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Leviathan 2.0

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Wirtschaftsminister Pjotr Poroschenko und Ministerpräsident Nikolaj AsarowWirtschaftsminister Pjotr Poroschenko und Ministerpräsident Nikolaj Asarow am 23. März 2012, Quelle: Regierungsseite http://www.kmu.gov.ua/control/uk/photogallery/gallery?galleryId=245072249&
Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht. Das kann man auch auf Putin, Janukowitsch, Poroschenko, Jazenjuk, Saakaschwili und andere Helden und Antihelden unserer Zeit beziehen. Laute Worte von Wladimir Wladimirowitsch (Putin), die Lipezker Fabrik von Pjotr Aleksejewitsch (Poroschenko) und das goldene Stangenbrot von Wiktor Fjodorowitsch (Janukowitsch) rücken in den Mittelpunkt und verdecken komplexere systemische Erscheinungen.

Daher sollen viele Entwicklungen der neuesten ukrainischen Geschichte ohne Bezug auf die Persönlichkeiten begriffen werden.

Also: Wie würde der Euromajdan ohne Janukowitsch, Asarow, Sachartschenko und oppositionelle Anführer aussehen? Ohne abgedroschene Parolen und Gesänge?

Tatsächlich erlebten wir Ende 2013 eine Auseinandersetzung von normalen Menschen mit Staatsmenschen, eine Schlacht der Ukrainer mit dem Hobbes’schen Leviathan.

Bewaffnet mit den Gummiknüppeln der Berkut (inzwischen offiziell aufgelöste Aufstandsbekämpfungseinheit der Polizei, A.d.R.) versuchte der Staat die einstigen Freiheiten zu beenden und dem Volk zu demonstrieren, wer der Herr ist. Einige Bürger zeigten sich damit nicht einverstanden und so begann die Auseinandersetzung.

Auf der einen Seite standen große und kleine Beamte, Polizei und Truppen des Innenministeriums, Staatsangestellte und weitere staatliche Ressourcen bis hin zu dem eingestellten Metrobetrieb in der Hauptstadt.

Auf der anderen Seite befanden sich Privatpersonen, private Bekannte, privat organisierte Zelten, Autos, Lebensmittel, Heizmittel, Medikamente und Autoreifen.

Im Endergebnis war die private Initiative Hunderttausender Ukrainer stärker als der zentralisierte Staatsapparat – der Majdan siegte.

Die Zukunft der Ukraine schien beschlossen zu sein. Der bezwungene Leviathan würde zu einem gutmutigen Taschentier mutieren. Der Staat würde künftig ins Privatleben seiner Bürger nicht rücksichtslos eingreifen, der einfache Bürger würde sich stark und frei fühlen, die bürokratischen Hürden würden verschwinden, der Privatsektor würde es alles zum Erfolg bringen.

Dieses idealistische Bild zeichnete sich zum 22. Februar 2014.

Dann entflammte der Krieg mit Russland. Trotz der Pflichtreden über Liberalisierung und Deregulierung entwickelte sich der staatliche Organismus in eine andere Richtung.

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Der Krieg ist des Leviathans natürlicher Lebensraum. In diesem Lebensraum, in dem das staatliche Gewaltmonopol zum größten Wert wird, ist die Einschränkung persönlicher Rechte und Freiheiten unvermeidbar, während der bürokratische Apparat mit außerordentlichen Vollmachten ausgestattet wird. Das galt und gilt für jedes Land im Kriegszustand, von Putins Russland bis Roosevelts USA.

Bemerkenswert ist, dass auch eine niederschmetternde Niederlage und beschämende Kapitulation die Steigerung des staatlichen Drucks nicht aufhalten kann. Erinnern wir uns an das Vichy-Regime, das die Dritte Französische Republik 1940 ablöste.

Alles, was den einfachen Menschen Leid und Elend zufügt, stärkt die Staatsmenschen. Die Staatsmaschine gleicht dem von Robert Sheckley beschriebenen außerirdischen Blutegel – mit Bomben beworfen, saugt er die Energie auf und wächst augenblicklich.

