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Das ist ein Friedhof. Dort ist es still.

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„Das ist ein Friedhof. Dort ist es still, denn dort ist keiner lebendig und niemand fürchtet sich.“ Das ist die Erläuterung eines 11-jährigen Jungen zu seiner Zeichnung. Zu einer gewöhnlichen Kinderzeichnung. Der Junge lebt in der umkämpften Region der Ukraine. Es sind wir, die Erwachsenen, die ihn zu diesen Worten, zu diesen Zeichnungen gebracht haben. Was wartet auf diese Kinder, welche Zukunft? Für Putin sind sie uninteressant. Sind sie für uns interessant?

Flüchtlingskinder in Saizewo Gebiet DonezkFlüchtlingskinder in Saizewo Gebiet Donezk, Foto: UNHCR/Maks Lewin
Ich bezweifle das. Am 22. Dezember 2015 fand in Kiew eine bescheidene Konferenz statt: „Die Psychologie des Krieges: Traumata überleben.“ Die Presse war dort nicht anwesend. Für die ukrainischen Massenmedien ist das uninteressant. Wie auch für die russischen. Die Zeichnung und die Erläuterung – sind von dort, von dieser Konferenz. Dreißig Psychologen und Volontäre tauschten ihre Eindrücke aus. Nicht mehr als 30 Menschen gegenüber Millionen, die sich dafür nicht interessieren.

Hauptsächlich Frauen. Männer mögen es nicht sich in fremdes Leid einzufühlen. Nicht eine unaufrichtige Mitteilung, nicht eine unechte Emotion, nicht ein pathetischer Appell. Gewöhnliche Worte von Augenzeugen und Teilnehmern über die andauernde Tragödie. Ermüdete Frauen, die keinen Optimismus ausstrahlten. Von den Wänden sahen uns Kinderzeichnungen an mit schauerlichen, unkindlichen Erläuterungen.

Wer werden diese Kinder, wenn sie erwachsen sind? Ihre Umwelt verabscheuende Sadisten? Vom Leben gedemütigte Alkoholiker und Junkies? Ewige Knastbrüder, nicht geeignet für ein freies und verantwortungsvolles Leben? Ich dachte damals darüber nach, nüchtern einsehend, dass der Kreis dieser Frauen, die versuchen Kinder zu retten, die vor uns erwachsenen Ukrainern zum weit geöffneten Abgrund im Roggen (nach Salinger) fliehen, klein ist. Und noch kleiner wird. Denn wir gewöhnen uns an dieses Böse, das wir selbst aktiv oder passiv provoziert haben. Weder der Bildungsminister noch der Minister für Sozialpolitik entscheiden endlich, keine kaum des Lesens und Schreibens fähige Trittbrettfahrer auszubilden, sondern vollwertige Spezialisten, Psychologen und Sozialarbeiter, die in der Lage sind, effektiv mit diesen Kindern zu arbeiten. Die sie bewahren vor dem nicht wieder gut zu machenden.

In diesem Auditorium am 22. Dezember waren weder ein „Akademiker“ noch ein „Gelehrter“ anwesend, der eine Dissertation vorbereitete:

Zwei völlig unterschiedliche Ukrainen, auf der einen Seite – modelliert man aggressiv die Zukunft irgendeiner unsinnigen parlamentarischen Koalition , auf der anderen Seite – rettet man Kinderseelen. Zwei sich nicht überschneidende Gebiete eines Landes, das eine – Karriere, Erfolg, Reichtum, das andere – der Wunsch (und das Können!) fremdes Leid einzudämmen, zu wärmen.

Hunderte einheimische Trittbrettfahrer mit farbig gedruckten, selbstgebastelten Diplomen und Zertifikaten und Dutzende ausländische „Spezialisten“ ergießen sich in Strömen in die Ukraine… und die selbstlose Arbeit eines Einzelnen als Fänger im Roggen, ist im eigenen Land nicht von Interesse.

Was weiter?

18. Januar 2016 // Semjon Glusman

Quelle: Lewyj Bereg

Übersetzerin:   Franziska Jokisch — Wörter: 434

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