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Alternative Energie: durch Europa auf Umwegen in die Ukraine

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Der Bereich der alternativen Energie wird in der Ukraine immer attraktiver, auch für Investitionen. An alternative Energien erinnert man sich immer öfter, mehr oder weniger bedeutende Reformprogramm kommt nicht mehr ohne diese modern gewordene Wortverbindung aus. Bedeutet dies, dass der Anteil der erneuerbaren Energie bald die unbedeutende 1-2% übersteigen wird? Es gibt Zweifel, aber die steigende Nachfrage der europäischen Länder (z. B. nach (Holz-)Briketts und -pellets) und die steigenden Nebenkosten zeigen, dass es durchaus möglich ist, dass die ukrainische Regierung gezwungen wird, ihre Worte in die Tat umzusetzen.

Ukrainische Realien der alternativen Energien

Erste Gespräche über die alternative Energie gab es auf staatlicher Ebene bereits in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts. Im Jahre 1994 wurde in der Ukraine ein Gesetz „Über die Energieeinsparung“ verabschiedet, im Jahre 1995 wurde ein Staatliches Komitee für Energieeinsparung gegründet, im Jahre 1997 wurde ein staatliches Programm zur Energieeinsparung eingeführt. Später wurden neue Strukturen organisiert, wurden Verordnungen der Regierung und andere Rechtsakten verabschiedet, aber das erklärte Ziel – die Senkung des Energieverbrauchs und die Substitution von importierten Energieressourcen mit eigenen – wurde nicht erfüllt. Mehr noch, neben der Reduktion des Gasverbrauchs durch die ukrainische Industrie haben die Ukrainer damit begonnen, mehr Gas für persönliche Bedürfnisse zu verbrauchen: 8,2 Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr 1990, 14,8 Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr 2000 und 17,5 Milliarden Kubikmeter – im Jahr 2005.

Die Ergebnisse des Starts alternativer Energieobjekte haben nicht beeindruckt. In der Ukraine sollte die Gesamtkapazität der Windenergie bis zum Jahr 2010 bis zu 2.000 Megawatt betragen, von kleinen und Mikrowasserkraftwerken – bis 590 Megawatt, Solarzellen – bis 96,5 Megawatt. Es wurde geplant, die Kapazität von kleinen Wärmekraftwerken, die von Biomasse betrieben werden, bis auf 410 Megawatt zu erhöhen und die Produktion von Biogas – bis auf 5 Milliarden Kubikmeter pro Jahr.

Aber diese Pläne wurden jedoch nicht umgesetzt. Nach Angaben der Firma Fuel Alternative, beliefen sich bis zum Ende des Jahres 2009 die Kapazität der Windkraft nur auf 181,5 Megawatt (9 % des Plans), die Produktion von Biogas betrug 4,8 Millionen Kubikmeter (weniger als 1 % des geplanten Niveaus). Insgesamt betrug der Anteil der erneuerbaren Energie nur etwa 1% der gesamten Energie in der Ukraine im Jahr 2009. Was sagen diese Zahlen aus? Diese Zahlen sprechen darüber, dass alternative Energie nicht zu einer der Prioritäten der staatlichen Politik geworden ist. Mit einer solchen Leistung ist es schwer sogar das ausgegebene Geld für die Mitarbeiter der entsprechenden staatlichen Komitees zu rechtfertigen.

Europa wird uns helfen

Aber alles ist nicht so schlimm wie es auf den ersten Blick scheint. Ja, die alternative Energie wird in der Ukraine nicht geachtet. Die Regierung bevorzugt alle Fragen durch die Mengenerhöhung des zu beziehenden Erdgases von „Gasprom“ und durch den Bau neuer Kraftwerksblöcke in Kernkraftwerken zu lösen. Aber die an die Ukraine grenzende Europäische Union setzt sich auf die Erhöhung des Anteils der erneuerbaren Energie. In 2005 hat die Europäische Union eine Richtlinie erlassen, die ihre Mitgliedsländer dazu verpflichtet, nationale Pläne zur Verringerung des Energieverbrauchs zu entwickeln. Von 2008 bis 2017 soll jedes Land sicherstellen, dass die Senkung des Energieverbrauchs um mindestens 1% pro Jahr erfolgt. Insgesamt hat Europa sich bis 2020 zum Ziel gesetzt, den Anteil der alternativen Energie in gesamten Energiemix auf 20% zu bringen, und zum 2040 – bis zu 40%.

