Für den Erhalt der dritten Tranche des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Höhe von 3,3 Mrd. $ muss die Ukraine insgesamt zwei Gesetze beschließen, welche die Arbeitsprinzipien der Zentralbank und der Banken ändern. Doch sogar diese geringen Hürden werden aufgrund des Widerstandes der Werchowna Rada schwer zu überwinden sein. Und im Falle der Bildung einer Koalition von BJuT (Block Julia Timoschenko) und der Partei der Regionen könnten die weiteren Verhandlungen mit dem Fonds und der Erhalt neuer Kredite scheitern, befürchten Experten.
In dem gestern vom Internationalen Währungsfonds veröffentlichten Bericht wurde alle Bedingungen aufgezeigt, welche die Ukraine für den Erhalt zweier Kredittranchen in diesem Jahr erfüllen muss. Die dritte Tranche in Höhe von 2,125 Mrd. Sonderziehungsrechten (derzeit 3,31 Mrd. $) könnte in der zweiten Junihälfte erhalten werden und die vierte mit 2,5 Mrd. Sonderziehungsrechten – im November. Auf diese Weise soll die Ukraine 6,53 Mrd. Sonderziehungsrechten bei geplanten 6,5 Mrd. erhalten. Im Jahr 2010 gibt es noch die vierte Tranche von 0,38 Mrd. Sonderziehungsrechten.
Damit diese Zeitpläne erfüllt und die Ukraine im Laufe eines Jahres mehr als 7 Mrd. $ erhält, müssen das Ministerkabinett, die Werchowna Rada und die Zentralbank eine Haushaltsdisziplin einhalten, aktiv an der Aufnahme von Auslands- und Inlandskrediten arbeiten, keine Einschränkungen bei Kapitaloperationen einführen, positive Zinsen beibehalten (Prozente für Einlagen sollen über der erwarteten Inflation von 16% liegen), damit der Mittelzufluss an die Banken wiederbelebt wird und keinen Abwertungsdruck auf den Kapitalmarkt zuzulassen. Ebenfalls soll die Unabhängigkeit der Zentralbank erhöht und deren Rat reformiert werden. Bis Juni soll das Audit der Zentralbankoperationen zur Refinanzierung und der Währungsoperationen im Jahr 2008 abgeschlossen sein.
Die starke Bremsung der Wirtschaft der Ukraine im IV. Quartal des letzten Jahres und im I. Quartal des laufenden berücksichtigend, hat der IWF die Planke für das Wachstum der monetären Basis von 10,9% auf 6,6% (für 2010 – 12,2%) und der Geldmenge auf 3,8% gesenkt.
Die Rekapitalisierung der Banken durch den Staat soll auch im nächsten Jahr fortgesetzt werden – sie beträgt 0,6% vom BIP im Vergleich zu 5% im laufenden Jahr. Der Leiter des Dienstes für sozio-ökonomische Entwicklungen beim Präsidialamt, Roman Shukowskij, erzählte dem “Kommersant-Ukraine“, dass die Hauptbedingung für die Anweisung der dritten Tranche der Beschluss von Gesetzen zur Aufdeckung der wahren Eigentümer kommerzieller Banken durch die Zentralbank und eine Erhöhung der Vollmachten der NBU (Nationalbank der Ukraine) in den nächsten zwei Wochen ist: “Das Gesetz zur Veröffentlichung der realen Eigentümer der Banken (#0884) hat bereits die erste Lesung durchschritten und der zweite Entwurf, zur Unabhängigkeit der NBU, wird in der nächsten Woche vom Präsidenten ins Parlament eingebracht”. Der Meinung von Shukowskij nach, müssen die Gesetze bis zum Eintreffen der IWF-Mission in Kiew beschlossen werden, welches für Mitte Juni geplant ist. Außerdem muss der Mechanismus der Rekapitalisierung der Banken reformiert werden. Eine Überprüfung der Erfüllung der übrigen Forderungen wird am Vorabend der Ausgabe der vierten Tranche im November erfolgen. In der Vertretung des IWF in der Ukraine konnte man keine genauen Fristen für den Besuch der Mission des Fonds nennen.
