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Der Krieg um die Würde

Fast eine gewöhnliche Geschichte. Allerdings nicht für die Niederlande und Schweden, aber für uns, die post-sowjetischen Menschen. Ein junger Mann beschloss ein Unternehmen zu gründen. In seiner Heimat, in Usbekistan. Er verstieß gegen die inoffiziellen „Spielregeln“, aus irgendwelchem Grund entschied er legal zu arbeiten. Sofort kam er in Konflikt mit den lokalen Beamten. Dort in Usbekistan, insbesondere in der Provinz, sind solche Freiheiten ernsthaft strafbar. Den Konflikt zu lösen ist nicht gelungen. 2011 flieht der junge Unternehmer in die Ukraine. Zusammen mit seiner Frau siedelt er sich in der Lugansker Region an.

Die Arbeit bei dem örtlichen Landwirt war sehr schwer zu bekommen, er arbeitete dort zusammen mit seiner Frau. Er musste viel und schwer arbeiten, ohne eine entsprechende Belohnung zu erwarten. Der Landwirt hat seine und seiner Frau Papiere „zur Aufbewahrung“ genommen. Und es hat sich dann herausgestellt, die jungen Usbeken sind in die Sklaverei geraten. Diese gibt es in unserem Land (die Ukraine) schon lange nicht mehr. Ab und zu kettete der Landwirt sie an, er schlug sie. Für den Ungehorsam, ungenügend fleißiges Arbeiten, für seine schlechte Laune.

Nach einigen Monaten konnten sie fliehen. Der besoffene Landwirt konnte sie nicht aufhalten. Wohin sind sie gegangen? Aber natürlich, zur Miliz. Sie dachten ja, sie könnten mit Schutz und Hilfe rechnen. Unsere eigenen Rechtsschutzkräfte, nachdem sie die kürzlichen Sklaven angehört haben, zeigten sie spürbare Hilfe und gaben Schutz: sie schlugen den Mann zusammen, vergewaltigten (den Mann!) und warfen sie auf die Straße. Die Usbeken wandten sich an ein Gericht mit der Bitte um die Hilfe. Unser ganz unabhängiges Gericht verweigerte die Hilfe.

Das Ehepaar zog in die Donezker Region um. Irgendwo fanden sie Unterkunft, irgendwo Arbeit. Bis der Krieg anfing. Unser, der russisch-bürgerliche Krieg. Jetzt sind die Usbeken in Kiew. Die Freiwilligen helfen ihnen wie es nur möglich ist. So haben sie meinen Kollegen, einen Arzt, Psychater, hinzugezogen. Warum einen Psychater? Der Anlass ist berechtigt: es hat sich eine posttraumatische Stressstörung bei dem jungen Usbeken nach dem Besuch der ukrainischen Miliz entwickelt. Sie wird von ausdrücklichen Symptomen begleitet: er hat Angst vor Personen in Polizeiuniform, in der Nacht sieht er Alpträume mit dem erlebten Gewaltakt usw.

In der Lugansker Region ist Krieg. Ich zweifele nicht daran, welche „politische“ Position der Landwirt, die Miliz und die Richter angenommen haben… In ihrem Bewusstsein gibt es keinen Platz für solche Phantasien wie menschliche Würde, Freiheit, Gerechtigkeit. Ich bin mir sicher, sie wollen nicht europäisch leben. Und tatsächlich, sie werden es auch nicht können.

Unser Krieg ist nicht für das Territorium. Der Herr Putin braucht unseren erschöpften Boden und die Abraumhalden nicht. Dieser Krieg ist für das Recht auf menschliche Würde. Der Krieg zwischen der gewohnten Sklaverei und der ersehnten Freiheit. Vor hinreichend langer Zeit gab es einen solchen Krieg in Nordamerika. Ein blutiger, qualvoller Krieg. Die Freiheit hat gesiegt. Das Institut der Sklaverei wurde vernichtet. Im Grunde damals infolge des Sieges der Freiheit (der nördlichen Staaten der USA) hat sich die amerikanische politische Nation herausgebildet. Ich hoffe, hier in der Ukraine wird auch die Freiheit siegen. Der Krieg wird zu Ende kommen und wie werden zu einer politischen Nation. Der ukrainischen.

Und was wird aus dem Landwirt, der Miliz, den Richtern, die von der Freiheit niedergeworfen wurden? Sie können ausreisen. Zum Beispiel nach Russland. Aber ich bezweifle sehr, dass Wladimir Wladimirowitsch solch verderbtes menschliches Material brauchen würde, das eigene reicht bereits aus. Sie können auch in der Ukraine bleiben, allerdings nur im Gefängnis.

4. August 2014 // Semjon Glusman

Quelle: Lewyj Bereg

Übersetzerin:    — Wörter: 611

Olena Ryeznikova arbeitet als freiberufliche Übersetzerin/Dolmetscherin

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