FacebookXVKontakteTelegramWhatsAppViber

Witalij Portnikow als Zielscheibe

0 Kommentare

Der ukrainische Journalist Witalij Portnikow, Berichterstatter von Radio Liberty, der sich an den politischen Protesten in Kiew aktiv beteiligt hatte, floh nach Warschau, nachdem er überzeugende Hinweise auf einen gegen ihn geplanten Anschlag erhalten hatte. Portnikow verbindet die dramatische Situation in Kiew mit der Tätigkeit von Agenten russischer Geheimdienste und mit der Haltung politischer Kräfte, die nicht an einer friedlichen Lösung der Krise um den Maidan interessiert sind.

– Menschen, die in den letzten Monaten an dieser Protestbewegung aktiv mitgewirkt haben, haben es in der Tat nicht leicht. Versuche, die Situation im Lande in den Griff zu bekommen, haben nichts gebracht. Es ist bekannt, was mit einigen aktiven Mitgliedern der Zivilgesellschaft passiert ist. Man weiß von der Verprügelung des Journalisten Igor Luzenko, dem Mitglied des Maidan-Rates, der in einen Wald verschleppt worden ist. Man weiß vom Tod seines Mitkämpfers Jurij Werbizkij, er wurde einfach umgebracht. Vor kurzem wurde bekannt, dass einer der Anführer des „Automaidans“ Dmitrij Bulatow verschollen ist.

Ich glaube, in der Ukraine hat sich ein sehr ernster Provokationshintergrund etabliert. Er ist auf die sich öffnenden Möglichkeiten für eine politische Regelung des Konflikts zurückzuführen. Von der anhaltenden gewaltsamen Konfrontation werden weder Machthaber, noch Oppositionelle profitieren. An dieser Stelle muss man in erster Linie von den Machthabern sprechen, denn die Oppositionellen haben sich auch früher ernst genug für eine politische Regelung ausgesprochen. Die Machthaber – hier geht es in erster Linie um Präsident Janukowitsch – waren an einer politischen Regelung nicht interessiert. Erst als die Konfrontation auch Gewalt mit sich brachte, wurde es vielen Menschen langsam klar (auch im Umfeld von Janukowitsch selbst), dass es ohne Einigung nicht mehr weiter geht.

Zugleich gibt es Kräfte, die an einer Einigung nicht interessiert sind. Ich würde sagen, dass es nicht nur interne, sondern auch externe Kräfte sind, sie befinden sich im Osten. Diese Kräfte tun alles Mögliche, um solche Vereinbarungen zu unterminieren, um den Verhandlungsprozess selbst zu unterminieren, sodass die Konfrontation mit Gewalt sich noch mehr zuspitzen würde. Alle Provokationen und Versuche, auf die aktiven Mitglieder der Zivilgesellschaft und Journalisten Druck auszuüben, muss man gerade vor diesem Hintergrund betrachten.

Da ich viele Jahre lang in Russland tätig war, habe ich noch ausreichend Bekannte und Informationsquellen in diesem Lande. Ich muss Ihnen sagen, dass der Zugang zu Informationen aus diesen Quellen in Russland sogar wichtiger ist, um die Lage in der Ukraine zu verstehen, als der Zugang zu Informationen in der Ukraine selbst. Denn in Kiew gibt es sehr viele Mitarbeiter russischer Geheimdienste, es gibt sehr viele Menschen, die sozusagen als „Politologen“ tätig sind. In Wirklichkeit sind sie für die Organisation von ganz schmutzigen Kampagnen zur Diskreditierung von Menschen zuständig und können übrigens auch empfehlen, die eine oder die andere Person zusammenzuschlagen. Kiew ist von diesen Menschen förmlich überschwemmt.

Menschen, die sich auskennen, teilten mir also mit, dass ein recht genauer Plan für das brutale Vorgehen gegen Journalisten, gegen aktive Mitglieder der Zivilgesellschaft vorliegt. Mir wurde gesagt, was als Anfang der gegen mich gerichteten Aktionen gelten soll und wie deren Fortsetzung – mit dem einen oder anderen Grade von Wahrscheinlichkeit – aussehen könnte. Ich konnte mich vergewissern, dass man mich nicht belügt. Diese Informationen habe ich nach einem Gespräch mit europäischen und amerikanischen Diplomaten, in dem ich über Probleme für ukrainische Journalisten berichtet habe, erhalten. Ich habe beschlossen, dass ich zumindest versuche, diesen Plan zu torpedieren. Ich bin für eine Weile nach Warschau gekommen, um hier weiter zu arbeiten.