Die Erfüllung dieser Bedingungen erlauben es der NBU die Bruttoreserven auf einem Niveau von 29,31 Mrd. $ (-7,08%) zu halten, was die kurzfristigen Bruttoschulden des Landes im Jahr 2009 zu 76% abdeckt. Das ist weniger als im Jahr 2008 (88%), doch bereits 2010 wird eine Erhöhung der Währungsreserven der NBU um 3,2 Mrd. $ (+10,9%) auf 32,51 Mrd. $ erwartet. Für 2010 verspricht der IWF makroökonomische Stabilität. Nach dem Rückgang des realen BIP um 8% könnte ein Wachstum im Bereich von 1% und ein Rückgang der Inflation auf 8% einsetzen. Der Rückgang der Reallöhne wird mit 2,5% geringer sein, im Vergleich zu den 11,2% in diesem Jahr.
Experten denken, dass die Erfüllung der IWF-Bedingungen durch die Ukraine unwesentlich die Wirtschaft beeinflusst. “Die Mehrzahl der Forderungen sind auf die strategische Entwicklung des Landes ausgerichtet und haben keinen Einfluss auf die Prozesse in naher Zukunft. Eine Ausnahme ist die Beschränkung des Wachstums der Geldmenge. Das ist ein sehr schwieriger Schritt, doch er beschützt das Land vor einer Beschleunigung der Inflation und einer weiteren Abwertung der Hrywnja”, ist der Analyst der Investmentgesellschaft “Sokrat”, Michail Salnikow, sicher. Die Forderung des Wachstums der Geldmenge wird aktiv von der Opposition kritisiert. “Die Begrenzung des maximalen Wachstums der monetären Basis erlaubt es nicht Geld in Infrastrukturprojekte zu stecken und damit die Schlüsselbranchen der einheimischen Wirtschaft zu unterstützen”, sagt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Partei der Regionen, Anatolij Kinach.
Den Worten des Sekretärs des Radaausschusses zu Fragen der Finanz- und Bankentätigkeit, Jurij Polunejew (Block Julia Timoschenko), nach, wird es für die Koalition sehr schwer die Annahme der zwei Bankengesetze zu erreichen, von denen der Erhalt der IWF-Tranche abhängt. “Ihre Wichtigkeit verstehend, werden mir mit aller Entschiedenheit arbeiten”, versprach der Abgeordnete. “Doch sind das sehr schwierige Fragen, besonders die Offenlegung der realen Eigentümer der Banken – viele von ihnen sitzen in der Werchowna Rada”.
Die nahenden Präsidentschaftswahlen gefährden den rechtzeitigen Erhalt der vierten Tranche für die Unterstützung des Hrywnjakurses. Der Direktor der ökonomischen Programme des Rasumkowzentrums, Wassilij Jurtschischin, lässt zu, dass im Falle eine Koalitionsbildung von der Partei der Regionen und von BJuT, ein Teil der IWF-Bedingungen neu überprüft wird. Die gleiche Meinung vertritt Kinach: “Fraglos werden wir eine harte Diskussion führen, dabei die Notwendigkeit der Entfernung der Forderungen (zum Wachstum der Geldmenge) aus dem Memorandum beweisend”. “Der IWF hat bereits einmal nachgegeben, die Erhöhung des Haushaltsdefizits erlaubend. Möglich ist, dass er auch diesmal nachgibt. In vielem wird dies vom Zustand der Wirtschaft am Ende des Jahres abhängen”, betont die Analystin der Investmentfirma “Troika Dialog Ukraina”, Irina Piontkowskaja.
Jurij Pantschenko
Quelle: Kommersant-Ukraine
Die genauen Formulierungen des IWF sind dem Länderreport zu entnehmen.
