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Ukrainische Soziologen bereiten sich auf die Präsidentschaftswahl vor

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Bei den nächsten Präsidentschaftswahlen werden die Nachwahlbefragungen von einem Konsortium dreier soziologischer Organisationen durchgeführt – dem Fonds “Demokratische Initiativen”, dem Kiewer Internationalen Institut für Soziologie (KIIS) und dem Rasumkowzentrum. Zum heutigen Tag ist übrigens die Finanzierung der Exit-Polls ungelöst. Den Einschätzungen der Soziologen nach, benötigen sie für die landesweite Befragung wenigstens 200.000$. Den Informationen des “Kommersant-Ukraine“ nach, hat bislang lediglich der Fonds “Widrodshennja/Wiedergeburt” zugestimmt als Sponsor aufzutreten.

Am Freitag hatte der Direktor des Fonds “Demokratische Initiativen” Ilko Kutscheriw die Gründung eines Konsortiums gesellschaftlicher Organisationen für die Durchführung von Exit-Polls während der ersten und zweiten Runde der Präsidentschaftswahlen angekündigt. In dieses werden die “Demokratischen Initiativen”, das Kiewer Internationale Institut für Soziologie und das Rasumkowzentrum eintreten. “Wir möchten Nachwahlbefragungen in einem Zusammenschluss durchführen, der mit dem Ziel der Förderung von ehrlichen und gerechten Wahlen gegründet wird”, erklärte Kutscheriw dem “Kommersant-Ukraine“, anmerkend, dass die Vereinigung bislang keinen Namen trägt.

Exit-Polls werden in der Ukraine seit dem Jahr 1998 durchgeführt. Traditionell nimmt der Fonds “Demokratische Initiativen” die Funktion der Koordination und der Kontrolle der Sicherstellung der Qualität der Durchführung der Nachwahlbefragung auf sich und beschäftigt sich ebenfalls mit der Frage ihrer Finanzierung. “Was das Geld betrifft, so wenden wir uns an internationale Spender, die bereits Exit-Polls bei uns finanziert haben. Das sind internationale Fonds und Botschaften europäischer Länder, der USA, Kanadas und anderer Staaten. Wir verkünden, dass wir Exit-Polls durchführen werden, danach schreiben wir ihnen Briefe, treffen uns mit ihnen und fragen, ob sie uns unterstützen möchten. Und danach nehmen sie die Finanzierung irgendeines Teiles des allgemeinen Budgets auf sich”, erzählte dem “Kommersant-Ukraine“ Ilko Kutscheriw. Seinen Worten nach liegen die Kosten einer Befragen bei 100-110 Tsd. $ und die Gesamtsumme der Ausgaben (eine Wahl über zwei Runden berücksichtigend) liegen entsprechend bei 200-220 Tsd. $. Es ist geplant etwa 20 Tsd. Teilnehmer in 300 Wahllokalen zu befragen (in der gesamten Ukraine gibt es etwa 35 Tsd. Wahllokale).

“Kutscheriw beschäftigt sich mit der Geldbeschaffung. Ich weiß nicht, ob er Geld auftreiben wird oder nicht, doch einen Geber gibt es bereits. In der letzten Woche traf ich auf einer Konferenz in Warschau den geschäftsführenden Direktor des Fonds “Widrodshennja”, Jewgenij Bystrizkij und er sagte, dass er bereit ist, die Durchführung von Nachwahlbefragungen zu finanzieren”, erzählte dem “Kommersant-Ukriane“ der Generaldirektor des KIIS, Wladimir Paniotto, hinzufügend, dass alle “Feldarbeiten” von Spezialisten des KIIS und des Rasumkowzentrums durchgeführt werden.

Die Technik bleibt die alte (Interviews), da die Abweichung der Auswahl von den Resultaten bei den letzten zwei Exit-Polls weniger als eins war – was von der Fähigkeit ihrer Durchführung spricht”, erklärte Paniotto. Er konkretisierte, dass die Befragung in “300 zufällig ausgewählten Wahllokalen durchgeführt wird”, die zwischen den beiden Firmen aufgeteilt werden. In jedem der Wahllokale werden jeweils zwei Interviewer arbeiten.

