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Witalij Portnikow als Zielscheibe

Der ukrainische Journalist Witalij Portnikow, Berichterstatter von Radio Liberty, der sich an den politischen Protesten in Kiew aktiv beteiligt hatte, floh nach Warschau, nachdem er überzeugende Hinweise auf einen gegen ihn geplanten Anschlag erhalten hatte. Portnikow verbindet die dramatische Situation in Kiew mit der Tätigkeit von Agenten russischer Geheimdienste und mit der Haltung politischer Kräfte, die nicht an einer friedlichen Lösung der Krise um den Maidan interessiert sind.

– Menschen, die in den letzten Monaten an dieser Protestbewegung aktiv mitgewirkt haben, haben es in der Tat nicht leicht. Versuche, die Situation im Lande in den Griff zu bekommen, haben nichts gebracht. Es ist bekannt, was mit einigen aktiven Mitgliedern der Zivilgesellschaft passiert ist. Man weiß von der Verprügelung des Journalisten Igor Luzenko, dem Mitglied des Maidan-Rates, der in einen Wald verschleppt worden ist. Man weiß vom Tod seines Mitkämpfers Jurij Werbizkij, er wurde einfach umgebracht. Vor kurzem wurde bekannt, dass einer der Anführer des „Automaidans“ Dmitrij Bulatow verschollen ist.

Ich glaube, in der Ukraine hat sich ein sehr ernster Provokationshintergrund etabliert. Er ist auf die sich öffnenden Möglichkeiten für eine politische Regelung des Konflikts zurückzuführen. Von der anhaltenden gewaltsamen Konfrontation werden weder Machthaber, noch Oppositionelle profitieren. An dieser Stelle muss man in erster Linie von den Machthabern sprechen, denn die Oppositionellen haben sich auch früher ernst genug für eine politische Regelung ausgesprochen. Die Machthaber – hier geht es in erster Linie um Präsident Janukowitsch – waren an einer politischen Regelung nicht interessiert. Erst als die Konfrontation auch Gewalt mit sich brachte, wurde es vielen Menschen langsam klar (auch im Umfeld von Janukowitsch selbst), dass es ohne Einigung nicht mehr weiter geht.

Zugleich gibt es Kräfte, die an einer Einigung nicht interessiert sind. Ich würde sagen, dass es nicht nur interne, sondern auch externe Kräfte sind, sie befinden sich im Osten. Diese Kräfte tun alles Mögliche, um solche Vereinbarungen zu unterminieren, um den Verhandlungsprozess selbst zu unterminieren, sodass die Konfrontation mit Gewalt sich noch mehr zuspitzen würde. Alle Provokationen und Versuche, auf die aktiven Mitglieder der Zivilgesellschaft und Journalisten Druck auszuüben, muss man gerade vor diesem Hintergrund betrachten.

Da ich viele Jahre lang in Russland tätig war, habe ich noch ausreichend Bekannte und Informationsquellen in diesem Lande. Ich muss Ihnen sagen, dass der Zugang zu Informationen aus diesen Quellen in Russland sogar wichtiger ist, um die Lage in der Ukraine zu verstehen, als der Zugang zu Informationen in der Ukraine selbst. Denn in Kiew gibt es sehr viele Mitarbeiter russischer Geheimdienste, es gibt sehr viele Menschen, die sozusagen als „Politologen“ tätig sind. In Wirklichkeit sind sie für die Organisation von ganz schmutzigen Kampagnen zur Diskreditierung von Menschen zuständig und können übrigens auch empfehlen, die eine oder die andere Person zusammenzuschlagen. Kiew ist von diesen Menschen förmlich überschwemmt.

Menschen, die sich auskennen, teilten mir also mit, dass ein recht genauer Plan für das brutale Vorgehen gegen Journalisten, gegen aktive Mitglieder der Zivilgesellschaft vorliegt. Mir wurde gesagt, was als Anfang der gegen mich gerichteten Aktionen gelten soll und wie deren Fortsetzung – mit dem einen oder anderen Grade von Wahrscheinlichkeit – aussehen könnte. Ich konnte mich vergewissern, dass man mich nicht belügt. Diese Informationen habe ich nach einem Gespräch mit europäischen und amerikanischen Diplomaten, in dem ich über Probleme für ukrainische Journalisten berichtet habe, erhalten. Ich habe beschlossen, dass ich zumindest versuche, diesen Plan zu torpedieren. Ich bin für eine Weile nach Warschau gekommen, um hier weiter zu arbeiten.

