Die Sprachsituation in der Ukraine sowie der manipulative Gebrauch der Sprachfrage vor den Parlamentswahlen wurde bereits von Andreas Stein und Kyryl Savin in dem Artikel „Kurz vor dem Wahlkampf: Die Partei der Regionen macht Druck“ und „Der Sprachenstreit in der Ukraine“ präzise dargestellt. In meinem Artikel werde ich einige Aspekte wiederholen, allerdings mehr auf die Fragen eingehen „Welche Tücken enthält das vor Kurzem verabschiedete Sprachgesetz und warum ist eine gleichberechtigte Zweisprachigkeit unter der heutigen Regierung von Janukowytsch nicht möglich?“
Am 26. August 2011 wurde durch die Partei der Regionen der Gesetzentwurf Nr. 9073 „Zu den Grundlagen der Sprachpolitik“ eingebracht, der im Volk zum Kiwalow-Kolesnitschenko-Sprachgesetz getauft wurde. Das Gesetz stützt sich auf die Europäische Charta der Regional- und Minderheitssprachen, die seit dem 1. Januar 2006 in der Ukraine in Kraft ist, und sieht vor, die Regional- und Minderheitssprachen vor dem Aussterben zu schützen. Am 5. Juni 2012 stimmten 234 Abgeordnete von 450 in erster Lesung für den Gesetzentwurf, darunter aus der Fraktion der Partei der Regionen 187 von 192, alle 25 Abgeordneten der Kommunisten, zwei von 64 des Blockes „Unsere Ukraine – Nationale Selbstverteidigung/Nascha Ukrajina – Narodna Samooborona“, zwei von 20 des Blockes Lytwyn (Volkspartei), sechs von 19 aus der Fraktion „Reformen für die Zukunft“ und zwölf von 29 fraktionslosen Abgeordneten. Die wilde Schlägerei im Parlament und die Empörung in der Bevölkerung stellten für die derzeitige Regierung kein Hindernis dar und im Ergebnis wurde das Gesetz am 3. Juli mit 248 Stimmen von Abgeordneten der Partei der Regionen, der Kommunistischen Partei, des Blockes Lytwyn, der Fraktion „Reformen für die Zukunft“ und von einigen anderen fraktionslosen Abgeordneten verabschiedet.
Dem stenographischen Bericht der Parlamentssitzung vom 3. Juli zufolge wurde während der Abstimmung für das Gesetz gegen die ukrainische Parlamentsordnung verstoßen. In der Parlamentssitzung bat Oleksandr Jefremow (Partei der Regionen), den Gesetzentwurf auf die Tagesordnung zu setzen und der erste Stellvertretende des Parlamentspräsidenten Adam Martynjuk legte den Gesetzentwurf zur Abstimmung vor. 219 Abgeordnete stimmten zu, jedoch war das nicht ausreichend, und Adam Martynjuk stellte den Gesetzentwurf erneut zur Prüfung vor, dabei stimmten 241 Abgeordnete zu. Danach hätte Adam Martynjuk eigentlich die Redaktion des Gesetzentwurfs №9073 nennen sollen, was dem Stenogramm zufolge nicht gemacht wurde. Somit wurde das Gesetz, dessen Redaktion für die Abstimmung nicht mitgeteilt wurde, mit 248 Stimmen der Abgeordneten verfassungswidrig angenommen. Dabei, was kein Einzelfall im ukrainischen Parlament ist, wurde für das Gesetz mit den Abstimmungskarten von eigentlich abwesenden Abgeordneten gestimmt, was automatisch gegen den Artikel 84 Abs.3 der ukrainischen Verfassung über Sitzungen der Werchowna Rada verstößt.
Die fast 2040 Änderungen, die von der Opposition nach der ersten Abstimmung für den Gesetzentwurf eingebracht wurden, hätte der zuständige Fachausschuss prüfen müssen. Danach hätte er diese Änderungen mit dem Gesetzentwurf in einer Tabelle vergleichen, einen Bericht darüber erstellen und zehn Tage vor der zweiten Abstimmung den Abgeordneten zur Verfügung stellen müssen. In diesem Fall wurde auch darauf verzichtet. Nach der Verabschiedung des Sprachgesetzes sagte Myhajlo Tschetschetow (Partei der Regionen) zufrieden „Was für eine klasse Arbeit! Wir haben sie wie Kätzchen an der Nase herumgeführt. Ich weiß nicht, was die bei den Wahlen tun werden“.
