Ministerpräsident Arsenij Jazenjuk bei der Regierungssitzung am 2. März 2016, Quelle: kmu.gov.ua
Ministerpräsident Arsenij Jazenjuk versucht, eine „gute Miene zum schlechten Spiel“ zu wahren. Nach zwei Jahren Aufenthalt auf seinem Posten probiert er, die Verantwortung auf die Schulter der ihm zuerst in den Blick geratenden zu legen.
Das Mandat des Maidans, das Jazenjuk im Februar 2014 gegeben wurde, wurde innerhalb von zwei Jahren stümperhaft vergeudet und seine Freunde haben ihre materielle Situation bedeutend verbessert.
Der große Fehler besteht darin, dass unsere europäischen und amerikanischen Freunde die Situation vereinfachen, indem sie meinen, dass Jazenjuk ein ausreichendes Gegengewicht für Präsident Poroschenko bei der Eindämmung der Korruption darstellt. In der westlichen demokratischen Tradition halten zwei große Parteien einander vom Missbrauch ab: Republikaner und Demokraten in den USA, Konservative und Labour in Großbritannien, Christdemokraten und Sozialdemokraten in Deutschland.
In der Ukraine sind Jazenjuk und Poroschenko keine Opponenten. Sie repräsentieren von der Sache eine Partei – die der alten ukrainischen Politiker mit allen ihren Unzulänglichkeiten, deren Werdegang auf die 1990er-2000er Jahre fiel. Anstelle gegenseitiger Kontrolle, anstelle von Konkurrenz um den Erfolg von Reformen haben Poroschenko und Jazenjuk einfach eine Absprache getroffen, die Korruptionsgeldströme und die Bereicherungssphären aufteilend.
Als einzige effektive Opposition in der Ukraine erscheinen Zivilgesellschaft, junge Abgeordnete und Staatsangestellte in der Regierung, die zum frischen Blut wurden, das in das System nach der Revolution der Würde einfloss.
In seinem Interview für die Frankfurter Allgemeine Zeitung versucht Jazenjuk die Verantwortung für die Korruption auf den rückratlosen Generalstaatsanwalt Wiktor Schokin zu legen, der zur Marionette von Präsident Poroschenko wurde. Doch nur ein Naiver kann glauben, dass Jazenjuk nichts über die Affären seines nahen Mitstreiters Nikolaj Martynenko wusste, gegen den in drei europäischen Staaten ermittelt wird: der Schweiz, der Tschechischen Republik und der Ukraine.
Die Verfahren, in denen in Bezug auf Martynenko vom Nationalen Antikorruptionsbüro der kraine ermittelt wird, betreffen Ereignisse der Jahre 2014-2015, als Jazenjuk bereits als Ministerpräsident arbeitete. Eines der Schemen ist die Lieferung von Uran aus Kasachstan in die Ukraine unter Vermittlung der österreichischen Firma Steuermann, die 35 Dollar bei jedem Kilogramm Uran einfach dafür verdient, dass sie die Papiere von einem Stapel auf den anderen legt.
Wie sich herausstellte, ist der Direktor dieser Firma ein 70-jähriger Rentner aus dem Dorf Loretto. Die von mir erhaltenen Dokumente aus Liechtenstein klärten als Endprofiteur dieser Firma einen Cousin und Business-Partner von Martynenko. Entweder ist Jazenjuk derart blind, dass er nichts von den Affären vor seiner Nase wusste, oder sie fanden unter seinem Patronat statt und er ist ein Komplize.
Der enge Mitstreiter Jazenjuks, Andrej Iwantschuk, ist ein Geschäftspartner von Igor Kolomoiskij, was als Grund für die Blockade eines für den Oligarchen ungünstigen Gesetzes über Aktiengesellschaften gereichte. Hauptberater von Ministerpräsident Jazenjuk im Energiebereich ist Sergej Titenko, der dabei half das Energiewirtschaftsmonopol von Rinat Achmetow entstehen zu lassen.
Achmetow selbst führt geheime Treffen mit Jazenjuk in der Villensiedlung am Kiewer Meer durch, in dem Martynenko selbst lebt. Ein weiteres Resultat dieses Komplotts besteht darin, dass für den Oligarchen der ermäßigte Tarif für den Transport von Rohstoffen für seine energiewirtschaftlichen und metallwirtschaftlichen Unternehmen mit der staatseigenen Eisenbahn beibehalten wird.
Natürlich sind die Verbindungen Jazenjuks mit Korrupten und Oligarchen keine Rechtfertigung für die analogen Praktiken von Präsident Poroschenko und seiner Umgebung. Das Problem besteht darin, dass das System der Checks and Balances in der Ukraine nicht funktioniert und die Rechtsschutzorgane komplett in den Prozess der Erreichung politischer Ziele einbezogen sind. Allein Poroschenko benutzt dafür Schokin und Jazenjuk Innenminister Arsen Awakow.