Mit der beginnenden Aggression Russlands gewann unser Leviathan seine Machtstellung zurück, die er auf dem Euromajdan verloren hatte. Die ausgerufene Teilmobilisierung scheint sein erster bedeutender Erfolg zu sein. Der Staat demonstrierte, dass er der legitime Herr über seine Bürger, deren Leib, Leiden und Leben ist. Der Wille des Herrn versetzt die einen Menschen in die Schützengräben, die anderen in die Flucht; wieder andere beeilen sich mit Darbringungen für die unternehmenslustigen Diener des Leviathan.

Vom militärischen Standpunkt aus betrachtet kann der Erfolg der Mobilisierung bezweifelt werden, vom Standpunkt des Staats jedoch war die Mobilisierung ein absoluter psychologischer Erfolg.

Es kommt noch mehr.

Jede vom Krieg verursachte medienwirksame politische Maßnahme breitete die Machtstellung der Staatsmenschen gegenüber den einfachen Menschen aus.

Kriegssteuer? Die Obrigkeit verlangt von ihren Bürgern eine Zusatzabgabe.

Entkommunisierung? Die Obrigkeit entscheidet darüber, was die Bürger zu sehen haben und was nicht.

Antischmuggelkampagne? Die Obrigkeit legt fest, wie die Bürger deren persönliche Güter und das eigene Geld zu verwalten haben.

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Einstellung des Eisenbahnverkehrs mit der besetzten Krim oder des Luftverkehrs mit der Russischen Föderation? Die Bewegungsfreiheit der Bürger hängt von der Obrigkeit ab.

Einige dieser Schritte scheinen berechtigt und notwendig zu sein – im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt! Die anderen sind es nicht. Ungeachtet unserer Vorbehalte stärken sie die Staatsbürokratie, indem sie diese mit zusätzlichen Handlungsmöglichkeiten ausstatten. Mehr Verbote, Einschränkungen und Vorschriften bedeuten mehr Vollmachten und dementsprechend mehr Missbrauch.

Wenngleich es keine heimtückische Absicht, sondern ein gesetzmäßiger allgemein üblicher Prozess ist, die Ukrainer können gewinnen oder verlieren, der Staat bleibt in jedem Fall der Nutznießer. The house always wins.

Man kann dem widersprechen: Der Krieg habe auch dem Staat geschadet, der Staat habe die Kontrolle über die Krim und den Donbass verloren. Dieser Blick ist jedoch oberflächlich. In der Tat ist der Kiewer Leviathan nicht mehr Herr über diese Regionen, aber dort traten noch grausamere und abscheulichere Ungeheuer die Herrschaft an.

Der kremlergebene Leviathan auf der Krim sowie der separatistische Leviathan im Donbass räumen dem Volk überhaupt keine Freiheiten ein und stehen standardmäßig über Recht und Gesetz. In den letzten anderthalb Jahren schrumpfte die Größe des privaten Raums in der ganzen Ukraine, während sich die Staatsmacht räumlich ausbreitete. Das gilt insbesondere für die besetzten Gebiete, die Tendenz zeichnet sich jedoch überall in der Ukraine ab.

Oft wird verkündet, dass der Staat von den radikalen schwer bewaffneten Jungs in den Sturmhauben gefährdet wird. Das ist nicht ganz richtig. Die friedlichen Einwohner von Kiew, die nach den Ereignissen des 30. November 2013 auf den Majdan kamen, stellten eine echte Gefahr nicht nur für Janukowitsch und Sachartschenko, sondern auch für den Leviathan selbst dar. Denn deren Ziel war Protest gegen die Gewalt.

Dagegen stellen die heutigen bis an die Zähne bewaffneten Radikalen eine Bedrohung für Pjotr Aleksejewitsch und Arsen Borisowitsch (Awakow, der Innenminister, A.d.R.), aber keinesfalls für das System, dar. Denn deren Ziel ist Verbreitung der Gewalt nach eigenem Ermessen. Werden sie siegreich sein, bekommt der Leviathan noch eifrigere Diener als Poroschenko und Awakow – das Staatsmonster wird sich bis in beispiellose Dimensionen ausdehnen. Im Endeffekt ist es zweifellos ein gewinnsicheres Spiel für das Ungeheuer.