Obwohl die darauf folgenden Proteste, die in der Ukraine und im Ausland stattfanden, nicht von großem Ausmaß waren, zeugt das nicht davon, dass die Ukrainer passiv sind, sondern davon, dass die Opposition, die sich als eine „vereinte“ Opposition bezeichnet, in Wahrheit keine gemeinsame Strategie hat.
Bereits am 31. Juli unterschrieb Parlamentspräsident Wolodymyr Lytwyn das Sprachgesetz, der sich vorher noch vehement dagegen wehrte, und das Gesetz wurde dem ukrainischen Präsidenten zur Unterzeichnung vorgelegt. Am 8. August unterzeichnete Präsident Janukowytsch das Gesetz und veranlasste, eine Fachkommission ins Leben zu rufen, die sich mit der Umsetzung des Sprachgesetzes befassen wird. Mit der Veröffentlichung im Amtsblatt „Holos Ukrajiny“ ist das Sprachgesetz am 10. August vorerst in Kraft getreten.
Was steht in dem berüchtigten Gesetz № 9073 „Zu den Grundlagen der staatlichen Sprachpolitik“?
Laut Artikel 7 des Gesetzes über „Regional- und Minderheitssprachen in der Ukraine“ sind Regional- und Minderheitssprachen „im Kontext der Europäischen Charta der Regional- und Minderheitssprachen“ die Sprachen, deren „Sprachträger 10% und mehr“ der Bevölkerung auf einem Territorium ausmachen. Zu den 18 Regional- oder Minderheitssprachen zählen: Russisch, Belarussisch, Bulgarisch, Armenisch, Gagausisch, Jiddisch, Krimtatarisch, Moldauisch, Deutsch, Neugriechisch, Polnisch, Romani, Rumänisch, Slowakisch, Ungarisch, Russinisch, Karaimisch und Krimtschakisch. Mykola Melnyk weist in seinem Artikel „Sprachgesetz: Grundlagen der Sprachpolitik oder eine Falle“ auf ZN.UA darauf hin, dass die Verteidiger des Sprachgesetzes nicht um die Interessen aller Minderheiten kämpfen, sondern auf der Durchsetzung einer der Regional- und Minderheitssprachen nämlich auf Durchsetzung des Russischen pochen. Er vergleicht das Gesetz der Ukrainischen Sowjetischen Sozialistischen Republik „Über Sprachen in der USSR“ von 1989 mit dem Kiwalow-Kolesnitschenko-Gesetz und stellt fest, dass der ukrainischen Sprache im sowjetischen Gesetz eine höhere Bedeutung zugestanden wurde als im neuen Gesetz. Das sowjetische Gesetz besagte, dass die ukrainische Sprache einer der entscheidenden Bestandteile der nationalen Eigenart des ukrainischen Volkes sei und dass die USSR der ukrainischen Sprache den Status der Amtssprache mit dem Ziel garantiere, die geistig-schöpferischen Kräfte des ukrainischen Volkes vielseitig zu fördern und seine souveräne national-staatliche Zukunft zu garantieren. In der Präambel des Kiwalow-Kolesnitschenko-Gesetzes steht jedoch Folgendes: „eine wichtige Bedeutung der Stärkung des Status der Amtssprache – der ukrainischen Sprache als einer der wichtigsten Bestandteile der nationalen Eigenart des ukrainischen Volkes, einer Garantie seiner nationalstaatlichen Souveränität – verleihend (…) werden mit diesem Gesetz die Grundlagen der Sprachpolitik in der Ukraine bestimmt“. Wie der Präambel zu entnehmen ist, wurde im Kiwalow-Kolesnitschenko-Gesetz das Wort „entscheidende“ durch das Wort „wichtigste“ ersetzt und die Pflicht des Staates „der ukrainischen Sprache den Status der Amtssprache zu garantieren, mit dem Ziel geistig-schöpferische Kräfte des ukrainischen Volkes vielseitig zu fördern und seine souveräne national-staatliche Zukunft zu garantieren“ völlig weggelassen.