Der Hintergrund dieser Entscheidung ist offensichtlich: Energiereserven werden aufgebraucht, während Öl und Gas ständig teuerer werden. Darüber hinaus wird mehr und mehr über die Gründung eines Gas-Kartells gesprochen – einer Organisation, die ähnlich der OPEC die Gaspreise auf dem Weltmarkt regeln würde. Von 15 Ländern – den Mitgliedern des Forums der Gas exportierender Länder, das im Jahr 2001 gegründet wurde, gibt es kein Land, das die Europäische Union vertritt. Mehr noch Iran, Bolivien, Venezuela, Libyen, Russland, die dem Forum angehören, treten manchmal in Konflikt mit der Europäische Union, den USA und anderen entwickelten Ländern. Offensichtlich ist Erdgas genauso wie Öl, im 21. Jahrhundert eine nicht nur wirtschaftliche, sondern auch politische Kategorie. Daher auch die große Aufmerksamkeit für alternative (erneuerbare) Energie: sie ist in der Lage, die Energie-Unabhängigkeit des Landes zu gewährleisten. Und wenn diese Tatsache den ukrainischen Investoren in Windkraftanlagen, in Solarenergie, in die Produktion vom Biogas nur wenig erfreuen wird, wird sie die Hersteller von alternativen festen Brennstoffen (Holzpellets und -briketts) zur spürbaren Ausweitung ihres Geschäfts bewegen

Marktchancen für alternative feste Brennstoffe

Auf diese Weise hat, trotz der mangelnden Anreize innerhalb des Landes, die rasche Entwicklung von alternativen Energien in der EU die Voraussetzungen für die Entwicklung des ukrainischen Marktes für alternative feste Brennstoffe geschaffen. Wenn in den Jahren 2005-2006 Holz-Briketts und pellets nur wenige kannten, dann erreichte nach Ende des Jahres 2009 der Markt bereits 300.000 Tonnen. Mehr als 90 % seiner Produkte exportieren die ukrainischen Hersteller in die Länder Nord- und Osteuropas (Polen, Schweden, Dänemark). Und die Tendenz steigt. Nach unseren Prognosen wird der Markt in 2010 um mindestens 50% steigen und 450 bis 500.000 Tonnen erreichen.

Die Grundlage für diese Prognose ist die gestiegene Zahl der Anfragen von Unternehmen, die an der Installation von Anlagen zur Herstellung von Briketts und Pellets interessiert sind. Die ukrainische Vereinigung von Herstellern alternativer fester Brennstoffe erreichen wöchentlich zwei oder drei solcher Anfragen. Mehr noch: kurz vor dem Produktionsstart gibt es etwa 50 Projekte für die Erzeugung von Brennstoffen aus erneuerbaren Energiequellen.

Die Gründe für die steigenden Produktionsmengen liegen auf der Hand. Die Unternehmer, die in den für sich neuen Markt investieren, wissen: Rohstoffe gibt es in der Ukraine im Überfluss (die jährlichen Ressourcen an alternativen festen Brennstoffen erreicht technisch 63 Millionen Tonnen), die Produkte werden in Europa stark nachgefragt. In der Regel zahlen die Händler pro Tonne der Fertigerzeugnisse nicht weniger als 100 Euro, was eine Arbeit bei einer Rendite von 30-40 Prozent ermöglicht.

Dies deutet darauf hin, dass der ukrainische Markt für alternative feste Brennstoffe gute Aussichten hat. Mehr noch, mit der Erhöhung der Gaspreise für die Bevölkerung wird sich für die ukrainischen Hersteller vielleicht auch der inländische Markt öffnen. Zur Erinnerung: in der Heizperiode 2009-2010 kostete die Raumheizung mit (Holz-)Briketts und Pellets 40 Prozent mehr als mit Gas. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Mitteilungen über die Korrektur der Tarife für Nebenkosten, werden Eigentümer von Privathäusern, besonders von größeren Privathäusern, Heizkessel kaufen, die mit diesen festen Brennstoffen betrieben werden.

Es gibt Chancen, wenn auch sehr geringe, im kommunalen Bereich. Trotz der Tatsache, dass laut dem Institut für Energie der nationalen Akademie der Ukraine, der Einbau von Festbrennstoffkesseln den Verbrauch von mindestens 2 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr einsparen hilft, kann man nicht erwarten, dass sich die Situation in den heimischen Kommunalwirtschaften in den nächsten Jahren grundlegend ändert. Und das bedeutet, dass die ukrainischen Hersteller weiterhin für die Stärkung der Energie-Unabhängigkeit der Europäischen Union arbeiten werden. Wenn man bedenkt, dass die neue Produktionslinie neue Arbeitsplätze bedeutet, ist es auch keine schlechte Option. Trotzdem werden wir hoffen, dass auch innerhalb des Landes immer mehr Menschen jedes Jahr die die Vorteile der alternativen Energie verstehen werden. Und wenn auch auf Umwegen, durch Europa, werden wir auch in die Ukraine zu eigenen Konsumenten kommen.

10. Juli 2010 // Ivan Nadein

Leiter der ukrainischen Vereinigung der Hersteller von alternativen festen Brennstoffen

Quelle: Serkalo Nedeli

Übersetzerin:   Ilona Stoyenko — Wörter: 1193

Ilona Stoyenko stammt aus Krementschuk (Ukraine) und hat an der Ludwig-Maximilians Universität München das Fach Wirtschaftswissenschaften mit einem Bachelor abgeschlossen. Dem folgte ein Master-Abschluss an der Fernuniversität Hagen. Sie arbeitet als Key Account Managerin bei der RYDOS UG (haftungsbeschränkt) und von Zeit zu Zeit trägt sie zu den Ukraine-Nachrichten bei.

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