Forumsdiskussionen
Frank in Nützliche und interessante Sachen • Re: Botschaftshinweise: Onlineeintragung in die "Deutschenliste" zur Krisenvorsorge
„"§ 107 Wahlbehinderung (1) Wer mit Gewalt oder durch Drohung mit Gewalt eine Wahl oder die Feststellung ihres Ergebnisses verhindert oder stört ..." Hat mit seinem Anliegen irgendwie gar nix zu tun na...“
Bernd D-UA in Politik • Re: Der Ukraine droht ein schmerzhafter Abschied vom Donbass
„Toleranz ist das Stichwort und im Grunde befindet er sich zum großen Teil unter Gleichgesinnten und erkennt es nicht, sehr schade, allerdings sind seine Umgangsformen etwas eingeschränkt, was ebenso...“
Bernd D-UA in Nützliche und interessante Sachen • Re: Botschaftshinweise: Onlineeintragung in die "Deutschenliste" zur Krisenvorsorge
„@tombi Die Meinung anderer zu achten ist nicht so Dein Ding, Du musst sie ja nicht teilen. Dies ist aber eine grundlegende Regel einer Diskussion, daher macht die Diskussion mit Dir wenig Sinn, offensichtlich...“
Frank in Politik • Re: Der Ukraine droht ein schmerzhafter Abschied vom Donbass
„... keine macht den Drogen ... such dir mal Hilfe“
Tombi in Nützliche und interessante Sachen • Re: Botschaftshinweise: Onlineeintragung in die "Deutschenliste" zur Krisenvorsorge
„@tombi, das Land hat andere Probleme als Dir Deine Wahlunterlagen hinterher zu tragen. Soll auch so bleiben, kostet nur unnötig Steuergelder! Soweit alles Verstanden? Aha, wieder so ein Widerling der...“
Tombi in Politik • Re: Der Ukraine droht ein schmerzhafter Abschied vom Donbass
„Handrij, ich vermute Du bist ein FSB-Agent, da ich mit Euch Moördern nicht zusammen arbeiten möchte, und mir Deine Zensur zu peinlich ist: gehe ich, ich verlasse Dich & Deine Desinformation, deine...“
Tombi in MDR • Re: Ukraine-News: Russland meldet Rückeroberung von Großteil besetzter Kursk-Region
„Wer ist eigentlich so naiv, und verbreitet immer noch putinsche Propaganda Meldungen, in diesem Forum? Ihr wisst doch genau, dass der keinen mehr hoch bekommt. Ausser Lügen stemmt der doch gar nichts...“
Tombi in Ukraine-Nachrichten • Re: Kellogg muss Putin überzeugen, sich aus der Ukraine zurückzuziehen
„Quatsch, Kellogs muss nur Putin überzeugen, die Ukraine zu verlassen, und sein Morden einzustellen. wer schreibt diesen hinterhältige Putinschen Propaganda Artikel eigentlich, sind diese dämlich? Geht...“
Obm100 in MDR • Re: Ukraine-News: Selenskyj: USA können Russland zum Frieden zwingen
„Wohl eher umgekehrt. Putin würde es aus Angst vor amerikanischen Atomwaffen niemals wagen Alaska oder andere US-Territorien direkt anzugreifen. Von angeblicher Rechtlosigkeit der dort noch ansässigen...“
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„Wohl eher umgekehrt. Putin würde es aus Angst vor amerikanischen Atomwaffen niemals wagen Alaska oder andere US-Territorien direkt anzugreifen. Von angeblicher Rechtlosigkeit der dort noch ansässigen...“
Obm100 in MDR • Re: Ukraine-News: Selenskyj: USA können Russland zum Frieden zwingen
„Mich würde es Interessieren, ob die Amis sich auch raushalten, wenn der Zwerg Alaska besetzt oder Teilbesetzt. Es könnte ja zu einem Atomkrieg kommen, wenn die Amis Truppen schicken. Sie senden anscheinend...“