Einige von uns freuen sich aufrichtig über die Erstarkung der Staatsmacht und fordern die „Fortsetzung des Festmahles“. Denn heute wird dieser Prozess mit den richtigen Losungen begleitet, unter den Staatsmännern finden sich ein paar gute Kerle und das staatliche Gewaltmonopol kann heute gegen unsere Feinde gerichtet werden.

Es gibt ein „Aber“. Die offizielle Rhetorik verändert sich im Laufe der Zeit, die einen Staatsbeamten werden durch die anderen ersetzt, die durch den Staatsapparat akkumulierten Vollmachten bleiben aber weiterhin bestehen. Je umfangreicher diese sind, desto größer ist die Gefahr, dass der Leviathan morgen auch Sie zu verschlingen wünscht.

Die ukrainischen IT-Fachleute konnten sich davon bereits überzeugen. Deren Selbstverständnis als Salz der bürgerlichen Gesellschaft wurde jüngst durch eine präzedenzlose Durchsuchungswelle erschüttert.

Inwiefern wird sich die Situation verändern, wenn der militärische Konflikt im Donbass doch eingefroren wird? Es scheint, die Rückkehr zum friedlichen Leben würde es dem Staat schwermachen, sich als Heimat anzubieten und seine Handlungen durch eine „Carte blanche“ zu rechtfertigen.

Der Leviathan entwickelte aber mittlerweile starke Muskeln und Eigeninteressen. Er ist bereit, seine Vollmachten nicht nur auf Kriegskosten, sondern auch anderweitig zu erweitern.

Dies kann beispielsweise unter dem Banner der Reformen und Eurointegration vonstattengehen. Die europäische Erfahrung ist vielfältig, die Reformen sind verschieden. Man könnte dabei die Grundwerte entlehnen, die Europa zur Blüte verhalfen: Rechtstaatlichkeit, Unantastbarkeit des Privateigentums, unternehmerische Freiheit. Zugleich könnte man die bürokratischen Mechanismen kopieren, die das alte europäische Potenzial heute zerstören und eine Quelle der gegenwärtigen Probleme in der EU sind.

Welche Erfahrung unser wachsender Leviathan zu entlehnen bevorzugen mag – bleibt wohl eine rhetorische Frage.

Und was bevorzugen wir?

16. Oktober 2015 // Michail Dubinjanskij

Quelle: Ukrainskaja Prawda

Übersetzerin:   Alena Maklak — Wörter: 1200

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„Inzwischen hat sich ja auch die Tagesschau etwas eingehender mit diesem Thema befaßt. Demnach seien indirekte Geldflüsse zum Kreml der Grund für das erfolgte Verbot der Serie. Ich schätze jedenfalls...“

„ Ist die Meldung überhaupt aktuell, die "Welt" schrieb offenbar schon 2023 über genau dieses Thema ?


„Kennt jemand vielleicht die Hintergründe dafür ? Soweit ich das sehe handelt es sich doch um eine völlig harmlose Kinderserie ohne jede Spur von Propaganda oä ?“

„ Was meint "erneut" ??
Bislang glaubte ich daß man sich als Reisender zumindest in unmittelbarer Grenznähe sicher fühlen konnte ?


„Bei Ankunft am Blockposten im Internet (nakordoni.eu) 4h Wartezeit und 40 PKW am Grenzübergang, einen Teil der Wartezeit sitzt man am Blockposten ab, die halten die PKW Warteschlange von dem eigentlichen...“

„Auch wenn ich diese Verbindung toll finde, hätte ich ehrlicherweise Angst, von Polen aus in die Ukraine zu reisen. Die Polen werden immer gewaltsamer gegen Ukrainer und ukrainische Projekte. Außerdem...“

„Ich dachte z.B. Krakovetz hat diese Spur nicht, jedenfalls bin ich in 2025 mit allen anderen bei den Ukrainern durchgeschleust worden, anschließend bei den Polen EU Spur..“

„ Hallo julib77,

Bzgl. Ausreisen mit PKW nach Polen möchte ich Dir deutlich widersprechen, ich weiß nicht woher Du Deine Informationen beziehst.