Außerdem bin ich der Meinung, dass in der Situation, in der der Verhandlungsprozess begonnen hat, es sehr wichtig ist, mit Europäern über eventuelle Auswirkungen der Abwesenheit dieser politischen Regelung zu sprechen. Ich bin jetzt in einem Lande, wo sich fast jeder zweite für die Ukraine interessiert. Was in der Gruschewski-Straße in Kiew passiert, wird in allen Fernsehkanälen des Landes – im Unterschied zur Ukraine selbst – präsentiert.

– Haben Sie eine Vermutung, warum gerade Sie Interesse bei diesen dunklen Kräften geweckt haben? Sagen wir russische oder ukrainische Geheimdienste, die den Prozess der politischen Regelung verhindern wollen.

– Ich habe nicht nur eine Vermutung, sondern auch eine klare Vorstellung warum. Es gibt nur wenige Journalisten, die genau und verantwortungsbewusst die Situation im Lande beschreiben. Einige von ihnen sind jetzt aus verschiedenen Gründen im Ausland. Ich bin in Kiew geblieben. Außerdem bin ich Mitglied des Maidan-Rates. Gegen mich wurde bereits eine recht heftige Kampagne zur Diskreditierung, die – sagen wir – aus Moskau und Charkow (das sind zwei Zentren des russischen Einflusses in der Ukraine) gesteuert wird, in die Wege geleitet. Ich erwies mich als eine recht gute Zielscheibe. Die Menschen, die beschlossen haben, diese Kampagne in Auftrag zu geben, haben wohl gedacht, dass sie das, was mit mir passiert (wenn das passiert wäre) in jedem Fall denjenigen in die Schuhe schieben könnten, die sich früher an meiner Diskreditierung beteiligt hatten. Das ist ein recht einfaches Schema. Ich kann es jetzt nicht in allen Details beschreiben, da viele meiner Kollegen in der Ukraine in Gefahr sind. Ich gehe davon aus, dass ich von hier zumindest teilweise die Möglichkeit haben werde, die Entwicklung der Geschehnisse zu beeinflussen. Ich will meine Möglichkeiten ja nicht übertreiben, aber ich verstehe Folgendes: Jedes Detail darüber, was mit mir passiert, könnte meinen Kollegen in der Ukraine und dem nicht einfachen Verhandlungsprozess, der sich erst anbahnt, Schaden zufügen.

23. Januar 2014 // Das Interview führte Andrej Scharyj und stellt einen Auszug aus der Sendung: „Zeit der Freiheit“ bei Radio Liberty dar.

Quelle: Radio Liberty

Den täglichen oder wöchentlichen Newsletter abonnieren und auf dem Laufenden bleiben!

Hat Ihnen der Beitrag gefallen? Vielleicht sollten Sie eine Spende in Betracht ziehen.
Diskussionen zu diesem Artikel und anderen Themen finden Sie auch im Forum.

Benachrichtigungen über neue Beiträge gibt es per Bluesky, Facebook, Google News, Mastodon, Telegram, X (ehemals Twitter), VK, RSS und täglich oder wöchentlich per E-Mail.

Artikel bewerten:

Rating: 5.0/7 (bei 1 abgegebenen Bewertung)

Neueste Beiträge

Kiewer/Kyjiwer Sonntagsstammtisch - Regelmäßiges Treffen von Deutschsprachigen in Kiew/Kyjiw

Karikaturen

Andrij Makarenko: Russische Hilfe für Italien

Wetterbericht

Für Details mit dem Mauszeiger über das zugehörige Icon gehen
Kyjiw (Kiew)-17 °C  Ushhorod-4 °C  
Lwiw (Lemberg)-13 °C  Iwano-Frankiwsk-12 °C  
Rachiw-4 °C  Jassinja-6 °C  
Ternopil-14 °C  Tscherniwzi (Czernowitz)-11 °C  
Luzk-13 °C  Riwne-13 °C  
Chmelnyzkyj-15 °C  Winnyzja-14 °C  
Schytomyr-18 °C  Tschernihiw (Tschernigow)-20 °C  
Tscherkassy-15 °C  Kropywnyzkyj (Kirowograd)-13 °C  
Poltawa-14 °C  Sumy-17 °C  
Odessa-7 °C  Mykolajiw (Nikolajew)-7 °C  
Cherson-7 °C  Charkiw (Charkow)-16 °C  
Krywyj Rih (Kriwoj Rog)-10 °C  Saporischschja (Saporoschje)-8 °C  
Dnipro (Dnepropetrowsk)-10 °C  Donezk-10 °C  
Luhansk (Lugansk)-10 °C  Simferopol-2 °C  
Sewastopol-1 °C  Jalta2 °C  
Daten von OpenWeatherMap.org