Der Autor hebt auch den verfassungswidrigen Charakter des Gesetzes hervor, dessen Wurzeln bereits in der Definition der Amtssprache liegen (Artikel 1 Abs. 2 “Definition der Begriffe“): Die Amtssprache sei eine Sprache, die durch die Gesetzgebung festgelegt sei, deren Verwendung in Staatsverwaltung und Geschäftskommunikation, Behörden und Organisationen, Unternehmen, staatlichen Bildungs-, Wissenschafts- und Kultureinrichtungen, Postverkehr und Informatik u.a. verpflichtend sei. Wenn der Gesetzentwurf, so der Autor, in Kraft trete, dann werde er automatisch ein Teil der Gesetzgebung, was bedeuten würde, dass Bestimmungen über die verpflichtende Verwendung des Russischen der Definition der Amtssprache entsprechen würden und somit die russische Sprache auf dieser verfassungswidrigen Weise zur zweiten Amtssprache würde.
Der Autor des Artikels weist auch darauf hin, dass die russische Sprache neun Mal im Gesetz hervorgehoben wird, im Gegensatz zu den anderen regionalen oder Minderheitssprachen, die nur ein Mal, nämlich in der Auflistung, erwähnt werden. Interessant ist auch die Tatsache, dass ungeachtet dessen, dass Vertreter der Partei der Regionen immer wieder betonen, dass das Gesetz keine Gefahr für das Ukrainische darstellt, im Artikel 10 Abs.1 „Sprache der Staatsorgane auf nationaler und kommunaler Ebenen“ Folgendes steht: „Akte der staatlichen Organe auf nationaler Ebene werden in der Amtssprache verabschiedet, und deren Veröffentlichung wird in der Amtssprache, Russisch oder anderen regionalen Sprachen oder Minderheitssprachen erfolgen“. Artikel 11 Abs. 5„Sprache der Arbeit, Verwaltung und Dokumente auf der nationalen sowie kommunalen Verwaltungsebenen“ hebt die russische Sprache wieder hervor: „Texte offizieller Ankündigungen, Mitteilungen erfolgen in der Amtssprache. Auf dem Territorium, wo laut Artikel 8 Abs.3 dieses Gesetzes eine regionale Sprache (Sprachen) verwendet wird, steht es der kommunalen Verwaltung offen, Texte in diese Regionalsprache (Sprachen) oder ins Russische zu übersetzen“. Verständlich wäre es, wenn die Übersetzung in die Amtssprache oder Regional- und Minderheitssprachen erfolgen würde, aber dass die Übersetzung auch ins Russische erfolgen sollte, ist unter Berücksichtigung der Europäischen Charta schwierig zu erklären. Auch Artikel 18 „Sprache der wirtschaftlichen und sozialen Tätigkeit“ besagt, dass die Amtssprache in wirtschaftlicher und sozialer Tätigkeit Staatsunternehmen, Behörden und Organisationen eine Hauptsprache sei. Freie Sprachverwendung genießen auch die russische Sprache und andere Regional- oder Minderheitssprachen. Absatz 3 dieses Artikels verbietet es Unternehmen, Regeln aufzulegen, die seine Mitarbeiter in der „Verwendung der Amtssprache, des Russischen, anderer Regional- oder Minderheitssprachen“ einschränken. Die russische Sprache wird auch im Artikel 22 Abs.1 „Sprache im Computerbereich“ hervorgehoben, in dem Ukrainisch, Russisch und Englisch Hauptsprachen im Computerbereich in der Ukraine seien. Die Tatsache, dass in oben genannten Beispielen neben dem Ukrainischen das Russische erwähnt wird, macht deutlich, dass die Absicht der Partei der Regionen nicht darin besteht, die Regional oder Minderheitssprachen zu schützen, wie das in der Europäischen Charta der Regional- und Minderheitssprachen verankert ist, sondern dem Russischen den Status der zweiten Amtssprache zu verleihen und die ukrainische Sprache in einigen Gebieten völlig abzuschaffen.
Diese Absicht wird durch weitere tückische Aspekte bekräftigt. Laut Artikel 5 Abs. 3„Ziele und Prinzipien der staatlichen Sprachpolitik“ fördere der Staat Mehrsprachigkeit, das Erlernen von Sprachen der internationalen Kommunikation, insbesondere von Sprachen, die Amtssprachen der Vereinten Nationen, UNESCO und anderer internationalen Organisationen seien. Explizit wurde in diesem Absatz die russische Sprache nicht zur Rede gebracht, implizit bedeutet das allerdings, dass nämlich das Russische gefördert wird, da es neben dem Englischem, Französischem, Arabischem, Chinesischem, Spanischem zu den offiziellen Amtssprachen der UNO sowie UNESCO zählt. Die explizite Erwähnung dieser beiden Organisationen ist schwerlich zu nachvollziehen. Es wäre vielleicht in Anbetracht des Wunsches, die EU-Mitgliedschaft zu erlangen, sinnvoller, die Europäische Union statt der oben genannten Organisationen zu erwähnen, deren Amtssprachen unter anderem Bulgarisch, Deutsch, Polnisch, Rumänisch, Slowakisch, Ungarisch sind. Diese sechs unter den 18 Sprachen gehören nach dem Kiwalow-Kolesnitschenko-Gesetz zu den Regional- und Amtssprachen in der Ukraine. Und eine Erwähnung der Europäischen Union wäre logischer, was mehr dem Sinn der europäischen Charta entsprochen würde.
