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Euromaidan: „Steh auf, Europa! Wir brauchen dich!“

Im Rahmen des Gipfels der Östlichen Partnerschaft, der am 28/29. November dieses Jahres in Vilnius stattfinden wird, besteht die Möglichkeit ein Assoziierungsabkommen zwischen der Ukraine und der EU zu unterzeichnen. In dem Assoziierungsabkommen, in dem keine EU-Mitgliedschaftsperspektive für die Ukraine vorgesehen ist, geht es im Wesentlichen darum, dass das politische und wirtschaftliche System der Ukraine an europäische Normen angepasst wird. Dies würde einen qualitativ neuen Einfluss auf den ganzen ukrainischen Staat zur Folge haben.

Die ukrainische Regierung und Brüssel waren bereits auf dem Weg der Annäherung in Bezug auf die Ausrichtung der Ukraine. Man hatte auch den Eindruck, dass auch die Frage mit der Freilassung von Tymoschenko gelöst wird und der Unterzeichnung des Abkommens nichts im Wege stehen würde. Am 21. November hat sich die Situation allerdings unerwartet für viele geändert: Die Regierung von Janukowytsch hat die Vorbereitung des Assoziierungsabkommens abrupt auf Eis gelegt und damit gezeigt, dass sie nicht in Interessen ukrainischer Bürger agiert, sondern sich um ihre eigenen Interessen kümmert.

Diese zynische Entscheidung seitens der Regierung Janukowytsch hat viele Ukrainer ins Herz getroffen. Diese Entscheidung bedeutet für viele nicht nur das Aus für die europäischen Bestrebungen der Ukraine, sondern ist auch symbolträchtig: Genau vor neun Jahren, am 22. November 2004, versammelten sich Ukrainer auf Maidan in Kiew, der später zum Schauplatz der Orangenen Revolution wurde, und kämpften für die Gerechtigkeit. Auf diesem Platz schrieben Ukrainer ihre europäische Geschichte. Heute stehen sie wieder da und kämpfen für ihre europäische Zukunft.

Wenn damals der Maidan ein Herz der Orangenen Revolution war, trägt er heute den Namen Euromaidan: Maidan für die europäische Zukunft. Der Protest, der spontan zustande kam, findet in zahlreichen ukrainischen Städten statt. Ukrainer und Ukraine-Freunde im Ausland haben die Protestwelle auch aufgefangen. Für Sonntag, den 24. November, sind zahlreiche Protestaktionen in Berlin, London, Wien, Warschau, Milan, Paris, Prag, Toronto, Ottawa, Chicago und anderen Städten geplant.

Wenn die Orangene Revolution als eine friedliche Revolution in die Geschichte eingegangen ist, ist diesmal fraglich, ob die Ereignisse in Kiew friedlich verlaufen werden. Nach Angaben von vielen Quellen plant die Partei der Regionen ihre „Unterstützer“ am Sonntag nach Kiew zu bringen. Es kann auch zu Provokationen kommen. Es bleibt nur zu hoffen, dass das nicht der Fall sein wird.

Die Bürger der Ukraine erheben sich und versuchen sich wieder bei den Europäern Gehör zu verschaffen, dass Europa nicht an der östlichen EU-Grenze endet. Sie kämpfen für ihre europäische Zukunft in einem vereinten Europa. Heute wie nie zuvor brauchen Ukrainer die Aufmerksamkeit der Europäischen Union. Sie brauchen die Aufmerksamkeit und die Unterstützung der europäischen Bürger, die europäische Werte genießen, die sie nach Kriegen, Erschütterungen, Krisen GEMEINSAM errungen haben. Diese Aufmerksamkeit kann nur durch eine mediale Kampagne erreicht werden. Durch kurze Reportagen über Menschen auf zahlreichen Euromaidanen, über ihre Geschichten ist es möglich, andere Europäer für die Ereignisse in der Ukraine zu sensibilisieren. Durch eine aktive Teilnahme an Aktionsprotesten wird es gelingen, den Ukrainern das Gefühl zu geben, dass sie nicht alleine für ihren europäischen Traum kämpfen, sondern die Unterstützung denen haben, die diesen Traum jetzt leben.

Europa, nutz deine Chance! Schau auf die Ukraine zu! Teile deine Erfahrung und gestalte die demokratischen Prozesse in der Ukraine mit! Toleriere nicht das zynische Verbrechen des Regimes von Janukowytsch gegen die ukrainischen Bürger! Lass die zweite Berliner Mauer an der Grenze zwischen der Europäischen Union und der Ukraine, die auf der Unkenntnis über die Ukraine und dem Erbe des Eisernen Vorhanges beruht, endlich fallen! Lass deine Stimme für die Ukrainer, für ein vereintes und friedliches Europa ertönen!

Autor:   Ljudmyla Melnyk  — Wörter: 632

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