Putin hat vorgeschlagen „Neftegas“ mit „Gasprom“ zu vereinen. Was erhält die Ukraine dafür?
Der Kreml liebt Überraschungen. Die erste wurde der Charkower Gas- und Flottenvertrag. Aber Wladimir Putin hat Dmitrij Medwedjew übertroffen, er hat sogar die ukrainischen Machthaber verblüfft, indem er in Sotschi auf einem Treffen mit dem Regierungschef der Ukraine, Nikolaj Asarow, vorschlug „Gasprom“ mit „Neftegas“ zu vereinen. Die Reaktion des Präsidenten und des Kabinetts (genauer gesagt, ihre Abwesenheit) machte klar, dass dieses Angebot bei den Verhandlungen der ukrainischen und russischen Führer nicht verlautbart wurde.
„Diese Idee hat Wladimir Wladimirowitsch (Putin) aus dem Stegreif ausgesprochen. Nun werden wir sowohl Stegreifäußerungen als auch konkrete Vorschläge prüfen“, bestätigte diese These der Pressesprecher des Premiers, Witalij Lukjanenko. Die Reaktion der Bankowa (Sitz des Präsidenten) war analog. „Nun, wissen Sie, der russische Premier spricht viele unerwartete Ideen aus“, meinte die Stellvertreterin des Präsidialamtsleiters, Anna German. „Diese kann man unterschiedlich aufnehmen, man kann verblüfft sein, man kann sie diskutieren. Dies muss man aber ausschließlich aus der Sicht der ukrainischen nationalen Interessen tun.“
Was erhält die Ukraine aus dieser Sicht? Die Deutungen Julia Timoschenkos sind klar: es ist die Aufgabe nationaler Interessen. Wie auch die Deutungen Wiktor Juschtschenkos, nur mit dem Unterschied, dass seiner Meinung nach, die Aufgabe nationaler Interessen mit der Unterzeichnung der Januar-Gasabkommen durch Timoschenko begann. Dabei sieht der Ex-Präsident klar, dass „gemeinsam mit den Gasprom-Ingenieuren und -technikern für das Gastransportsystem auf dem Territorium unseres Staates russische Garnisonen eintreffen“. Doch was könnten wir in Wirklichkeit erhalten?
Das Angebot Russlands auf der ukrainischen Waage
Uns werden neue ökonomische Vorteile im Tausch für die Trumpfkarte bei außenpolitischen Manövern angeboten.
Argumente „dafür“
1. Geschenk für den Haushalt: Sogar nach den Charkower Verträgen ist „Neftegas“ kein selbsttragendes Unternehmen geworden: aufgrund der zu niedrigen Gaspreise für die Bevölkerung und die kommunalen Unternehmen wächst das versteckte Defizit der Bilanz weiter, damit eine erhebliche Last auf den Staatshaushalt legend – gemeinsam mit dem Defizit des Pensionsfonds stellt das ein Drittel des Ausgabenteils dar. Bei einer Vereinigung mit „Gasprom“ würde das Problem automatisch gelöst. denn das neue Konsortium würde keine Schulden von sich selbst fordern.
2. Geschenk für die Industrie: Der Gaspreis für die Ukraine könnte spürbar (womöglich, sogar um 100$ pro tausend Kubikmeter von den derzeitigen 234$) gesenkt werden, was die Rentabilität unserer Branchen – der Metallwirtschaft und der Chemieindustrie – erhöht.
3. Einsparungen bei den Ausgaben: Das neue Konsortium modernisiert das verfallende Gastransportsystem, dabei werden sich die ukrainischen Ausgaben dafür halbieren – etwa 3 Mrd. $ anstelle von 6 Mrd. $. Außerdem verschwindet das jährliche Problem der Befüllung der Gasspeicher für die Heizsaison.
4. Gewinnanteil bei den Förderstätten: „Neftegas“ hat derzeit kein Recht auf den Re-Export von Gas und als Bestandteil des Konsortiums erhält es die Möglichkeit dafür und damit einen Anteil am Gewinn. Außerdem könnte die Ukraine ihren Anteil an der Erschließung neuer Erdöl- und Erdgaslagerstätten in Westsibirien erhalten.
5. Ein gewichtiges Wort in Europa: Die Ukraine wird zum Junior-Partner bei der Lösung globaler ökonomischer Fragen: in dem Fall, wo die Interessen der Ukraine und Russlands zusammenfallen, wird eine Vertretung unserer Positionen in den Verhandlungen mit Ländern, die von „Gasprom“ abhängen, um einiges leichter werden.
