Konjunktureinbruch, Abwertung der Währung, extreme Staatsverschuldung: Die Bürger des osteuropäischen Landes haben kaum Hoffnung auf Ende der Talfahrt
Die ukrainische Währung wurde vor einigen Wochen erneut stark abgewertet. Allein in den ersten Septembertagen verlor die Hrywnja gegenüber dem US-Dollar vier Prozent. Vor Beginn der Weltwirtschaftskrise konnte man einen Dollar für fünf Hrywnja erwerben. Dann ging es abwärts, und erst massive Interventionen der ukrainischen Zentralbank (NBU) konnten den Kurs bei einem Dollar zu 8,5 Hrywnja stabilisieren.
Nachdem die Wirtschaft im ersten Halbjahr 2009 um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum eingebrochen war und die Bankkunden massenweise versucht hatten, ihre Konten aufzulösen, konnte ein Notkredit des Internationalen Währungsfonds (IWF) die Lage zeitweilig stabilisieren. Inzwischen wurden 10,6 Milliarden des 16,43 Milliarden Dollar schweren Kreditpakets ausgezahlt. Das festigte den Wechselkurs zu den wichtigsten Währungen. Ende 2008 hatte die Zentralbank zudem Beschränkungen wieder aufgehoben, durch die es Bankkunden verwehrt worden war, ihre Spareinlagen vorzeitig abzuheben. Dadurch wurden seit Anfang des Jahres Guthaben im Volumen von umgerechnet 5,4 Milliarden US-Dollar zurückgeholt und in Devisen umgetauscht.
Die Bevölkerung »glaubt nicht an die Hrywnja«, erklärten ukrainische Banker jüngst gegenüber der polnischen Tageszeitung Gazeta Wyborcza. Ähnlich verhielten sich auch ukrainische Exportfirmen, die ihre Deviseneinkünfte nicht in die Landeswährung umtauschen würden, so die polnische Tageszeitung. Bereits bei der chaotischen Systemtransformation nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion Anfang der 90er Jahre erlebte die Bevölkerung, wie sich ihre Ersparnisse durch eine galoppierende Inflation in Luft auflösten. Eine ähnliche Entwicklung könnte sich wiederholen. Die Financial Times berichtete, daß Analysten der Commerzbank bereits vor großangelegten Spekulationsangriffen gegen die Hrywnja warnen.
Der Zentralbank in Kiew bleibt nichts übrig, als mit massiven Stützungskäufen zu versuchen, die Landeswährung vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Allein im September wird die NBU eine Milliarde US-Dollar aus ihren Devisenreserven für derartige Aktionen aufwenden. Hierdurch gehen diese Reserven rapide zurück, was zu weiteren Spannungen mit dem IWF führt und die Auszahlung der nächsten Kredittranche von 3,8 Milliarden US-Dollar verzögert.
Der Fonds verlangte, daß zum Abschluß des dritten Quartals die Devisenreserven der Ukraine mindestens 16,6 Milliarden US-Dollar betragen. Bereits am 2. September unterschritt die NBU diese Vorgabe. Die verschleppte Auszahlung weiterer Gelder wurde vom IWF auch mit Verzögerungen bei Sozialkürzungen begründet, die an die Kreditvergabe gekoppelt waren. Ein ukrainisches Gericht blockierte beispielsweise die Erhöhung der Gaspreise zum 1. September 2009. Es gilt als gewiß, daß derart unpopuläre Maßnahmen bis zur Präsidentschaftswahl im Januar nicht durchgesetzt werden können.
Der Fall der Hrywnja bringt vor allem Kreditnehmer – und somit auch die Banken – in Bedrängnis. Knapp 50 Prozent aller von Unternehmen und Privatpersonen in den vergangenen Jahren aufgenommenen Kredite wurden in Fremdwährungen abgeschlossen. Die Auslandsschulden der Ukraine sollen sich derzeit auf über 100 Milliarden US-Dollar belaufen. Das sind mehr als 2100 Dollar pro Einwohner eines Landes, in dem der statistische Durchschnittsmonatslohn bei umgerechnet etwa 300 US-Dollar liegt.
Ein enormer Teil dieser vor allem von westlichen Banken vergebenen Darlehen wird nicht zurückgezahlt werden können. Der ehemalige stellvertretende Vorsitzender der NBU, Olexandr Sawtschenko, warnte vor massiv steigenden Kreditausfällen: »Bei einem Kurs von über acht Hrywnja für einen Dollar haben wir bereits nicht mehr fünf bis zehn Prozent fauler Kredite, sondern 15 bis 20 Prozent. Und dann werden nicht mehr nur zehn bis 15 Banken einen Zwangsverwalter haben, sondern 30 bis 40«, sagt der Mann, der aufgrund seiner Opposition zur Politik der Zentralbank zurückgetreten ist.
Die früheren Stützen der ukrainischen (Defizit-)Konjunktur – Baubranche und Konsum – sind weggebrochen. So soll der Bausektor in diesem Jahr um 16,3 Prozent zurückgehen. Prognosen des IWF zufolge wird die gesamte Volkswirtschaft der Ukraine in diesem Jahr um 14 Prozent schrumpfen. Drei Viertel der Bevölkerung sehen wegen der Abwertung für die nächste Zukunft schwarz. Die öffentliche Diskussion über eine »zweite Krisenwelle« lasse das Konsumentenvertrauen schnell absinken und Illusionen über eine rasche wirtschaftliche Belebung schwinden, schlußfolgerte das ukrainische Internationale Zentrum für Politikstudien (ICPS) in einer entsprechenden Untersuchung.
