zu können, erheblich trübten: „Doch der Selbsterkenntnisbericht eines Juristen, der nun einsieht, über Jahre “dem falschen ideologischen Götzen hinterher/vorweg getrabt zu sein, ist dann doch schon interessant zu beobachten…”

Die Artikelserie über den Umgang Deutschlands mit den Sanktionen gegen Russland als „Selbsterkenntnis“ zu betrachten ist eine gewagte These. Immerhin wird mir die Fähigkeit zur Selbsterkenntnis zugesprochen. Diese „setzt damit eine gewisse Objektivität der Selbstbeobachtung und des Selbstbildes voraus“, wie man aus der Psychologie und vor allem der Psychoanalyse heraus kennt. Ich kann selbiges „Kompliment“ nicht an die Adresse des Donbass-Stimmen-Schreibers zurückgeben. Die Wissenschaft der Psychologie erklärt ebenfalls: Das Gegenteil von Selbsterkenntnis ist Selbsttäuschung. Beim Schreiber der „Stimme Donbass“ scheint dies ein ausgeprägtes Merkmal zu sein. Im übrigen ist Selbsterkenntnis, um nochmals die Wissenschaft zu Wort kommen zu lassen, „eine wichtige Voraussetzung für ein funktionierendes soziales Zusammenleben.“ Selbsttäuschung steht demnach einem funktionierenden sozialen Zusammenleben diametral gegenüber … mit Blick auf den Donbass.

Der Artikel des russisches Propagandamediums übt sich weiter in Küchenpsychologie, wenn es darin heißt: „Wäre doch viel einfacher und ehrlicher eben zu sagen: Schitt, da habe ich Schitt gebaut, all die Jahre.” Abgesehen von der Wortwahl, die mir völlig fremd ist, habe ich tatsächlich kein Problem damit, Fehler einzugestehen, wenn denn da einer wäre. In diesem konkreten Falle würde mein Résumé daher eher lauten: Sch….ade, man hätte noch viel mehr zum Thema schreiben müssen. Aber Artikel sind nun mal keine Bücher.

Verunglimpfung à la Russki

Man wagt es kaum sich den Gesichtsausdruck des Auftragsschreibers bei der „Stimme Donbass“ vorzustellen, hätte er sich mit den unzähligen äußerst kritischen Kommentaren zur ukrainischen Regierung beschäftigt, die ich bereits Jahre vor dem letzten Maidan schrieb … und bis dato schreibe. Und dafür auf ukrainisch-patriotischer Seite regelmäßig virtuelle Haue bekomme.

Gegen Ende des Artikels wird mir noch ein weiteres Sch… empfohlen. „Schitt, ich sehe ein, dass Demokratie nur dann auch als solcher benannt werden darf, wenn PRO-RUSSISCH zu sein, keine Diskriminierung hervorruft, die mittels Sanktionen/ Bestrafung fast eines ganzen Kontinents gegen die Pro-Russischen Menschen ausartet.”

Erstaunlich, wenn die Auflistung von Missständen als antidemokratisch bezeichnet wird, Kritik an Aushebelung international beschlossener Sanktionen als Diskriminierung „fast eines ganzen Kontinents gegen die Pro-Russischen Menschen“ uminterpretiert wird.

Anfangs des Artikels „lobt“ mich der Schreiber ob meiner Recherche (schreibt dabei im Sarkasmus-Modus). Recherche ist tatsächlich Grundvoraussetzung für einen gehaltvollen Artikel zu einem komplexen Thema. Nun reicht es allerdings nicht, das Wort „Recherche“ fehlerfrei schreiben zu können (mittels Autokorrektur gelingt dies sogar Nicht-Muttersprachlern). Recherche bedeutet Arbeit. Die hat man sich bei der „Stimme Donbass“ zweifelsohne nicht zugemutet. Denn nur wenige Klicks hätten dem Schreiber des ostukrainischen russischen Mediums die Absurdität der über mich aufgestellten Behauptungen vor Augen geführt. Recherche beginnt eben dort, wo andere mit dem Schreiben aufhören.

Selbstverständlich geht man bei der donbasschen Stimme mit keiner Silbe auf den Inhalt der Artikelserie ein. Dazu müsste man ja recherchieren, zumindest jedoch sich durch die vielen in der Artikelserie enthaltenen Links arbeiten. Die Methode ist nicht neu. Kritiker werden persönlich verunglimpft, statt sich mit den dargelegten Fakten zu beschäftigen. Solche „Reaktionen“ sind an Oberflächlichkeit kaum zu überbieten.

Es ist ein Paradebeispiel für den Umgang Russlands mit seinen Kritikern. Die erste Stufe, zu versuchen jemand öffentlich lächerlich zu machen, ist gezündet. Ob eine weitere Stufe folgen wird, ist unklar. Man kann sich nur grob vorstellen, welchen Angriffen sich „Kaliber“ wie Andreas Umland und Boris Reitschuster ausgesetzt sehen, die aus wissenschaftlicher und journalistischer Warte heraus fundierte Artikel veröffentlichen.

Unter dem Artikel ist folgender Kommentar zu finden: “Pingback: Wen im September wählen, wenn man will, dass “über kurz oder lang “ keine Bomben auf Deutschland fallen ? | Stimme Donbass”. Der Kommentar besteht aus einem Link auf einen Artikel bei “Stimme Donbass”. Der Link führt ins virtuelle Nirwana mit dem Hinweis „Entschuldigung, aber die angeforderte Seite wurde nicht gefunden.“ Der Wahlausgang in Deutschland hat wohl auch russische Propagandaschreiber leicht konfus gemacht.

Wer sich diese propagandistische Lektüre Russlands antun möchte, muss bis zum Artikel „Das Geständnis eines Insiders der Ukrainischen Oligarchen-Berater” runterscrollen. Sollte der „Artikel“ nicht mehr auffindbar sein, Screenshot liegt als PDF-Datei vor.

Übrigens: Die Links zur Artikelserie wurden nicht gelöscht, wie im Artikel angedeutet wird. Es gab ein Domain-Umzug, weshalb meine vergangenen und auch noch kommenden Artikel nun auf https://ukraine-nachrichten.de/autor/Daniel+M.+Porcedda/ zu finden sind. Notiz am Rande: Dieser Domain-Umzug war bereits Monate vor Erscheinen der Sanktions-Trilogie beschlossen.

Autor:    — Wörter: 1042

Dr. jur. Daniel M. Porcedda, Jahrgang 1959, luxemburgischer Staatsangehöriger, lebt seit 1998 in Kiew und arbeitete dort viele Jahre als Unternehmensberater und vertrat u.a. eine Schweizer Anwaltskanzlei in der Ukraine. Er hat sowohl die Orange Revolution 2004 als auch die Revolution der Würde 2013/2014 auf dem Maidan direkt miterlebt und für diverse Medien in Luxemburg und Deutschland berichtet. Er war ebenfalls als Interviewpartner in luxemburgischen Printmedien, Radio und TV präsent. Darüberhinaus stand er staatlichen Stellen und Parlamentariern als Informationsgeber über die Vorgänge des Maidans zur Verfügung.

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«es war keine gute geste sondern der "vertriebenen gesetz" ermöglichte den russlanddeutschen nach deutschland zu kommen..zum...»

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