Wie bekannt ist, hatte bei den letzten Präsidentschaftswahlen 2004 während der ersten Runde das KIIS, das Rasumkowzentrum, das “Sozis” und das “Sozialnyj Monitoring” Zentrum. Jedoch erklärten später das “Sozis” und das “Sozialnyj Monitoring” Zentrum ihren Austritt aus dem Konsortium. Nach der ersten Runde beschuldigte Ilko Kutscheriw sie der “Verfälschung der Resultate der Befragung mit dem Ziel der Manipulation der gesellschaftlichen Meinung und des Erreichen eines polittechnologischen Ergebnisses”. Er erklärte, dass, seinen Daten nach etwa 15 Nachwahlbefragungen durchgeführt wurden, die den Vorteil eines Präsidentschaftskandidaten zeigen sollten – Wiktor Janukowitsch. Im Laufe des zweiten Wahlganges führten das KIIS und das Rasumkowzentrum einen “Nationalen Exit-Poll 2004” durch. Als Koordinator des Projektes trat der Fonds “Demokratische Initiativen” auf.

Der “Kommersant-Ukraine“ interessierte sich bei Kutscheriw, ob er nicht eine Wiederholung der Ereignisse des Jahres 2004 befürchtet.

“Erstens: ich vertraue den Leuten, mit denen ich arbeiten werde und zweifle ihre Ehrenhaftigkeit nicht an. Zweitens: sie setzen sehr viel aufs Spiel – vor allem ihre Reputation. Die Befragung der öffentlichen Meinung ist ein Geschäft und das Geschäft ist hinreichend rentabel. Das ist ein äußerst teurer Zeitvertreib und daher ist das Vertrauen in den Namen hoch zu bewerten. Das KIIS und das Rasumkowzentrum verdienen an der Befragung überhaupt nicht – sie setzen minimale Preise. Doch sie wissen, dass sie mehr verdienen, da sie bekannter werden, wenn alles normal abläuft”, erklärte Ilko Kutscheriw.

Ljudmila Dolgopolowa

Die Ergebnisse der Exit-Polls und der Zentralen Wahlkommission bei den Präsidentschaftswahlen 2004

UnternehmenDaten der Befragung, in %Unterschied zu den Daten der Zentralen Wahlkommission, in %
W. JuschtschenkoW. JanukowitschW. JuschtschenkoW. Janukowitsch
Ergebnisse des 1. Wahlganges, 31. Oktober 2004¹
KIIS44,8038,104,90-1,20
Rasumkowzentrum45,1037,005,20-2,30
“Sozialnyj Monitoring41,1041,201,201,90
“Sozis”42,0040,102,100,80
Daten der Zentralen Wahlkommission39,9039,30-
Ergebnisse des zweiten Wahlgangs, 21. November 2004
“Nationales Exit-Poll“² (KIIS und Rasumkowzentrum53,0044,006,40-5,50
“Sozialnyj Monitoring”49,7046,703,10-2,80
“Sozis”46,8048,200,20-1,30
Daten der Zentralen Wahlkommission46,6049,50- -
Ergebnisse des dritten Wahlgangs, 26. Dezember 2004
“Nationalny Exit-Poll (KIIS und Rasumkowzentrum)56,3041,304,31-2,90
“Wahl des Volkes” (“Sozialnyj Monitoring” und “Sozis”58,1038,406,11-5,80
Daten der Zentralen Wahlkomission51,9944,20- -

¹ Anfänglich waren das Kiewer Internationale Institut für Soziologie (KIIS), das Rasumkowzentrum und das “Sozialnyj Monitoring” und das “Sozis” Zentrum in einem Konsortium namnes “Nationalnyj Exit-Poll”, doch nutzten sie unterschiedliche Methodiken
² Nach der Verkündung der Daten des ersten Wahlganges verkündeten “Sozialnyj Monitoring” und “Sozis” ihren Austritt aus dem Konsortium

Quelle: Kommersant-Ukraine

Übersetzer:   Andreas Stein — Wörter: 999

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