Mehr Ukrainewetter findet sich im Forum

Forumsdiskussionen

„Das sind Untermenschen, normale Menschen verhalten sich anders. Slava Ukraine“

„Hallo Lev, habe das im Internet gefunden, Probleme ist wohl die Grenzkontrolle ohne EU Pass, dann wird es eine Warterei von 2h..., Mein Browser hat mir das automatisch auf Deutsch übersetzt.“

„Hat eventuell jemand hier im Forum, Erfahrung mit der neuen Zugverbindung und dem Umstieg in Przemyel ?“

„Zuletzt war ich zweimal kurz hintereinander in Ustyluh/Zosin im Röntgenapparat (Polen), kostet halt jedes Mal auch noch ca. 15 - 20 Minuten..., das nervt. Nach Kiew würde ich ebenfalls die "nördliche"...“

„Kowel-Sarnyj-Korosten-Kiew, weil wesentlich weniger Verkehr als die A4-Route im Süden. Ach die Strecke kann man normal fahren? Da ist nur der Grenzübergang Dorohusk nicht möglich.“

„Das hat sich spätestens erledigt seitdem "die Russen" ein Teil der Russen von damals hinterhältig überfallen hat. Und ein Teil der Russen von damals über "den Russen" von heute genauso denkt. Heisst...“

„In diesem Zusammenhang würde mich ja Mal interessieren welche Rolle E-Autos in UA unter den derzeit herrschenden Bedingungen spielen ?“

„Gerade wir als Deutsche sollten uns jetzt hüten wieder in alte verhängnisvolle Denkmuster gegenüber "den Russen" zu verfallen !“

„Ja das könnte passen. Der stand da mitten im Wald auf der Strasse mit der Kalaschnikow um den Hals. Da waren es noch paar km bis zur Grenze. Hatte da nur den EU-Pass gezeigt, hat er mich durch gewunken....“

„Bin erst 2025 das erste Mal bei Uhryniv über die Grenze, der Blockposten ist Schätzungsweise 7 Kilometer von der Grenze weg. Ansonsten lässt sich noch vermuten ggf. Gibt da was in der Nähe, dass gerne...“

„Interessant, Blockposten gibt es an den anderen Grenzorten schon lange nicht mehr. Zumindest nicht in Budomierz oder Korczova, Astey, Kosun, Richtung Ungarn. Uhryniv .... Ist das nicht der wo Armeeposten...“

„"RESPEKT " ist vermutlich das "Fremdwort" schlechthin für einen Russen. Meine Erwartungshaltung wurde " leider " nicht enttäuscht, faschistisches Russenpack, ist bleibt was es ist, ein Haufen voller...“

„Wieso Respekt? Werden die Russenfaschisten mit Absicht gemacht haben - wie kann man auch die Feiertage wie im Westen nutzen ....“

„Ja, das ist interessant, eigentlich sollen ja mit unter, Männer vor der Annäherung zur Grenze abgehalten werden und natürlich dann die Flucht außer Landes. Du hast recht, im Sommer hatte ich in Astey...“

„War über die Feiertage in der Ukraine in Luzk bei der Familie, die Russen sind schon blöde Arschlöcher, Luzk als Stadt zählt meiner Ansicht nach auch eher noch zu den ruhigeren Plätzen im Kriegsgebiet,...“

„Interessant, Blockposten gibt es an den anderen Grenzorten schon lange nicht mehr. Zumindest nicht in Budomierz oder Korczova, Astey, Kosun, Richtung Ungarn.“

„Grenzübergang Urgyniw - Dolgobytschuw Wollte in der Nacht von Samstag 3.1.26 auf Sonntag 4.1.26 am Grenzübergang Urgyniw um ca 2 Uhr ausreisen, daraus wurde aber nichts, da wir am "Blockposten" - Kontrollpunkt...“