Die Ukraine verlangt einen kompletten Neustart: den Weggang anrüchiger Minister und des Generalstaatsanwalts, den Entzug der Abgeordnetenmandate für graue Kardinäle wie Igor Kononenko und einen Wechsel des Ministerpräsidenten, der die Unterstützung des Parlaments, der Gesellschaft und der ausländischen Investoren verloren hat.
Die aktuelle Koalition, sogar wenn sie mit den Kräften des Populisten Oleg Ljaschko am Leben erhalten wird, ist zum Scheitern verurteilt. Denn ihr werden nicht die Werte der europäischen Integration zugrunde liegen, sondern die Korruption. Als Parlamentsmitglied habe ich gesehen, wie Ljaschko im Laufe weniger Stunden seine Meinung zum Haushalt 2016 änderte. Das kostete den Staat 265 Millionen Hrywnja (ca. 9,5 Millionen Euro), die für Unternehmen seines Parteimitglieds bereitgestellt wurden.
Daher müssen wir uns, sogar wenn die Regierung zeitweilig standhält, bereits jetzt auf einen „Plan B“ vorbereiten – die Auflösung des Parlaments. Doch zum Punkt des Neustarts müssen wir mit einem neuen Wahlgesetz kommen, in dem es keine Direktwahlkreise und Stimmenkauf für 200 Hrywnja (etwas mehr als sieben Euro) kommen wird, in dem massenhafte Fernsehwerbung verboten wird und die Abgeordneten des neuen Parlaments keine Immunität mehr haben werden.
Das Interview Jazenjuks in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erinnerte mich an die Ereignisse in Deutschland 1974. Damals trat der Bundeskanzler und Nobelpreisträger Willy Brandt zurück, nachdem sich herausgestellt hatte, dass sein Referent Guillaume ein DDR-Spion war. Den Posten des Regierungschefs übernahm ohne Wahlen Helmut Schmidt. Auf diese Art nahm Willy Brandt die politische Verantwortung auf sich und schadete nicht den Beliebtheitswerten der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, die unter seiner Führung zum ersten Mal an die Macht kam.
Diese Geschichte könnte für Jazenjuk zum guten Beispiel werden, wie wichtig es ist rechtzeitig zu gehen, um nicht die Hoffnungen des gesamten Landes in den Abgrund zu reißen.
5. März 2016 // Sergej Leschtschenko
Quelle: Blogs der Ukrainskaja Prawda


Forumsdiskussionen
Awarija in Ukraine-Nachrichten • Re: Die Ukraine hat Sanktionen gegen die Macher der Zeichentrickserie „Mascha und der Bär“ verhängt
„Inzwischen hat sich ja auch die Tagesschau etwas eingehender mit diesem Thema befaßt. Demnach seien indirekte Geldflüsse zum Kreml der Grund für das erfolgte Verbot der Serie. Ich schätze jedenfalls...“
Awarija in Ukraine-Nachrichten • Re: Die Ukraine hat Sanktionen gegen die Macher der Zeichentrickserie „Mascha und der Bär“ verhängt
„ Ist die Meldung überhaupt aktuell, die "Welt" schrieb offenbar schon 2023 über genau dieses Thema ?
“
Awarija in Ukraine-Nachrichten • Re: Die Ukraine hat Sanktionen gegen die Macher der Zeichentrickserie „Mascha und der Bär“ verhängt
„Kennt jemand vielleicht die Hintergründe dafür ? Soweit ich das sehe handelt es sich doch um eine völlig harmlose Kinderserie ohne jede Spur von Propaganda oä ?“
Awarija in Ukrinform • Re: Russland attackiert erneut Grenzübergang zu Moldau in Region Odessa, Verkehr gesperrt
„ Was meint "erneut" ??
Bislang glaubte ich daß man sich als Reisender zumindest in unmittelbarer Grenznähe sicher fühlen konnte ?
“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Bei Ankunft am Blockposten im Internet (nakordoni.eu) 4h Wartezeit und 40 PKW am Grenzübergang, einen Teil der Wartezeit sitzt man am Blockposten ab, die halten die PKW Warteschlange von dem eigentlichen...“
Frank in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Auch wenn ich diese Verbindung toll finde, hätte ich ehrlicherweise Angst, von Polen aus in die Ukraine zu reisen. Die Polen werden immer gewaltsamer gegen Ukrainer und ukrainische Projekte. Außerdem...“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Ich dachte z.B. Krakovetz hat diese Spur nicht, jedenfalls bin ich in 2025 mit allen anderen bei den Ukrainern durchgeschleust worden, anschließend bei den Polen EU Spur..“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„ Hallo julib77,
Bzgl. Ausreisen mit PKW nach Polen möchte ich Dir deutlich widersprechen, ich weiß nicht woher Du Deine Informationen beziehst.
