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EU-Assoziierungsabkommen: Kiew möchte am Montag wenigstens den Abschluss der Verhandlungen verkünden

Gestern verkündete Wiktor Janukowitsch die Bereitschaft, die letzten Unstimmigkeiten mit der EU beim Assoziierungsabkommen beizulegen. Eine Paraphierung des Dokuments ist auf dem Ukraine-EU-Gipfel bereits technisch nicht mehr möglich, somit wird am 19. Dezember in Kiew im besten Fall lediglich der Abschluss der Verhandlungen über das Assoziierungsabkommen verkündet. Die weitere Unterzeichnung und das Inkrafttreten des Dokuments hängen sowohl von der Situation um die Demokratie im Lande als auch von den Ergebnissen der Gasverhandlungen zwischen der Ukraine und Russland ab.

Präsident Wiktor Janukowitsch kommentierte gestern zum ersten Mal seine Gespräche mit dem EU-Erweiterungskommissar, Štefan Füle. Dieses Treffen fand am 12. Dezember statt und zog sich fast dreieinhalb Stunden. Das Gespräch war der Vorbereitung der Dokumente gewidmet, die auf dem Ukraine-EU-Gipfel am 19. Dezember unterzeichnet werden. Der Präsident verlieh seiner Überzeugung Ausdruck, dass der Gipfel erfolgreich abgeschlossen wird: „Ich hoffe, dass wir während des Gipfels zu einer positiven Lösung kommen, die zur Unterzeichnung der entsprechenden Dokumente (des Assoziierungsabkommens) führen wird“.

Wie der “Kommersant-Ukraine” bereits mitteilte, sind die Gespräche zum Assoziierungsabkommen offiziell noch nicht beendet. Die Frage der Fixierung der europäischen Perspektive der Ukraine im Vertrag ist noch nicht abgestimmt worden. Vorher bestätigten Informanten dem “Kommersant-Ukraine”, dass sowohl Kiew als auch Brüssel inoffiziell die Bereitschaft zu einer einseitigen Erklärung des Strebens nach einer vollwertigen EU-Mitgliedschaft bestätigt haben, doch wurde diese Vereinbarung nicht schriftlich festgehalten (siehe Ausgabe des “Kommersant-Ukraine” vom 14. November).

Bei der EU-Vertretung in der Ukraine präzisierte man, dass eine endgültige Entscheidung in dieser Frage unmittelbar auf der Plenarsitzung des Gipfels, im Verlaufe des Gesprächs von Wiktor Janukowitsch mit EU-Führern, getroffen werden wird. „Wir sind gerade nahe dran, die Verhandlungen zum Assoziierungsabkommen abzuschließen … Während des Gipfels könnten die Präsidenten die Abstimmung des Textes verkünden. Das könnte stattfinden, aber auch nicht“, erklärte der Leiter der politischen Abteilung der EU-Vertretung, Hannes Schreiber.

Im Falle dessen, dass auf dem Gipfel die Präambel des Abkommen endgültig abgestimmt wird, werden die Ukraine und die EU die Vorbereitung der Paraphierung des Dokuments einleiten. Dies unmittelbar auf dem Gipfel zu tun, ist technisch nicht möglich, erläuterte die europäische Seite vorher (siehe ‘‘Kommersant-Ukraine’‘ vom 25. November). „Heute sieht die Situation so aus, dass maximal eine politische Erklärung über den Abschluss der Gespräche möglich ist“, sagte dem “Kommersant-Ukraine” ein europäischer Diplomat, der ungenannt bleiben wollte.

Die Unterzeichnung des Assoziierungsabkommens wird solange unmöglich sein, wie die Ukraine keine Schritte zur Verbesserung der Demokratie unternimmt, erklärten Vertreter der EU mehrfach. „In den Äußerungen des Europakommissars, die ich vernahm (auf dem Treffen am 12. Dezember), gibt es keinerlei Anmerkungen außerdem dem, was Julia Timoschenko betrifft … Das ist eine der heikelsten Fragen auf der Tagesordnung“, gab gestern Wiktor Janukowitsch zu.

Ein weiteres Hindernis bei der Eurointegration könnten die Gespräche zwischen der Ukraine und Russland zur Revision der Gasverträge sein. Informanten des “Kommersant-Ukraine”, die dem Verhandlungsteam nahe stehen, bestätigen, dass Moskau im Austausch für eine Senkung des Gaspreises nicht nur die Gründung eines Konsortiums zur Verwaltung des ukrainischen Gastransportsystems, sondern auch zusätzliche Zugeständnisse Kiews fordert. „Die erste Variante ist ein Beitritt der Ukraine zur Eurasischen Union, die zweite eine Denoncierung der Mitgliedschaft in der Europäischen Energiegemeinschaft durch die Ukraine“, erzählte der Gesprächspartner dem “Kommersant-Ukraine”.

Ein Austritt der Ukraine aus der Energiegemeinschaft würde ein Scheitern des Assoziierungsabkommens oder eine tiefe Revision des Vertragstextes nach sich ziehen. So wurde der Abschnitt des Abkommens, der die Zusammenarbeit im Energiebereich zwischen Kiew und Brüssel betrifft, mit der europäischen Seite in der derzeitigen Redaktion unter der Bedingung der Implementierung der Verpflichtungen im Rahmen der Energiegemeinschaft durch die Ukraine abgestimmt. Insbesondere soll Kiew den freien Zugang zu seinem Transitsystem sicherstellen und die Förderunternehmen von den Lieferunternehmen trennen.

Ein Beitritt zur Eurasischen Union – einer politischen und ökonomischen Organisation, in der die Ukraine bereits jetzt einen Beobachterstatus hat – zieht keine unverzüglichen negativen Folgen für die Beziehungen zur EU nach sich, da die Teilnehmerstaaten der Eurasischen Union keine Verpflichtung zum Beitritt zur Zollunion zwischen Russland, Weißrussland und Kasachstan haben. Jedoch könnte dieser Schritt zu bedeutenden Verlusten im Rating für Wiktor Janukowitsch und die Partei der Regionen führen, gab der Gesprächspartner des “Kommersant-Ukraine” zu. Zum heutigen Tag verweigert Kiew beide von Moskau vorgeschlagene Varianten.

Vorher wurde die Möglichkeit des Beitritts der Ukraine zur Zollunion als weitere Bedrohung für die Unterzeichnung des Assoziierungsabkommens angesehen, doch ist dies heute wenig wahrscheinlich, erkennt ein Vertreter der Vereinigung an. „Die ukrainische Führung hat bisher jegliche Gespräche über eine Beteiligung an unseren Integrationsprozessen vermieden“, erklärte gestern der Sekretär der Zollunion, Sergej Glasew, auf einer Konferenz in Kiew und verlieh dabei seiner Unzufriedenheit darüber Ausdruck, dass die Ukraine sich bezüglich ihrer Verhandlungen mit der EU nicht mit den GUS-Partnern berät.

Sergej Sidorenko

Quelle: Kommersant-Ukraine

Übersetzer:   Andreas Stein  — Wörter: 828

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