FacebookXVKontakteTelegramWhatsAppViber

Das ist ein Friedhof. Dort ist es still.

0 Kommentare

„Das ist ein Friedhof. Dort ist es still, denn dort ist keiner lebendig und niemand fürchtet sich.“ Das ist die Erläuterung eines 11-jährigen Jungen zu seiner Zeichnung. Zu einer gewöhnlichen Kinderzeichnung. Der Junge lebt in der umkämpften Region der Ukraine. Es sind wir, die Erwachsenen, die ihn zu diesen Worten, zu diesen Zeichnungen gebracht haben. Was wartet auf diese Kinder, welche Zukunft? Für Putin sind sie uninteressant. Sind sie für uns interessant?

Flüchtlingskinder in Saizewo Gebiet DonezkFlüchtlingskinder in Saizewo Gebiet Donezk, Foto: UNHCR/Maks Lewin
Ich bezweifle das. Am 22. Dezember 2015 fand in Kiew eine bescheidene Konferenz statt: „Die Psychologie des Krieges: Traumata überleben.“ Die Presse war dort nicht anwesend. Für die ukrainischen Massenmedien ist das uninteressant. Wie auch für die russischen. Die Zeichnung und die Erläuterung – sind von dort, von dieser Konferenz. Dreißig Psychologen und Volontäre tauschten ihre Eindrücke aus. Nicht mehr als 30 Menschen gegenüber Millionen, die sich dafür nicht interessieren.

Hauptsächlich Frauen. Männer mögen es nicht sich in fremdes Leid einzufühlen. Nicht eine unaufrichtige Mitteilung, nicht eine unechte Emotion, nicht ein pathetischer Appell. Gewöhnliche Worte von Augenzeugen und Teilnehmern über die andauernde Tragödie. Ermüdete Frauen, die keinen Optimismus ausstrahlten. Von den Wänden sahen uns Kinderzeichnungen an mit schauerlichen, unkindlichen Erläuterungen.

Wer werden diese Kinder, wenn sie erwachsen sind? Ihre Umwelt verabscheuende Sadisten? Vom Leben gedemütigte Alkoholiker und Junkies? Ewige Knastbrüder, nicht geeignet für ein freies und verantwortungsvolles Leben? Ich dachte damals darüber nach, nüchtern einsehend, dass der Kreis dieser Frauen, die versuchen Kinder zu retten, die vor uns erwachsenen Ukrainern zum weit geöffneten Abgrund im Roggen (nach Salinger) fliehen, klein ist. Und noch kleiner wird. Denn wir gewöhnen uns an dieses Böse, das wir selbst aktiv oder passiv provoziert haben. Weder der Bildungsminister noch der Minister für Sozialpolitik entscheiden endlich, keine kaum des Lesens und Schreibens fähige Trittbrettfahrer auszubilden, sondern vollwertige Spezialisten, Psychologen und Sozialarbeiter, die in der Lage sind, effektiv mit diesen Kindern zu arbeiten. Die sie bewahren vor dem nicht wieder gut zu machenden.

In diesem Auditorium am 22. Dezember waren weder ein „Akademiker“ noch ein „Gelehrter“ anwesend, der eine Dissertation vorbereitete:

Zwei völlig unterschiedliche Ukrainen, auf der einen Seite – modelliert man aggressiv die Zukunft irgendeiner unsinnigen parlamentarischen Koalition , auf der anderen Seite – rettet man Kinderseelen. Zwei sich nicht überschneidende Gebiete eines Landes, das eine – Karriere, Erfolg, Reichtum, das andere – der Wunsch (und das Können!) fremdes Leid einzudämmen, zu wärmen.

Hunderte einheimische Trittbrettfahrer mit farbig gedruckten, selbstgebastelten Diplomen und Zertifikaten und Dutzende ausländische „Spezialisten“ ergießen sich in Strömen in die Ukraine… und die selbstlose Arbeit eines Einzelnen als Fänger im Roggen, ist im eigenen Land nicht von Interesse.

Was weiter?

18. Januar 2016 // Semjon Glusman

Quelle: Lewyj Bereg

Übersetzerin:   Franziska Jokisch — Wörter: 434

Hat Ihnen der Beitrag gefallen? Vielleicht sollten Sie eine Spende in Betracht ziehen.
Diskussionen zu diesem Artikel und anderen Themen finden Sie auch im Forum.