Immerhin konnte das staatliche statistische Komitee vermelden: Zwischen Januar und Juli 2009 sank das Handelsbilanzdefizit auf »nur« noch 3,1 Milliarden US-Dollar. Ähnlich der Situation in Rumänien hatten die Ukrainer einen großen Teil ihrer Kredite für den Konsum westlicher Waren ausgegeben. Nach Zusammenbruch der Konjunktur auf Pump werden nun auch deutlich weniger Güter importiert. In den ersten sieben Monaten dieses Jahres hat sich das ukrainische Außenhandelsvolumen halbiert.


Forumsdiskussionen
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Ich habe mal sie Einreise in die UA (aus Polen), am Grenzübergang Uhryniw gemacht. Inzwischen 3 Mal am Freitagabend 21 Uhr MEZ. Nur zwei bis drei PKW, was schon gut ist. Aber der Hit ist, dort gibt es...“
Awarija in Ukraine-Nachrichten • Re: Die Ukraine hat Sanktionen gegen die Macher der Zeichentrickserie „Mascha und der Bär“ verhängt
„Inzwischen hat sich ja auch die Tagesschau etwas eingehender mit diesem Thema befaßt. Demnach seien indirekte Geldflüsse zum Kreml der Grund für das erfolgte Verbot der Serie. Ich schätze jedenfalls...“
Awarija in Ukraine-Nachrichten • Re: Die Ukraine hat Sanktionen gegen die Macher der Zeichentrickserie „Mascha und der Bär“ verhängt
„ Ist die Meldung überhaupt aktuell, die "Welt" schrieb offenbar schon 2023 über genau dieses Thema ?
“
Awarija in Ukraine-Nachrichten • Re: Die Ukraine hat Sanktionen gegen die Macher der Zeichentrickserie „Mascha und der Bär“ verhängt
„Kennt jemand vielleicht die Hintergründe dafür ? Soweit ich das sehe handelt es sich doch um eine völlig harmlose Kinderserie ohne jede Spur von Propaganda oä ?“
Awarija in Ukrinform • Re: Russland attackiert erneut Grenzübergang zu Moldau in Region Odessa, Verkehr gesperrt
„ Was meint "erneut" ??
Bislang glaubte ich daß man sich als Reisender zumindest in unmittelbarer Grenznähe sicher fühlen konnte ?
“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Bei Ankunft am Blockposten im Internet (nakordoni.eu) 4h Wartezeit und 40 PKW am Grenzübergang, einen Teil der Wartezeit sitzt man am Blockposten ab, die halten die PKW Warteschlange von dem eigentlichen...“
Frank in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Auch wenn ich diese Verbindung toll finde, hätte ich ehrlicherweise Angst, von Polen aus in die Ukraine zu reisen. Die Polen werden immer gewaltsamer gegen Ukrainer und ukrainische Projekte. Außerdem...“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Ich dachte z.B. Krakovetz hat diese Spur nicht, jedenfalls bin ich in 2025 mit allen anderen bei den Ukrainern durchgeschleust worden, anschließend bei den Polen EU Spur..“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„ Hallo julib77,
Bzgl. Ausreisen mit PKW nach Polen möchte ich Dir deutlich widersprechen, ich weiß nicht woher Du Deine Informationen beziehst.
Schau einfach hier einmal Thread nach "An welchem Grenzübergang geht's am schnellsten? Da musst Du nicht suchen, der steht derzeit auch immer weit oben. Auch wenn wir da, nur über die Abläufe und die Wartezeiten berichten, findest Du nicht einen Kommentar darüber, dass Ukrainer schlecht behandelt werden. (2025 bis heute, ca. 25 Ein- und Ausreisen)
Ich kann nur sagen, ich beobachte keinerlei Repressalien, ganz im Gegenteil, die Ukrainer werden respektvoll behandelt, ist stelle keinen Unterschied zu mir als Deutschen fest. Das einzig berichtenswerte ist, dass die meisten Ukrainer-Innen fotografiert werden, bei der Ein - und Ausreise. Dieser Vorgang läuft professionell ab, ich kann dabei keine "Erniedrigung " beobachten, es wird gelacht und gescherzt dabei und die Frauen richten ihre Haare etc. Damit es ein 'schönes" Bild gibt.
Bzgl. Ungarn kann ich nur von einer Einreise berichten in 2025 (noch unter Orban), an dem mir sehr gut bekannten Grenzübergang "Lushanka" (Berehove HU), die Ausreiseseite kann man beobachten, ich kann nichts berichten, d.h. für mich normale Abläufe bei der Ausreise, wie auch bei der Einreise. Normale PKW Schlange, ganz im Rahmen. Kurz um, mir ist damals nichts aufgefallen. Alles war SICHER, wie die letzten 70 Mal, als ich den Grenzübergang von 2004 an bis 2025 überquert habe. Ein- und Ausreise.
“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Ich werde am Sonntag ca. 12 Uhr auch wieder in Uhryniw Ausreisen. Dazu mal eine Frage, in Uhrnyiw gibt es ja die besagte EU-Spur, die ja durchweg bei den Ukrainern und den Polen die Ausreisezeit doch erheblich...“