Außerdem bin ich der Meinung, dass in der Situation, in der der Verhandlungsprozess begonnen hat, es sehr wichtig ist, mit Europäern über eventuelle Auswirkungen der Abwesenheit dieser politischen Regelung zu sprechen. Ich bin jetzt in einem Lande, wo sich fast jeder zweite für die Ukraine interessiert. Was in der Gruschewski-Straße in Kiew passiert, wird in allen Fernsehkanälen des Landes – im Unterschied zur Ukraine selbst – präsentiert.

– Haben Sie eine Vermutung, warum gerade Sie Interesse bei diesen dunklen Kräften geweckt haben? Sagen wir russische oder ukrainische Geheimdienste, die den Prozess der politischen Regelung verhindern wollen.

– Ich habe nicht nur eine Vermutung, sondern auch eine klare Vorstellung warum. Es gibt nur wenige Journalisten, die genau und verantwortungsbewusst die Situation im Lande beschreiben. Einige von ihnen sind jetzt aus verschiedenen Gründen im Ausland. Ich bin in Kiew geblieben. Außerdem bin ich Mitglied des Maidan-Rates. Gegen mich wurde bereits eine recht heftige Kampagne zur Diskreditierung, die – sagen wir – aus Moskau und Charkow (das sind zwei Zentren des russischen Einflusses in der Ukraine) gesteuert wird, in die Wege geleitet. Ich erwies mich als eine recht gute Zielscheibe. Die Menschen, die beschlossen haben, diese Kampagne in Auftrag zu geben, haben wohl gedacht, dass sie das, was mit mir passiert (wenn das passiert wäre) in jedem Fall denjenigen in die Schuhe schieben könnten, die sich früher an meiner Diskreditierung beteiligt hatten. Das ist ein recht einfaches Schema. Ich kann es jetzt nicht in allen Details beschreiben, da viele meiner Kollegen in der Ukraine in Gefahr sind. Ich gehe davon aus, dass ich von hier zumindest teilweise die Möglichkeit haben werde, die Entwicklung der Geschehnisse zu beeinflussen. Ich will meine Möglichkeiten ja nicht übertreiben, aber ich verstehe Folgendes: Jedes Detail darüber, was mit mir passiert, könnte meinen Kollegen in der Ukraine und dem nicht einfachen Verhandlungsprozess, der sich erst anbahnt, Schaden zufügen.

23. Januar 2014 // Das Interview führte Andrej Scharyj und stellt einen Auszug aus der Sendung: „Zeit der Freiheit“ bei Radio Liberty dar.

Quelle: Radio Liberty

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Leserkommentare

«Sicher. Nur dass die Ukraine vor dem 1.weltkrieg noch nicht mal existiert hat, geschweige den es ein "ukrainisches" Volk...»

«"wenn der Russe aus der Ukraine verschwinden würde" Dann müssten ja die hälfte der Ukrainer aus der Ukraine raus :D Zumal...»

«Und die Ukaine ist in diesen Ranking so viel besser? Ich glaube nicht. Zumal die Ukraine massive Probleme mit der Abwanderung...»

«Sie waren noch NIEMALS in Russland. Sonst würden sie nicht so einen eloquenten Unfug schreiben. Rangliste der Pressefreiheit;Russland...»

«Nun,sie haben meine beiden Fragen verneint... Somit müssten sie eigentlich nun pro-ukrainisch argumentieren... Denn, 1)...»

«nun ihr Beitrag zeigt das sie Teil des Konfliktes sind. Dafür können sie nichts. Insofern nehme ich ihr Polemik als teil...»

«aktuell ist Russland ein Land das es trotz seiner vielen Ethnien schafft im inneren Stabilität zu erhalten. Das ist deutlich...»

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