Argumente „dagegen“
1. Kleiner Anteil: „Gasprom“ wird einen höheren Anteil haben als „Neftegas“. 50% der Aktiva an „Neftegas“ abgebend und „Gasprom“ erlaubend auf unserem Binnenmarkt zu handeln, erhält die Ukraine etwa 6% der Aktiva an „Gasprom“ und einen Platz im Direktorium des vereinten Unternehmens. Das bedeutet, dass die Selbstständigkeit von „Neftegas“ verloren geht und auf die Politik von „Gasprom“ können wir kaum Einfluss ausüben. Eine andere Sache ist, dass auch jetzt unsere Situation eher eine abhängige, als eine eigenständige ist.
2. Teilweise Erhöhung der „Kommunalpreise“: Auch wenn der Binnengaspreis in Russland (130-160$) hinreichend unter dem derzeitigen in der Ukraine liegt, liegt er über dem Preis, den gerade die Bevölkerung und die kommunalen Unternehmen zahlen. Daher wird es in einer Reihe von Regionen, wo die Preise für kommunale Dienstleistungen in den letzten Jahren nicht spürbar erhöht wurden, trotzdem zu einer Erhöhung um 50-70% kommen, um auf das Niveau der Kostendeckung zu kommen. Tatsächlich könnte beispielsweise in Kiew die Differenz aus dem Stadthaushalt bezahlt werden.
3. Die Ängste Europas: Ungeachtet der Erklärung der EU, dass ein Konsortium eine Sache Russlands und der Ukraine ist, fürchtet sie eine Stärkung der Position „Gasproms“. Besonders betrifft dies Osteuropa, Länder die sich im Falle einer Verschärfung der Beziehungen mit Russland wenigstens kurzfristig mit der Ukraine auf den Kauf von Gas aus deren Speichern einigen könnten; im Falle eines Konsortiums sind Polen oder Tschechien vollständig abhängig von „Gasprom“. Andererseits befreit eine Zusammenarbeit der Russischen Föderation und der Ukraine Europa von „winterlichen Überraschungen“ in Form von Lieferunterbrechungen aufgrund der in den letzten Jahren auftretenden „Gaskriege“.
4. Abgegebener Trumpf: Die Ukraine gibt die Speicher auf ihrem Territorium in ein gemeinsames Eigentum und verliert damit das Hauptargument in den Verhandlungen mit Russland. Die Behauptung der eigenen Positionen wird im Falle divergierender Interessen äußerst schwierig werden.
5. Anschuldigungen der Opposition: Die Vereinigung von „Gasprom“ und „Neftegas“ wird zu einem weiteren Anlass für die Opposition die Regierung des Verkaufs der Heimat zu beschuldigen. Für die Bankowa (Sitz des Präsidenten) und das Kabinett wäre es vorteilhafter einen weiteren Partner im Konsortium zu erhalten – ein großes europäisches Unternehmen, wie Ruhrgas – das würde Beschuldigungen des Verzichts auf die Eurointegration abwenden und die Beziehungen zur Ukraine von Seiten der Europäer, die kritisch gegenüber Russland eingestellt sind, verbessern.
Daten: Wadim Karassjow, Michail Pogrebinskij, Walentin Semljanskij
Dmitrij Korotkow, Alexander Pantschenko
Quelle: Segodnja


Forumsdiskussionen
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Bei Ankunft am Blockposten im Internet (nakordoni.eu) 4h Wartezeit und 40 PKW am Grenzübergang, einen Teil der Wartezeit sitzt man am Blockposten ab, die halten die PKW Warteschlange von dem eigentlichen...“
Frank in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Auch wenn ich diese Verbindung toll finde, hätte ich ehrlicherweise Angst, von Polen aus in die Ukraine zu reisen. Die Polen werden immer gewaltsamer gegen Ukrainer und ukrainische Projekte. Außerdem...“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Ich dachte z.B. Krakovetz hat diese Spur nicht, jedenfalls bin ich in 2025 mit allen anderen bei den Ukrainern durchgeschleust worden, anschließend bei den Polen EU Spur..“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„ Hallo julib77,
Bzgl. Ausreisen mit PKW nach Polen möchte ich Dir deutlich widersprechen, ich weiß nicht woher Du Deine Informationen beziehst.
Schau einfach hier einmal Thread nach "An welchem Grenzübergang geht's am schnellsten? Da musst Du nicht suchen, der steht derzeit auch immer weit oben. Auch wenn wir da, nur über die Abläufe und die Wartezeiten berichten, findest Du nicht einen Kommentar darüber, dass Ukrainer schlecht behandelt werden. (2025 bis heute, ca. 25 Ein- und Ausreisen)
Ich kann nur sagen, ich beobachte keinerlei Repressalien, ganz im Gegenteil, die Ukrainer werden respektvoll behandelt, ist stelle keinen Unterschied zu mir als Deutschen fest. Das einzig berichtenswerte ist, dass die meisten Ukrainer-Innen fotografiert werden, bei der Ein - und Ausreise. Dieser Vorgang läuft professionell ab, ich kann dabei keine "Erniedrigung " beobachten, es wird gelacht und gescherzt dabei und die Frauen richten ihre Haare etc. Damit es ein 'schönes" Bild gibt.