„Was wohl die Russen davon halten, dass die Ukrainer beinahe schon nach belieben jede Raffinerie erfolgreich angreifen können, Putins Residenz aber so derartig gut gesichert ist, sodass sie angeblich 91...“

„Was wohl die Ausgebombten aus Dnipro oder die Bauern im Kursker Gebiet denken wenn sie erfahren würden daß sich ihre Kriegsherren selbst gegenseitig nur mit Samthandschuhen anfassen ?“

„Also bisher habe ich nichts davon gelesen dass es entsprechende Angriffe gab. Letztes Jahr gab es mal ein Ziel in der Nähe vom Präsidentenpalast. ... denke mal das läuft auf Gegenseitigkeit hinaus...“

„Mal ganz abgesehen davon daß dieses behauptete Ereignis vermutlich nur als Vorwand konstruiert wurde um sich vor ernsthaften Friedensverhandlungen drücken zu können: Putin scheint wohl ein schlechter...“

„Bin am 24.12.25 in Zosin/Ustyluh in die Ukraine eingereist, war das erste und einzige Auto, in ca. 45 Minuten durch gewesen. Ausreise nach Polen, ca. 10 PKW zu der Zeit.“

„Typisch Russenkasper welche vom korrupten Putin und der Machtelite um ihn herum verarscht werden. Zu mehr als zivile Ziele in Städten zu zerstören reicht es nicht.“

„Warum sollten die sich auch trollen?? Für mich ist es immer wieder eine Offenbarung, wenn man mal wieder feststellen kann, mit welch limitierten Fähigkeiten und Qualitäten jene Russlandfans unterwegs...“

„Hallo Hendrij, habe mal ne Frage zu der neuen Zugverbindung Leipzig - Krakau - Przemyel. Wir fahren ja seit vielen Jahren immer mit dem Wohnmobil und im Winter mit dem Bus nach Lwiw. Da wir unweit von...“

„Meine Ehefrau ist eine Ukrainerin, und ich kenne sie schon seit dem 4. Oktober 2016. Das ist der Grund, weshalb ich mich als deutscher Zivilist in der Ukraine aufhalte. Als Gerhard Schröder noch Deutschlands...“

„Irgendwas stimmt mit dieser Meldung wohl nicht. Katar ist schon seit mehreren Jahren in der Tat aus der OPEC ausgetreten. Warum wird diese offenbar längst überholte Nachricht jetzt wieder aufgewärmt...“

„Danke. Ergänzend dazu habe ich heute gelesen daß es wohl auch noch eine Truppe "Achmat Ost" im Gebiet Saporischschija geben soll.“

„Achja, das Großmaul Kadyrow.ist auch noch da. Das Blatt scheint sich zu wenden. Von den angeblichen Heldentaten seiner Kadyrowzy in der Ukraine ist ja schon länger nichts mehr zu hören. Weiß jemand...“

„@kobmicha Besonders helle scheinst Du nicht zu sein. Falsches Forum für Dich, geh Dich bei den Russen anbiedern, Troll.“

„Tauchen hier eigentlich immer neue Idioten auf oder sind das die gleichen? Offensichtlich sind es immer die gleichen Idioten die hier Schreiben.Sieht man ja an Ihnen. Sie,wahrscheinlich; heldenhafter Ukrainer....“

„Naja, Neuankömmlinge müssen erst einmal drei irgendwie gehaltvolle Beiträge schreiben, bevor sie komplett freigeschalten werden. Dieser Fall hatte sich schon 2011 registriert und sich bei anderen Sachen...“

Newsletter jeden Morgen

Sie möchten täglich über Neuigkeiten auf der Seite benachrichtigt werden? Dann ist vielleicht ein Kurzüberblick mit den wichtigsten Beiträgen der vergangenen 24 Stunden für Sie interessant. Der Versand erfolgt jeden Tag 6.00 Uhr morgens.




Nach dem Eintrag Ihrer E-Mailadresse erhalten Sie eine E-Mail zum Bestätigen Ihrer Adresse und können dann die Eintragung abschließen (so genanntes "Double Opt-In-Verfahren"). Ihre E-Mailadresse wird dabei nur auf unserem Server in Deutschland gespeichert und nicht an Dritte übermittelt.