Noch vor kurzem, als Premierminister Nikolaj Asarow anlässlich der einhundert Tage Regierungsarbeit auftrat, verlieh er seiner Überzeugung Ausdruck, dass das Kabinett in der jetzigen Zusammensetzung wenigstens bis zum Herbst arbeitet. Jedoch wurden am Freitag blitzartig Umweltminister Wiktor Bojko und der Vizepremierminister für Fragen der humanitären Politik, Wladimir Seminoshenko, entlassen.
Wenn von einer Entlassung Bojkos bereits vor einem Monat geredet wurde (übrigens forderten als erste seine Parteigenossen vom Block Litwin seine Entlassung – “Delo“ vom 2.06.2010), so wurde die Entlassung von Seminoshenko eine vollständige Überraschung. Formal forderte die Entlassung des Vizepremiers die Opposition. Doch als am Freitag diese Frage zur Abstimmung gestellt wurde drückten auch die Abgeordneten der Proregierungs-Partei der Regionen das „Ja“ Knöpfchen. Dies schockierte die Oppositionellen derart, dass sie von der Koalition öffentliche Erklärungen zu diesem Anlass forderten.
Alles beurteilend, sind die oben erwähnten Entlassungen nur erste Schwalben. Gesprächspartner der Zeitung “Delo“ bei der Leitung der Partei der Regionen versichern: das Damoklesschwert hängt über dem Gesundheitsminister Sinowij Mytnyk und dem Kohleindustrieminister Jurij Jaschtschenko. Unzufrieden ist man in der Administration des Präsidenten ebenfalls mit der Arbeit des Ministers für Sozialpolitik, Wassilij Nadraga. Bei der Partei der Regionen ist man ebenfalls vorbereitet darauf, dass jeden Moment der Vizepremier für Wirtschaftspolitik, Sergej Tigipko, jeden Moment seinen Rücktritt einreicht.
Am Freitag entließ die Werchowna Rada zuerst den Umweltminister Wiktor Bojko und ernannte an seiner Stelle den ehemaligen Leiter der Staatsreserve Nikolaj Slotschewskij. Darüber, dass sich über Bojko Gewitterwolken zusammenziehen, informierte die Zeitung “Delo“ zuerst Anfang Juni (Ausgabe vom 02.06.2010). Damals sprach ihre Unzufriedenheit mit der Tätigkeit des Ministers die Fraktion aus, nach deren Quote Bojko ernannt wurde – der Block Litwin. Wie “Delo“ erfuhr, war die Leitung des Blocks Litwin am Donnerstagabend zu einer Beratung beim Präsidenten. „Ich denke, dass die Einigung zur Entlassung von Bojko in der Präsidialadministration erreicht wurde“, betonte gegenüber “Delo“ Walerij Baranow, Abgeordneter des Blocks Litwin. Seinen Worten nach wurde Bojko aufgrund von „Insiderinformationen“, die den Staatsbediensteten diskreditierten, entlassen. Wo der entlassene Minister arbeiten wird, wissen die Parteigenossen bislang nicht. „Wir denken darüber noch nach“, antwortete “Delo“ der Fraktionsvorsitzende des Blocks Litwin, Igor Scharow. „Nach der Ernennung des Vertreters der Partei der Regionen, Nikolaj Slotschewskij, auf den freiwerdenden Posten, der vorher als Leiter der Staatsreserve arbeitete, ist die Quote dieser Behörde an den Block Litwin übergegangen“, teilte der Fraktionsvorsitzende der Partei der Regionen, Alexander Jefremow, mit.