Schau einfach hier einmal Thread nach "An welchem Grenzübergang geht's am schnellsten? Da musst Du nicht suchen, der steht derzeit auch immer weit oben. Auch wenn wir da, nur über die Abläufe und die Wartezeiten berichten, findest Du nicht einen Kommentar darüber, dass Ukrainer schlecht behandelt werden. (2025 bis heute, ca. 25 Ein- und Ausreisen)

Ich kann nur sagen, ich beobachte keinerlei Repressalien, ganz im Gegenteil, die Ukrainer werden respektvoll behandelt, ist stelle keinen Unterschied zu mir als Deutschen fest. Das einzig berichtenswerte ist, dass die meisten Ukrainer-Innen fotografiert werden, bei der Ein - und Ausreise. Dieser Vorgang läuft professionell ab, ich kann dabei keine "Erniedrigung " beobachten, es wird gelacht und gescherzt dabei und die Frauen richten ihre Haare etc. Damit es ein 'schönes" Bild gibt.

Bzgl. Ungarn kann ich nur von einer Einreise berichten in 2025 (noch unter Orban), an dem mir sehr gut bekannten Grenzübergang "Lushanka" (Berehove HU), die Ausreiseseite kann man beobachten, ich kann nichts berichten, d.h. für mich normale Abläufe bei der Ausreise, wie auch bei der Einreise. Normale PKW Schlange, ganz im Rahmen. Kurz um, mir ist damals nichts aufgefallen. Alles war SICHER, wie die letzten 70 Mal, als ich den Grenzübergang von 2004 an bis 2025 überquert habe. Ein- und Ausreise.


„Ich werde am Sonntag ca. 12 Uhr auch wieder in Uhryniw Ausreisen. Dazu mal eine Frage, in Uhrnyiw gibt es ja die besagte EU-Spur, die ja durchweg bei den Ukrainern und den Polen die Ausreisezeit doch erheblich...“

„Auch wenn ich diese Verbindung toll finde, hätte ich ehrlicherweise Angst, von Polen aus in die Ukraine zu reisen. Die Polen werden immer gewaltsamer gegen Ukrainer und ukrainische Projekte. Außerdem...“

„Ups, ja. Irgendwie war zwar die Rede von einem durchgängig buchbaren Fahrschein, aber das bedeutet in der Tat wohl nicht auch zugleich eine unterbrechungsfreie und bequeme Fahrt mit der Bahn. Schade“

„Ja auf dem Papier sieht das wohl alles sehr einfach aus. Offenbar hat Leo da den Mund etwas zu voll genommen, scheint übrigens typisch für die private Verkehrsbranche zu sein. Soweit ich sehe hat sich...“

„Ja auf dem Papier sieht das wohl alles sehr einfach aus. Offenbar hat Leo da den Mund etwas zu voll genommen, scheint übrigens typisch für die private Verkehrsbranche zu sein. Soweit ich sehe hat sich...“

„ Obwohl der Leo-Express angeblich seit Juni den Betrieb auf dieser Strecke aufgenommen hat wird die "Bahnfahrt" über Przemysl nach UA wohl noch lange Zukunftsmusik bleiben.
Wie zu lesen ist gibt es noch nichtmal für das polnische Streckennetz eine Zulassung so daß derzeit dort wohl noch mit Bussen gefahren wird.


„изображение.png изображение.png Da muß man wohl mit den Daten etwas herumspielen ... Da wird wohl noch nicht täglich gefahren. Trotzdem Danke.“

Der Link zum Anbieter ist ja da.
Ist korrekt, aber ich finde man hätte trotzdem im Text gleich darauf hinweisen können.
War aber nicht "böse" gemeint ...
Bis jetzt sind die Tickets auch noch nicht auf der Webseite buchbar - warum auch immer ...
Hab´s versucht - bekomme aber immer angezeigt "auf dieser Strecke fahren wir nicht" :-([smilie=dntknw.gif]

„Man sollte aber explizit dazu schreiben, daß es ein Zug von LeoExpress ist - und nur auf deren Webseite kann man die Fahrkarten kaufen. Zumindest ist es die erste Umsteigefreie Verbindung von Deutschland...“