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TVi hat angeblich eigene Mitarbeiter abgehört

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Wie der “Kommersant-Ukraine“ mitteilte (gestrige Ausgabe), hat die Staatsanwaltschaft Kiew ein Ermittlungsverfahren wegen des Abhörens der Telefone des ehemaligen geschäftsführenden Direktors von TVi, Jewgenij Jakowitsch, und des Beraters des Teilhabers des Fernsehsenders Wladimir Gussinskij, Igor Malaschenko, eingeleitet. Im Interview mit dem “Kommersant-Ukraine“ erzählte der Manager des Unternehmens Media-Most International Igor Malaschenko Einzelheiten dieser Angelegenheit.

Sie haben erklärt, dass Ihre Telefongespräche von Mitarbeitern des Fernsehsenders TVi abgehört wurden. Worauf beruht diese Behauptung?

Ich habe nichts zu verbergen. Jedoch bin ich in Verbindung mit dem Prozess, der derzeit vor dem State Supreme Court des Staates New York stattfindet, eingeschränkt – Wladimir Gussinskij beschuldigt Konstantin Kagalowskij der ungesetzlichen Aneignung von 50 Prozent des Fernsehsenders TVi und ich trete in dieser Angelegenheit als Zeuge auf. In dieser Funktion machte ich in der letzten Woche Angaben in London. Daher kann ich nicht wörtlich zitieren, was die Anwälte der Gegenseite sagten. Doch aus dem, welche Fragen mir gestellt wurden, habe ich für mich ein vollständiges Bild zusammengestellt. Im Sommer letzten Jahres wurde angeblich auf Bitte der Journalisten von Tvi bei dem Fernsehsender ein System gestartet, welches die Aufzeichnung aller Telefongespräche erlaubt, die über den Server von TVi gehen. Das wurde dafür getan, damit die Journalisten die Möglichkeit haben Interviews aufzuzeichnen. Im Laufe eines längeren Zeitraums wurden mittels dieses Systems auch meine Gespräche aufgezeichnet. In Spanien, wo meine Frau lebt, habe ich ein Home-Office. Die Anrufe von dort gingen lange Zeit über den Server von TVi.

Neben Ihren persönlichen Gesprächen mit der Ehefrau, haben die Anwälte Aufzeichnungen anderer Ihrer Gespräche präsentiert, beispielsweise mit Ihren Partnern, mit Wladimir Gussinskij?

In die Sache einbezogen wurden vier meiner Gespräche mit meiner Frau, die von Oktober – Dezember 2009 stattfanden. Überflüssig zu sagen, dass ich kein Einverständnis für die Aufzeichnung gab und nicht wusste, dass man mich aufzeichnet. Zusätzlich kann ich nicht garantieren, dass die Aufzeichnungen nicht manipuliert wurden, dass aus ihnen Teilstücke entfernt wurden. Darüber, dass man meine Gespräche vom Mobiltelefon aufzeichnete, als ich mich in Kiew aufhielt, gibt es bei mir keinen Zweifel: es ist Straßenlärm zu hören, meine Erzählung über Kiew, die Beschreibung von Schneefall und eines großen Staus vor der Oper.

Schließen Sie es aus, dass nach der Veröffentlichung dieser Information TVi gegen Sie klagt? Haben Sie Beweise, Bestätigungen für Ihre Worte?

Sollen sie klagen. Dafür, um die Wahrheit festzustellen, gibt es Ermittlungen und das Gericht. Unsere Juristen arbeiten derzeit daran, die Beweisbasis zu gewährleisten, dabei nicht nur in der Ukraine, sondern auch in den USA. Wahrscheinlich macht es Sinn mit den Mitarbeitern und dem technischen Direktor des Fernsehsenders zu reden … Mich interessiert beispielsweise, ob er alles auf sich nimmt oder erzählt, wer ihm die Anweisung gab mich abzuhören und ob die Journalisten wirklich darum baten alle möglichen Anrufe aufzuzeichnen?

Können Sie vor sich rechtfertigen, dass die von Ihnen dargelegten Fakten das Schicksal des Fernsehsenders TVi sehr erschweren könnten, der derzeit als einer der Bannerträger im Kampf um die Meinungsfreiheit in der Ukraine auftritt und über Bedrängung von Seiten der Machthaber berichtet?

Ich habe fast zwei Jahre an der Gründung von TVi gearbeitet. Doch zum heutigen Tag verwandelt er sich von einem Fernsehsender in eine PR-Anstalt und ein „Zentrum der ungesetzlichen Abhörung“ und das verärgert mich sehr. Um sich selbst zu Kämpfern für die Meinungsfreiheit zu erklären, muss man irgendwelche journalistischen Leistungen vorzuweisen haben. Nur dann kann man behaupten, dass das Unternehmen in der Journalistik etwas getan hat, was vorher nicht getan wurde und eben deswegen zu einem Objekt der Repression und des Angriffs von Seiten der Machthaber wurde. Doch der Fernsehsender befindet sich in einer frühen Einrichtungsphase und hat bislang keinerlei journalistische Errungenschaften vorzuweisen. Daher erscheint die These über den Kampf um die Meinungsfreiheit als Heuchelei. Mehr noch sage ich: mit solchen ‘Verteidigern’ braucht die Meinungsfreiheit keine Feinde!

Was denken Sie, wie wird das Ermittlungsverfahren enden?

Ich wünschte mir, dass es mit der Bestrafung der Schuldigen endet. Mich interessiert nicht der Bestrafungsgrad, sondern die Unvermeidbarkeit der Bestrafung. Die Situation ist paradox – einerseits, gibt es viele Belege dafür, dass die Meinungsfreiheit in Gefahr ist. Andererseits scheint mir, dass die Machthaber und Rechtsschutzorgane zu empfindlich auf die Vorwürfe reagieren. Ich schließe nicht aus, dass es eine neue Welle von Meldungen geben wird, dass TVi gestört wird und die Angelegenheit wird in die Schublade gelegt.

Wenn man diesen Gedanken weiterentwickelt, könnte man vermuten, dass Sie ein Instrument in den Händen der Besitzer der „Inter“ Gruppe, des Vorsitzenden des SBU (Sicherheitsdienst der Ukraine) Walerij Choroschkowskij, sind. Ist das so?

Mich beunruhigt nicht, welches Etikett man mir verpasst. Mich interessieren die Fakten und sie sind unwiderlegbar – man hat mich abgehört! Und ich habe mir das nicht ausgedacht. Diese Daten hat eine andere Seite vorgelegt – nicht Gussinskij und nicht die Anwälte von Kagalowskij. Falls Choroschkowskij, wie einige behaupten, die Pressefreiheit angreift, dann ist das natürlich schlecht, doch wenn sie Knjashizkij (Generaldirektor von TVi) verteidigt, dann ist das schlechter!

Der “Kommersant-Ukraine“ ist bereit Konstantin Kagalowskij oder dem Leiter des Fernsehsenders TVi die Gelegenheit für ein Gegeninterview zu geben.

Walerij Kalnysch

Quelle: Kommersant-Ukraine

Übersetzer:   Andreas Stein — Wörter: 843

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