Schau einfach hier einmal Thread nach "An welchem Grenzübergang geht's am schnellsten? Da musst Du nicht suchen, der steht derzeit auch immer weit oben. Auch wenn wir da, nur über die Abläufe und die Wartezeiten berichten, findest Du nicht einen Kommentar darüber, dass Ukrainer schlecht behandelt werden. (2025 bis heute, ca. 25 Ein- und Ausreisen)
Ich kann nur sagen, ich beobachte keinerlei Repressalien, ganz im Gegenteil, die Ukrainer werden respektvoll behandelt, ist stelle keinen Unterschied zu mir als Deutschen fest. Das einzig berichtenswerte ist, dass die meisten Ukrainer-Innen fotografiert werden, bei der Ein - und Ausreise. Dieser Vorgang läuft professionell ab, ich kann dabei keine "Erniedrigung " beobachten, es wird gelacht und gescherzt dabei und die Frauen richten ihre Haare etc. Damit es ein 'schönes" Bild gibt.
Bzgl. Ungarn kann ich nur von einer Einreise berichten in 2025 (noch unter Orban), an dem mir sehr gut bekannten Grenzübergang "Lushanka" (Berehove HU), die Ausreiseseite kann man beobachten, ich kann nichts berichten, d.h. für mich normale Abläufe bei der Ausreise, wie auch bei der Einreise. Normale PKW Schlange, ganz im Rahmen. Kurz um, mir ist damals nichts aufgefallen. Alles war SICHER, wie die letzten 70 Mal, als ich den Grenzübergang von 2004 an bis 2025 überquert habe. Ein- und Ausreise.
“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Ich werde am Sonntag ca. 12 Uhr auch wieder in Uhryniw Ausreisen. Dazu mal eine Frage, in Uhrnyiw gibt es ja die besagte EU-Spur, die ja durchweg bei den Ukrainern und den Polen die Ausreisezeit doch erheblich...“
julib77 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Auch wenn ich diese Verbindung toll finde, hätte ich ehrlicherweise Angst, von Polen aus in die Ukraine zu reisen. Die Polen werden immer gewaltsamer gegen Ukrainer und ukrainische Projekte. Außerdem...“
Awarija in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Ups, ja. Irgendwie war zwar die Rede von einem durchgängig buchbaren Fahrschein, aber das bedeutet in der Tat wohl nicht auch zugleich eine unterbrechungsfreie und bequeme Fahrt mit der Bahn. Schade“
MHG1023 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Ja auf dem Papier sieht das wohl alles sehr einfach aus. Offenbar hat Leo da den Mund etwas zu voll genommen, scheint übrigens typisch für die private Verkehrsbranche zu sein. Soweit ich sehe hat sich...“
Awarija in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Ja auf dem Papier sieht das wohl alles sehr einfach aus. Offenbar hat Leo da den Mund etwas zu voll genommen, scheint übrigens typisch für die private Verkehrsbranche zu sein. Soweit ich sehe hat sich...“
Awarija in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„ Obwohl der Leo-Express angeblich seit Juni den Betrieb auf dieser Strecke aufgenommen hat wird die "Bahnfahrt" über Przemysl nach UA wohl noch lange Zukunftsmusik bleiben.
Wie zu lesen ist gibt es noch nichtmal für das polnische Streckennetz eine Zulassung so daß derzeit dort wohl noch mit Bussen gefahren wird.
“
MHG1023 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„изображение.png изображение.png Da muß man wohl mit den Daten etwas herumspielen ... Da wird wohl noch nicht täglich gefahren. Trotzdem Danke.“
MHG1023 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„
Ist korrekt, aber ich finde man hätte trotzdem im Text gleich darauf hinweisen können.War aber nicht "böse" gemeint ...
Bis jetzt sind die Tickets auch noch nicht auf der Webseite buchbar - warum auch immer ...
Hab´s versucht - bekomme aber immer angezeigt "auf dieser Strecke fahren wir nicht"
“
MHG1023 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Man sollte aber explizit dazu schreiben, daß es ein Zug von LeoExpress ist - und nur auf deren Webseite kann man die Fahrkarten kaufen. Zumindest ist es die erste Umsteigefreie Verbindung von Deutschland...“
Eric in Recht, Visa und Dokumente • Re: Deklaration gebrauchter Kleidung beim Zoll
„Vielen Dank, mit einem Briefchen meiner Frau im Gepäck gab es keine Probleme“
Anuleb in Recht, Visa und Dokumente • Re: Seit Anfang des Jahres haben die Zollbeamten Verstöße im Wert von fast 11 Milliarden aufgedeckt
„Am besten wäre natürlich, wenn die Frau mit dabei ist. Alleinreisende Männer stehen schließlich immer unter Verdacht.“