Das Gesundheitsministerium veröffentlichte eine Verordnung zur Einführung einer verpflichtenden jährlichen medizinischen Untersuchung für alle Bürger. Derart möchte man beim Gesundheitsministerium ein vollständiges Bild über den Zustand der Gesundheit der Bevölkerung erhalten. Beim Ministerium hebt man ebenfalls hervor, dass die Reihenuntersuchung bereits 2011 eingeführt werden könnte und schließt nicht aus, dass in Bezug auf Personen, die gefälschte Bescheinigungen über die Absolvierung vorlegen, Sanktionen verhängt werden. Praktizierende Ärzte betonen übrigens, dass es in einer demokratischen Gesellschaft schwierig wird, die Bürger zu einer medizinischen Pflichtuntersuchung zu zwingen. Die Verordnung tritt erst nach einer Registrierung im Justizministerium in Kraft.
Die gestern veröffentlichte Verordnung über eine Reihenuntersuchung der Bevölkerung ist eine der Maßnahmen des staatlichen Entwicklungsprogramms für die medizinisch-hygienische Basishilfe bis zum Jahre 2011, welches von der Werchowna Rada am 22. Januar bestätigt wurde. Die Reihenuntersuchung besteht aus einer jährlichen medizinischen Überprüfung mit Laboruntersuchungen für die rechtzeitige Entdeckung von Erkrankungen. Es ist vorgesehen, dass der Bereichsarzt eine medizinische Überprüfung aller Bürger planen wird, die im Einzugsgebiet der entsprechenden Poliklinik wohnen und eine Erfassung derjenigen durchführt, welche die Reihenuntersuchung durchlaufen haben.
Im Rahmen der medizinischen Untersuchung werden eine Messung der Größe, des Gewichts, des Blutdrucks, der Hörfähigkeit, der Sehschärfe, Blut- und Urintests, eine Mammographie bei Frauen und eine Ultraschalluntersuchung der Prostata bei Männern verpflichtend sein. Die Ergebnisse der Untersuchung werden dann in ein speziell vom Gesundheitsministerium ausgearbeitetes Formular eingetragen. Derzeit gibt es Reihenuntersuchungen bei Kindern in Vorschuleinrichtungen, Schülern, Studenten, Mitarbeitern von gesundheitsgefährlichen Produktionsstätten und ebenfalls von Schwangeren und Tschernobyl-Opfern. Doch beim Gesundheitsministerium meint man, dass sie häufig nur formell ablaufen – die Leute bekommen einfach ihren Schein mit dem Stempel „Gesund“, dabei nichts über ihren Gesundheitszustand wissend.
Wie dem „*Kommersant-Ukraine*“ die Stellvertreterin des Direktors der Abteilung zur Entwicklung der medizinischen Hilfe beim Gesundheitsministerium, Soja Kruschinskaja, mitteilte, hofft die Behörde mithilfe der allgemeinen Reihenuntersuchung ein reales Bild des Gesundheitszustandes der Ukraine zu erhalten: „Die medizinischen Untersuchungen werden unter allen Altersgruppen durchgeführt. In den Oblasten plant man mobile Brigaden zu schaffen, welche die Reihenuntersuchung bei den Einwohnern der Dörfer durchführen werden“. Den Worten von Kruschinskaja nach durchläuft die Verordnung gerade die Registrierung beim Justizministerium, wonach sie in Kraft tritt. „Nach vorläufigen Berechnungen kostet die gesamtukrainische Reihenuntersuchung etwa 6 Mrd. Hrywnja (ca. 600 Mio. €). Nachdem diese Zahl im Kabinett abgestimmt wurde, beginnt die Umsetzung des Programmes“, fügte Kruschinskaja hinzu, dabei hervorhebend, dass man die Reihenuntersuchung der Bevölkerung bereits für 2011 erwarten kann.
Zur Erinnerung: Im letzten Jahr hatte der damalige Gesundheitsminister Wassilij Knjasewitsch vorgeschlagen, harte Maßnahmen zur Motivierung der Bürger zur Absolvierung einer medizinischen Untersuchung und der Beachtung einer gesunden Lebensweise zu ergreifen: gesetzlich sollten die Möglichkeiten der Versicherung, der Kreditvergabe und Aufnahme einer Arbeit oder eines Studiums eingeschränkt werden.
Den Worten des Stellvertreters des Vorsitzenden des Öffentlichkeitsrates beim Gesundheitsministerium, Andrej Guk, nach ist vorgesehen, die Bevölkerung auf unterschiedliche Weise zum Durchlaufen der Gesundheitsprüfung anzuregen: „Beispielsweise können Leute, welche die Untersuchung nicht mitgemacht haben, nicht am Programm der ‘Reimbursazija/Erstattung’ teilnehmen, welches vom Gesundheitsministerium ausgearbeitet wurde. Dieses Programm sieht die teilweise Kompensation von Mitteln vor, die für Medikamente einheimischer Produktion, deren Liste vom Ministerium festgelegt wird, ausgegeben wurden“. Das Geld für die Medikamente soll entweder am Arbeitsplatz oder in Form von Steuernachlässen erstattet werden und für falsche Bescheinigungen werden gesonderte Sanktionen eingeführt. „Falls beim Patienten chronische Erkrankungen festgestellt werden, die nicht in der Bescheinigung über die medizinische Untersuchung enthalten sind, werden der Arzt und der Patient eine gleiche Verantwortung für die Fälschung der Dokumente tragen“, fügte Guk hinzu.
Äzte halten die Pläne des Gesundheitsministeriums für unrealistisch. „Der große Teil der Bevölkerung hat keine Verpflichtung zum Durchlaufen des Tests über die Arbeit, wie es in der UdSSR war“, sagt Dr. Roman Fedosjuk, Anästhesieleiter im Kiewer Stadtkrankenhaus Nr. 3. „In einem demokratischen Land Leute zu einer Reihenuntersuchung zu zwingen wird äußerst schwierig. Das ist nur mittels der Einführung der Institution des Familienarztes möglich, der seinen Patienten zu einer medizinischen Untersuchung raten wird. Doch ist bislang in der Ukraine die Institution des Familienarztes sehr schwach entwickelt“.
Julia Rjabtschun
Quelle: Kommersant-Ukraine


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