Absurde Versetzungen
Nach der Entlassung von Wiktor Bojko hob sich die Werchowna Rada auch durch andere Personalentscheidungen hervor. Es wurde zu einer vollkommenen Überraschung sowohl für die Öffentlichkeit, als auch für die Mitglieder der Regierung. Die entließen den Vizepremier für humanitäre Fragen, Wladimir Seminoshenko, mit einer Rekordstimmenzahl (378). „Ich wusste nicht, dass wir Seminoshenko entlassen werden. Ich kam, Michail Tschetschetow gab das Kommando und wir stimmten ab. Ich ging danach zu ihm und fragte, ob das irgendein Fehler sein könnte, doch er antwortete, dass alles richtig getan wurde“, teilte “Delo“ Elbrus Tadejew, Abgeordneter der Partei der Regionen, mit. Die „Regionalen“ diskutierten diese Personalentscheidung nicht einmal auf der Fraktionssitzung. „Doch wir hatten heute keine Fraktionssitzung, daher konnten wir es nicht diskutieren“, erläuterte Jefremow. Nicht weniger überrascht von den Vorgängen waren die Kollegen Seminoshenkos. Viele von “Delo“ befragte Kabinettsmitglieder erklärten, dass auf der Regierungssitzung am vergangenen Mitwoch diese Frage nicht aufgeworfen wurden. Später erklärte Jefremow die Entlassung des Vizepremiers mit dessen Versuch ein Wissenschaftsministerium einzurichten. „Das Kabinett konnte darauf nicht eingehen, ein gesondertes Wissenschaftsministerium unter Seminoshenko einzurichten“, sagte Jefremow. Außerdem wurde Seminoshenko des Lobbyismus für ausländische Gesellschaften bei der Synchronisation von Filmen beschuldigt und bezeichneten ihn als ineffektiven Manager aufgrund des mangelnden Willens das Institut für nationales Gedächtnis aufzulösen, welches unter Präsident Wiktor Juschtschenko gegründet wurde.
Nicht unterlassen werden darf auch die Tatsache, dass Seminoshenko „ungeliebt“ unter den Kern-“Regionalen“ bliebt. „Er geriet mehr zufällig in die Regierung, so wie er aus ihr herausfiel. Er ist einstmals mit einem Skandal aus der Partei der Regionen weggegangen und rief mich während des letzten (Partei-)Kongresses an und fragte, warum er nicht eingeladen wurde. Und ich habe ihm nur geantwortet: Wer bist du eigentlich?!“, erzählt ein Gesprächspartner von “Delo“.
Wer ist der nächste?
Die Entlassungen von Seminoshenko und Bojko sind die ersten Schwalben beim Bestreben des Präsidenten das Kabinett umzugestalten. Gesprächspartner von “Delo“ bei der Leitung der Partei der Regionen bekräftigen, dass Nikolaj Asarow bereits praktisch der Entlassung des Gesundheitsministers Sinowij Mytnyk zugestimmt hat, dessen Entlassung die Leiterin des Gesundheitsausschusses und Abgeordnete der Partei der Regionen, Tatjana Bachtejewa, erreichen möchte. Auf diesen Posten erheben gleich drei Anspruch: der Ex-Stellvertreter des Gesundheitsministers, Alexander Orda, der Abgeordnete der Kommunisten, Jurij Gajdajew, und die Sekretärin des Rates für nationale Sicherheit und Verteidigung, Raissa Bogatyrjowa.
Gewitterwolken haben sich auch über dem Minister für die Kohleindustrie, Jurij Jaschtschenko, zusammengezogen. Noch am Anfang des Sommers hatte Wiktor Janukowitsch die Chancen dafür, dass dieser auf seinem Posten bleibt, auf 1:99 angesetzt. „Ja, Jaschtschenko ist ein schwacher Minister, doch bislang wurde für ihn kein Ersatz gefunden“, bestätigen sofort einige Informanten bei der Partei der Regionen. Den Informationen von “Delo“ nach steht auch der Minister für Agrarpolitik Nikolaj Prisjashnjuk von Seiten seines „Vormundes“, Vizepremier Wiktor Slauta, in Frage. Beunruhigt ist man bei der Präsidialadministration auch über den Minister für Sozialpolitik und Arbeit, Wassilij Nadraga. „Er schwatzt zuviel. Wir haben ihn nicht bevollmächtigt von der Erhöhung des Rentenalters zu reden. Wir hatten überhaupt keine derartige Initiative – das Rentenalter zu erhöhen. Aber ich denke, dass er erst einmal weiterarbeitet“, sagt der Gesprächspartner von “Delo“. Krönung der Säuberungen im Kabinett könnte ein freiwilliger Rücktritt von Sergej Tigipko vom Posten des Vizepremiers sein. „Tigipko schlägt selbst die Tür zu und geht, dabei die amtierende Regierung kritisierend“, meint einer der Leiter der Partei der Regionen.
