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Shell möchte Schiefergas/Shale Gas nur zu anderen Bedingungen in der Ukraine fördern

Shell besteht auf Änderungen in den Förderregelungen für Schiefergas/Shale Gas in der Ukraine. Gestern teilte das Unternehmen mit, dass es beabsichtigt in diesem Segment zu investieren, jedoch nur, wenn ein großes Territorium für die Erschließung angeboten, der Lizenzzeitraum verlängert und Steuerermäßigungen gewährt werden. Beim Energieministerium ist man bereit diese Änderungen einzuleiten.

Schiefergas/Shale Gas, welches hauptsächlich aus Methan besteht, wird in Schieferlagerstätten und Schiefersanden gefördert. Dessen Förderung ist vor allem in den USA und Kanada entwickelt. Den Schätzungen der Nationalen Agentur zu Fragen der Gewährleistung einer effektiven Nutzung von Energieressourcen nach belaufen sich die Vorräte dieses Gases in der Ukraine auf zwei Billionen Kubikmeter. Die Förderkosten liegen dreimal höher als für Erdgas (200-280$ pro tausend Kubikmeter).

Der Manager für Kommunikation mit den Regierungsorganen der Shell Ukraine Exploration and Production, Alexej Tatarenko, erklärte gestern, dass die Investoren nicht an der Förderung von Schiefergas in der Ukraine interessiert sind, da ihnen zu kleine Erschließungsflächen zur Verfügung gestellt werden. „Die Grundstücksfläche für die Erschließung ist per Gesetz auf 500 Quadratmeter beschränkt“, betonte er. Tatarenkos Meinung nach ist es auch notwendig die Lizenzlaufzeit für die Erschließung von 25 auf 30 Jahre zu erhöhen und den Förderunternehmen ebenfalls Steuerermäßigungen zu geben und die Rentenrate zu senken. Derzeit beträgt die Rate 25-200 Hrywnja auf tausend Kubikmeter. Ein Informant des “Kommersant-Ukraine“ bei Shell teilte mit, dass sich das Unternehmen ohne diese Änderungen nicht an der Förderung von Schiefergas in der Ukraine beteiligen wird.

Vorher hatte der Minister für Brennstoffe und Energiewirtschaft, Jurij Bojko, mitgeteilt, dass er Verhandlungen über die Gründung eines gemeinsamen Unternehmens mit der holländischen Shell und der amerikanischen Exxon Mobil über die Förderung von Schiefergas auf dem Territorium der Ukraine führt. Bojko betonte damals, dass Erschließungsabkommen bis Ende des Jahres unterzeichnet werden könnten. Beim Energieministerium erwartet man, dass innerhalb von drei bis vier Jahren das Fördervolumen aus einem Mix von Kohlemethan und Schiefergas ein Niveau von sieben bis zehn Milliarden Kubikmeter im Jahr erreicht. Im April hatte eines der weltweit größten Erdölunternehmen – Total – über die Unterzeichnung eines Abkommens mit Eurogas über die Bewertung von Schiefergaslagerstätten in der Westukraine unterzeichnet (siehe hier).

Beim Pressedienst des Energieministeriums kommentierte man die Erklärung von Shell nicht. Ein Informant des “Kommersant-Ukraine“ beim Ministerium erzählte, dass die Verhandlungen mit den Förderern weiter geführt werden, jedoch hatten ExxonMobil und Shell auf das Angebot der Ukraine darum gebeten entsprechenden Änderungen zu machen, was das Ministerium einleiten möchte. „Das derzeitige System der staatlichen Förderregulierung von Schiefergas entspricht tatsächlich nicht der Weltpraxis. Die Sache ist die, dass dieses Segment eine Revalierungsphase hat – zehn bis zwölf Jahre, wo es bei der normalen Gasförderung fünf bis sieben Jahre sind. Daher erhalten die Förderer überall Vorzugsbedingungen“, betonte der Gesprächspartner des “Kommersant-Ukraine“. Er fügte hinzu, dass die Regeländerungen bei der Fördergebietsvergabe und die Einführung von Steuernachlässen (die Senkung der Rentenzahlung) vorbereitet werden. Bei ExxonMobil konnten keine Kommentare eingeholt werden.

Der Leiter der Analyseabteilung des Investmentunternehmens „BrokerCreditService“, Maxim Schein, bestätigt, dass die mittlere Fläche für die Erschließung in den Ländern der Europäischen Union 300 Quadratmeter nicht übersteigt, wo es in den USA und Kanada 1.000 – 1.500 Quadratmeter sind. „Vom Prinzip her entspricht das Angebot der Ukraine vollständig der europäischen Praxis. Außerdem gibt es im Land keinen freien Gasmarkt und die Preise sind sehr niedrig. Daher versuchen die Gesellschaften die Verlustrisiken zu senken, dabei eine Vergrößerung der Förderfläche fordernd“, sagt Schein.

Bekanntlich beträgt der Erdgaspreis für die Bevölkerung und die kommunalen Energieversorger 165 Dollar bzw. 92-378 Dollar pro tausend Kubikmeter, wo er in der Europäischen Union bei 400 – 450 Dollar liegt. Der Gaspreis für die Industrie ist in der Ukraine ähnlich dem europäischen, jedoch sind die Gaslieferungen an die Industrie durch „Naftogas Ukrainy“ monopolisiert. „‘Naftogas’ wird kaum dieses Segment an die Schiefergasförderer abtreten2, vermutet Alexander Gudyma, Mitglied des Energieausschusses der Werchowna Rada. „Falls die Regierung die von ihr per Gesetz eingeleitete Reform des Erdgasmarktes umsetzt, welches im Juni verabschiedet wurde, könnte in diesen Sektor Investoren auch zu den bestehenden Bedingungen anwerben“, ist sich Gudyma sicher.

Oleg Gawrisch

Quelle: Kommersant-Ukraine

Übersetzer:   Andreas Stein — Wörter: 677

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Leserkommentare

kauschat in Unser Sudetenland

«Interessanter Vergleich: tatsächlich so einige Parallelen. Noch hat "der Westen" nicht die Annektion auch offiziell akzeptiert....»

Wolfgang Krause in Wir müssen hier leben

«Verglichen mit anderen Kommentaren ist dieser erfreulicherweise so geschrieben das er den Versuch wagt unterschiedliche Meinungen...»

Густаво Фан Хоовен in Wir müssen hier leben

«Zunächst vermittelt der Artikel den Eindruck einer neutralen Zustandsbeschreibung. Die Bezeichnungen "pro-sowjetisch" und...»

«Ich finde den Kommentar des Übersetzers nicht ganz glücklich, da er dazu einlädt, Dinge zu "vereinfachen". Ob die Antwort...»

«Würden sich die Menschen der Ukraine doch auf die Machnobewegung besinnen, die ganze Welt könnte Hoffnung schöpfen. Der...»

«WAS soll denn an dem was der Autor geschrieben hat unfassbar sein? Ich lese da keinen Widerspruch. Wenn du eine solche Phrase...»

«Danke für Ihre Darstellung der Hintergründe der Vertriebenen Gesetze und für die Einordnung der Russlanddeutschen. Es...»

KOLLEGGA mit 150 Kommentaren

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