Benachrichtigungen über neue Beiträge gibt es per Bluesky, Facebook, Google News, Mastodon, Telegram, X (ehemals Twitter), VK, RSS und täglich oder wöchentlich per E-Mail.

Artikel bewerten:

Rating: 5.0/7 (bei 1 abgegebenen Bewertung)

Neueste Beiträge

Kiewer/Kyjiwer Sonntagsstammtisch - Regelmäßiges Treffen von Deutschsprachigen in Kiew/Kyjiw

Karikaturen

Andrij Makarenko: Russische Hilfe für Italien

Wetterbericht

Für Details mit dem Mauszeiger über das zugehörige Icon gehen
Kyjiw (Kiew)22 °C  Ushhorod20 °C  
Lwiw (Lemberg)16 °C  Iwano-Frankiwsk17 °C  
Rachiw16 °C  Jassinja17 °C  
Ternopil15 °C  Tscherniwzi (Czernowitz)22 °C  
Luzk19 °C  Riwne19 °C  
Chmelnyzkyj17 °C  Winnyzja21 °C  
Schytomyr19 °C  Tschernihiw (Tschernigow)20 °C  
Tscherkassy19 °C  Kropywnyzkyj (Kirowograd)22 °C  
Poltawa20 °C  Sumy18 °C  
Odessa24 °C  Mykolajiw (Nikolajew)26 °C  
Cherson26 °C  Charkiw (Charkow)20 °C  
Krywyj Rih (Kriwoj Rog)25 °C  Saporischschja (Saporoschje)24 °C  
Dnipro (Dnepropetrowsk)23 °C  Donezk22 °C  
Luhansk (Lugansk)22 °C  Simferopol22 °C  
Sewastopol21 °C  Jalta21 °C  
Daten von OpenWeatherMap.org

Mehr Ukrainewetter findet sich im Forum

Forumsdiskussionen

„Bin am Montag 15.6.26 um 8 Uhr in Urgyniw ausgereist, das erste Mal an einem Montagmorgen ca. 15 Fahrzeuge vor mir, bin sonst der Erste oder Zweite, egal, nach ca 20 Minuten wurde dann die nächste Welle...“

„Derzeit, ist es überall sehr voll an den Grenzen Ukraine/ Polen. Zb. Krakovets 100 PKW ca. 10 h Wartezeit. Wollen Montag rüber, versuchen es sehr früh.“

„Haben noch vor der Grenze im Wohnmobil geschlafen. 600 km am Stück mit 90 km/h, da wollten wir nicht noch stundenlang an der Grenze stehen. War am Abend voll 55 PKW, laut Info. Am Montag früh gegen 10...“

„Der Blockposten zwischen Ustyluh und Urgyniw an der Oblastgrenze hat mich, das war jetzt aber nur einmal, auch nach 23 Uhr passieren lassen, lässt für mich den Schluss zu, auch hier ist 24/7 passierbar.“

„Kann nur zum Blockposten vor USTYLUH sagen, der ist geöffnet 24/7 und der Blockposten vor URGYNIW schließt von 23.00 Uhr bis 04:00 Uhr. (Fahrtrichtung Grenze/Ausreise); Wer in Richtung Landesmitte fährt,...“

„Ja, der Grenzübergang in Ustyluh ist echt toll geworden, ich habe letztens den Spaß gemacht und angedeutet, dass wohl jetzt die Polen eifersüchtig sind auf diese Arbeitsplätze. Die Zöllnerin hat zustimmend...“

„Fahre am Sonntag nach Lwiw und will noch am späten Abend einreisen. Hat da jemand Erfahrung wegen der Wartezeiten und ist dann die Weiterfahrt wegen der Sperrstunde nicht möglich ?“

„Montag letzte Woche 11 Uhr, komplett, von Schranke zu Schranke in 21 Minuten, optimal. Ansonsten für diesen Zeitpunkt 30 bis max 40 Minuten einplanen“

„Ich schau immer bei ... ... , finde es nicht schlecht, liegt meiner Meinung nach nie KRASS daneben, DIE gemeldeten Zahlen kann man zumindest für eine seriöse Entscheidungsfindung heranziehen.“

„Hallo Handrij, Bin letzten Freitag am Abend um 22 Uhr ausgereist. In 40 Minuten total, am Freitag! Ich schildere nochmals den Ablauf, damit der optimale Ablauf nachvollziehbar wird. Ankunft vor dem Grenzübergang,...“