Olga Wassiljewskaja, Anna Kowaltschuk
Quelle: Delo


Forumsdiskussionen
Awarija in Ukraine-Nachrichten • Re: Die Ukraine hat Sanktionen gegen die Macher der Zeichentrickserie „Mascha und der Bär“ verhängt
„Inzwischen hat sich ja auch die Tagesschau etwas eingehender mit diesem Thema befaßt. Demnach seien indirekte Geldflüsse zum Kreml der Grund für das erfolgte Verbot der Serie. Ich schätze jedenfalls...“
Awarija in Ukraine-Nachrichten • Re: Die Ukraine hat Sanktionen gegen die Macher der Zeichentrickserie „Mascha und der Bär“ verhängt
„ Ist die Meldung überhaupt aktuell, die "Welt" schrieb offenbar schon 2023 über genau dieses Thema ?
“
Awarija in Ukraine-Nachrichten • Re: Die Ukraine hat Sanktionen gegen die Macher der Zeichentrickserie „Mascha und der Bär“ verhängt
„Kennt jemand vielleicht die Hintergründe dafür ? Soweit ich das sehe handelt es sich doch um eine völlig harmlose Kinderserie ohne jede Spur von Propaganda oä ?“
Awarija in Ukrinform • Re: Russland attackiert erneut Grenzübergang zu Moldau in Region Odessa, Verkehr gesperrt
„ Was meint "erneut" ??
Bislang glaubte ich daß man sich als Reisender zumindest in unmittelbarer Grenznähe sicher fühlen konnte ?
“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Bei Ankunft am Blockposten im Internet (nakordoni.eu) 4h Wartezeit und 40 PKW am Grenzübergang, einen Teil der Wartezeit sitzt man am Blockposten ab, die halten die PKW Warteschlange von dem eigentlichen...“
Frank in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Auch wenn ich diese Verbindung toll finde, hätte ich ehrlicherweise Angst, von Polen aus in die Ukraine zu reisen. Die Polen werden immer gewaltsamer gegen Ukrainer und ukrainische Projekte. Außerdem...“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Ich dachte z.B. Krakovetz hat diese Spur nicht, jedenfalls bin ich in 2025 mit allen anderen bei den Ukrainern durchgeschleust worden, anschließend bei den Polen EU Spur..“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„ Hallo julib77,
Bzgl. Ausreisen mit PKW nach Polen möchte ich Dir deutlich widersprechen, ich weiß nicht woher Du Deine Informationen beziehst.
Schau einfach hier einmal Thread nach "An welchem Grenzübergang geht's am schnellsten? Da musst Du nicht suchen, der steht derzeit auch immer weit oben. Auch wenn wir da, nur über die Abläufe und die Wartezeiten berichten, findest Du nicht einen Kommentar darüber, dass Ukrainer schlecht behandelt werden. (2025 bis heute, ca. 25 Ein- und Ausreisen)
Ich kann nur sagen, ich beobachte keinerlei Repressalien, ganz im Gegenteil, die Ukrainer werden respektvoll behandelt, ist stelle keinen Unterschied zu mir als Deutschen fest. Das einzig berichtenswerte ist, dass die meisten Ukrainer-Innen fotografiert werden, bei der Ein - und Ausreise. Dieser Vorgang läuft professionell ab, ich kann dabei keine "Erniedrigung " beobachten, es wird gelacht und gescherzt dabei und die Frauen richten ihre Haare etc. Damit es ein 'schönes" Bild gibt.
