Turkmenien hat einen ersten praktischen Schritt zum Eintritt in den internationalen Markt für Gaslieferungen in Umgehung Russlands getan. Aschchabad hat ein Abkommen mit der deutschen RWE zum Transport von Gas nach Europa abgeschlossen, dem Unternehmen ebenfalls Lagerstätten im Schelf des Kaspischen Meers versprechend. Für die Ukraine könnte das eine erneute Verteuerung des Brennstoffes bedeuten – bislang hatte “Gasprom” das gesamte turkmenische Gas aufgekauft, dieses danach in die Ukraine liefernd.
Gestern unterzeichneten in Aschchabad der Vorstandsvorsitzende der RWE AG, Jürgen Großmann, und der Leiter der Staatlichen Agentur zur Verwaltung und Nutzung von Kohlenwasserstoff Ressourcen Turkmenistans, Jagschygeldy Kakajew eine langfristige Vereinbarung zum Transport von turkmenischem Gas nach Europa. “Diese tragen dazu bei, die Zahl der Lieferländer für Turkmenistan weiter zu erhöhen. Sie steigern zudem die Sicherheit der deutschen und europäischen Gasversorgung.”, heißt es in der Erklärung von RWE. Den Worten von Jürgen Großmann nach, ist eine der Varianten des Transports des Gases – eine transkaspische Pipeline auf dem Grund des Kaspischen Meeres, die Bestandteil der Nabuccopipeline (europäisches Projekt zur Gaslieferung nach Europa in Umgehung Russlands) werden könnte. Ein Top-Manager von “Turkmengas” bestätigte dem “Kommersant-Ukraine“ ebenfalls, dass Turkmenistan Gas über Nabucco zu liefern plant.
Der Direktor der East European Gas Analysis Michail Kortschemkin geht davon aus, dass diese Entscheidung ökonomisch gerechtfertigt ist: “Die Route Turkmenien nach Europa über die Türkei ist um 1.400 km kürzer, als über Russland. Und Nabucco ist dreimal billiger, als das alternative russische Projekt ‘South Stream’. Für die Bekräftigung der Ernsthaftigkeit der Absichten hat die Regierung Turkmenistans der RWE den Block 23 im Schelf des Kaspischen Meeres angeboten. ??“Wir sind interessiert an dem baldigen Beginn der Arbeit von RWE im Schelf. Ich denke, dass bis Ende des Jahres die Erschließung und konkrete Arbeiten beginnen”, erläuterte gestern dem “Kommersant-Ukraine“ ein Informant bei “Turkmengas”.
Bislang hat Turkmenistan keinerlei konkrete Verträge mit westlichen Unternehmen abgeschlossen. Der gestrige tauchte danach auf, als Russland in der letzten Woche den Kauf von turkmenischem Gas um 90% verringerte, in dessen Resultat es zu einer Explosion an der Gasleitung Mittelasien-Zentrum-4 kam. Bei “Turkmengas” wurde dem “Kommersant-Ukraine“ gestern mitgeteilt, dass “einige zu RWE analoge Abkommen im Herannahen sind”. Turkmenistan baut bereits eine Gasleitung nach China mit einer Kapazität von 40 Mrd. Kubikmeter Gas im Jahr, die in diesem Jahr abgeschlossen sein soll.
Derzeit ist Turkmenistan der größte Lieferant von mittelasiatischem Gas für “Gasprom”. Den Angaben des Außenministeriums von Turkmenien nach, hatte “Turkmengas” von 70,5 Mrd. Kubikmeter gefördertem Erdgas 2008 mehr als 47 Mrd. Kubikmeter exportiert. Dabei verkaufte “Gasprom” die gesamte Menge an die Ukraine. In 2009 plant Turkmenien 75 Mrd. Kubikmeter Gas zu fördern, von denen 51 Mrd. in den Export gehen.
Praktische Schritte bei der Lieferung von turkmenischen Gas in den Export können zu einer Erhöhung der Preise des Brennstoffes für die Ukraine führen, denkt das Mitglied des Energieausschusses der Werchowna Rada, Sergej Tulub. “Sobald wie das Interesse der europäischen Verbraucher für das Erdgas real wird, wird Turkmenien sicherlich die Preise des Treibstoffes erhöhen, damit argumentierend, dass es in der nächsten Zeit den Zugang zu den Weltmärkten erlangen und Gas zu europäischen Preisen verkaufen können wird”, stimmt Maxim Schein von der Investmentfirma “BrokerKreditService” zu. Außerdem kann, seinen Worten nach, “Gasprom” den Anstieg der Preise für mittelasiatisches Gas ebenfalls als Argument für die Erhöhung der Preise für die Ukraine benutzen.
Natalja Grib, Seda Jegikan, Oleg Gawrisch
Quelle: Kommersant-Ukraine


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