Bzgl. Ungarn kann ich nur von einer Einreise berichten in 2025 (noch unter Orban), an dem mir sehr gut bekannten Grenzübergang "Lushanka" (Berehove HU), die Ausreiseseite kann man beobachten, ich kann nichts berichten, d.h. für mich normale Abläufe bei der Ausreise, wie auch bei der Einreise. Normale PKW Schlange, ganz im Rahmen. Kurz um, mir ist damals nichts aufgefallen. Alles war SICHER, wie die letzten 70 Mal, als ich den Grenzübergang von 2004 an bis 2025 überquert habe. Ein- und Ausreise.
“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Ich werde am Sonntag ca. 12 Uhr auch wieder in Uhryniw Ausreisen. Dazu mal eine Frage, in Uhrnyiw gibt es ja die besagte EU-Spur, die ja durchweg bei den Ukrainern und den Polen die Ausreisezeit doch erheblich...“
julib77 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Auch wenn ich diese Verbindung toll finde, hätte ich ehrlicherweise Angst, von Polen aus in die Ukraine zu reisen. Die Polen werden immer gewaltsamer gegen Ukrainer und ukrainische Projekte. Außerdem...“
Awarija in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Ups, ja. Irgendwie war zwar die Rede von einem durchgängig buchbaren Fahrschein, aber das bedeutet in der Tat wohl nicht auch zugleich eine unterbrechungsfreie und bequeme Fahrt mit der Bahn. Schade“
MHG1023 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Ja auf dem Papier sieht das wohl alles sehr einfach aus. Offenbar hat Leo da den Mund etwas zu voll genommen, scheint übrigens typisch für die private Verkehrsbranche zu sein. Soweit ich sehe hat sich...“
Awarija in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Ja auf dem Papier sieht das wohl alles sehr einfach aus. Offenbar hat Leo da den Mund etwas zu voll genommen, scheint übrigens typisch für die private Verkehrsbranche zu sein. Soweit ich sehe hat sich...“
Awarija in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„ Obwohl der Leo-Express angeblich seit Juni den Betrieb auf dieser Strecke aufgenommen hat wird die "Bahnfahrt" über Przemysl nach UA wohl noch lange Zukunftsmusik bleiben.
Wie zu lesen ist gibt es noch nichtmal für das polnische Streckennetz eine Zulassung so daß derzeit dort wohl noch mit Bussen gefahren wird.
“
MHG1023 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„изображение.png изображение.png Da muß man wohl mit den Daten etwas herumspielen ... Da wird wohl noch nicht täglich gefahren. Trotzdem Danke.“
MHG1023 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„
Ist korrekt, aber ich finde man hätte trotzdem im Text gleich darauf hinweisen können.War aber nicht "böse" gemeint ...
Bis jetzt sind die Tickets auch noch nicht auf der Webseite buchbar - warum auch immer ...
Hab´s versucht - bekomme aber immer angezeigt "auf dieser Strecke fahren wir nicht"
“
MHG1023 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Man sollte aber explizit dazu schreiben, daß es ein Zug von LeoExpress ist - und nur auf deren Webseite kann man die Fahrkarten kaufen. Zumindest ist es die erste Umsteigefreie Verbindung von Deutschland...“
Eric in Recht, Visa und Dokumente • Re: Deklaration gebrauchter Kleidung beim Zoll
„Vielen Dank, mit einem Briefchen meiner Frau im Gepäck gab es keine Probleme“
Anuleb in Recht, Visa und Dokumente • Re: Seit Anfang des Jahres haben die Zollbeamten Verstöße im Wert von fast 11 Milliarden aufgedeckt
„Am besten wäre natürlich, wenn die Frau mit dabei ist. Alleinreisende Männer stehen schließlich immer unter Verdacht.“
Frank in Recht, Visa und Dokumente • Re: Seit Anfang des Jahres haben die Zollbeamten Verstöße im Wert von fast 11 Milliarden aufgedeckt
„Kein Zoll. Du musst an sich nur sagen dass das privat ist und du nicht damit handeln willst. So lange das nicht Originalverpackt ist und ersichlich das nicht neu sollte es keine Probleme geben“
Eric in Recht, Visa und Dokumente • Deklaration gebrauchter Kleidung beim Zoll
„Hallo Leute, ich weiß nicht, ob ich hier richtig bin mit meiner Anfrage. Ich möchte 4 Umzugskartons mit gebrauchter Straßen Kleidung bei der Einreise in die Ukraine mitnehmen. Es ist gebrauchte Kleidung...“
lev in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Wir sind mit unserem Wohnmobil, wie geplant am Montag 15.6. in Krakovets rüber. Sehr zeitig los gegen 5 Uhr in der Früh. Mit sehr sehr wenig Verkehr, super bis zur Grenze. Nur 8 PKW vor der Schranke....“