Bzgl. Ungarn kann ich nur von einer Einreise berichten in 2025 (noch unter Orban), an dem mir sehr gut bekannten Grenzübergang "Lushanka" (Berehove HU), die Ausreiseseite kann man beobachten, ich kann nichts berichten, d.h. für mich normale Abläufe bei der Ausreise, wie auch bei der Einreise. Normale PKW Schlange, ganz im Rahmen. Kurz um, mir ist damals nichts aufgefallen. Alles war SICHER, wie die letzten 70 Mal, als ich den Grenzübergang von 2004 an bis 2025 überquert habe. Ein- und Ausreise.
“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Ich werde am Sonntag ca. 12 Uhr auch wieder in Uhryniw Ausreisen. Dazu mal eine Frage, in Uhrnyiw gibt es ja die besagte EU-Spur, die ja durchweg bei den Ukrainern und den Polen die Ausreisezeit doch erheblich...“
julib77 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Auch wenn ich diese Verbindung toll finde, hätte ich ehrlicherweise Angst, von Polen aus in die Ukraine zu reisen. Die Polen werden immer gewaltsamer gegen Ukrainer und ukrainische Projekte. Außerdem...“
Awarija in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Ups, ja. Irgendwie war zwar die Rede von einem durchgängig buchbaren Fahrschein, aber das bedeutet in der Tat wohl nicht auch zugleich eine unterbrechungsfreie und bequeme Fahrt mit der Bahn. Schade“
MHG1023 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Ja auf dem Papier sieht das wohl alles sehr einfach aus. Offenbar hat Leo da den Mund etwas zu voll genommen, scheint übrigens typisch für die private Verkehrsbranche zu sein. Soweit ich sehe hat sich...“
Awarija in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Ja auf dem Papier sieht das wohl alles sehr einfach aus. Offenbar hat Leo da den Mund etwas zu voll genommen, scheint übrigens typisch für die private Verkehrsbranche zu sein. Soweit ich sehe hat sich...“
Awarija in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„ Obwohl der Leo-Express angeblich seit Juni den Betrieb auf dieser Strecke aufgenommen hat wird die "Bahnfahrt" über Przemysl nach UA wohl noch lange Zukunftsmusik bleiben.
Wie zu lesen ist gibt es noch nichtmal für das polnische Streckennetz eine Zulassung so daß derzeit dort wohl noch mit Bussen gefahren wird.
“
MHG1023 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„изображение.png изображение.png Da muß man wohl mit den Daten etwas herumspielen ... Da wird wohl noch nicht täglich gefahren. Trotzdem Danke.“
MHG1023 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„
Ist korrekt, aber ich finde man hätte trotzdem im Text gleich darauf hinweisen können.War aber nicht "böse" gemeint ...
Bis jetzt sind die Tickets auch noch nicht auf der Webseite buchbar - warum auch immer ...
Hab´s versucht - bekomme aber immer angezeigt "auf dieser Strecke fahren wir nicht"
“
MHG1023 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Man sollte aber explizit dazu schreiben, daß es ein Zug von LeoExpress ist - und nur auf deren Webseite kann man die Fahrkarten kaufen. Zumindest ist es die erste Umsteigefreie Verbindung von Deutschland...“
Eric in Recht, Visa und Dokumente • Re: Deklaration gebrauchter Kleidung beim Zoll
„Vielen Dank, mit einem Briefchen meiner Frau im Gepäck gab es keine Probleme“
Anuleb in Recht, Visa und Dokumente • Re: Seit Anfang des Jahres haben die Zollbeamten Verstöße im Wert von fast 11 Milliarden aufgedeckt
„Am besten wäre natürlich, wenn die Frau mit dabei ist. Alleinreisende Männer stehen schließlich immer unter Verdacht.“