Die Verwendung der Regional- und Minderheitssprachen im Artikel 5 Abs. 2 Satz 2, 3, 5 wird nicht plausibel und sogar irreführend erklärt, weil man sich Begriffe bedient, die auf verschiede Weise zu deuten sind. Solche Begriffe wie „in Fällen, wo es sinnvoll ist“ oder „in Anbetracht des Zustandes einer einzelnen Sprache“ geben unklare Grenzen für die Verwendung der Regional- oder Minderheitssprachen an und stellen einen Spielraum in Aussicht, der unter den heutigen politischen Umständen leicht zu missbrauchen ist. Und angesichts dessen, dass die heutige Regierung Gesetze missachtet und sie auf eigene rechtswidrige Weise deutet, ist es fraglich, ob diese Begriffe zum Guten des ukrainischen Staates interpretiert werden.
Das Gesetz zeichnet sich auch durch Absätze aus, die keiner Logik unterlegen: Passbesitzer dürfen laut Artikel 13 „die Sprache der Dokumente, die die Person ausweisen oder Informationen über sie liefern“ wählen, ob sie Übersetzung ihrer Daten neben dem Ukrainischen in eine Regionalsprache haben möchten. Diese Regelung erstreckt sich auch auf „Hochzeitsurkunden, Bildungsabschlusse, Arbeitsbücher, Militärausweise und andere offizielle Dokumente“. Was in diesem Artikel auffällt, ist die Tatsache, dass auch „Dokumente, die einen Ausländer oder eine Person ohne Staatsangehörigkeit ausweisen, im Falle einer schriftlichen Mitteilung der Person“ auch in einer Regional- oder Minderheitssprache erfolgen können. Das würde dasselbe bedeuten, wie wenn sich Ausländer in Deutschland an die Ausländerbehörde wenden und schriftlich bitten würden, ihren Aufenthaltstitel z. B. auf Sorbisch neben dem Deutschen zu verlängern, ohne dabei einen plausiblen Grund dafür zu nennen und notwendige Unterlagen vorzulegen.
Im Artikel 20 Abs.1 „Sprache des Bildungswesens“ steht, dass die freie Wahl der Unterrichtssprache ein unabdingbares Recht der Bürger der Ukraine sei und dass im Rahmen dieses Gesetzes ein verpflichtendes Erlernen der Amtssprache auf einem solchem Sprachniveau zu erfolgen habe, das ausreichend für die Integration in die ukrainische Gesellschaft sei. Es wäre nachvollziehbar, wenn dieser Absatz sich auf Ausländer beziehen würde, die die ukrainische Sprache, Kultur erlernen sollten, um sich in die ukrainische Gesellschaft zu integrieren. Die Rede ist aber von den Bürgern der Ukraine, die ukrainische Sprache auf ausreichendem Niveau erlernen sollen, um so zu sagen, in die eigene Gesellschaft eingebürgert zu werden!
Der oben genannte Artikel 20 „Sprache des Bildungswesens“ und Artikel 24 „Sprache der Massenmedien und Verlage“ muss m. E. mehr unter Lupe genommen werden, da nämlich Bildungswesen, Massenmedien und Verlage einen Kern der staatlichen sprachlichen und kulturellen Politik ausmachen.
Wie die bereits erwähnten Beispiele sowie der obengenannte erste Absatz des Artikels 20 zeigen, machen Befürworter dieses Gesetzes keinen Hehl daraus, dass sie Bürger der Ukraine in einigen Gebieten, die Ukrainisch lernen oder einfach hören wollen, in ihren Rechten einschränken, obwohl das Ukrainische die Amtssprache ist. Diese Tatsache wird durch folgende Beispiele bekräftigt. Laut Absatz 2 des Artikels 20 werde Bürgern der Ukraine das Recht garantiert, Bildung in der Amtssprache sowie in Regional- oder Minderheitssprachen zu erhalten. Dies erfolgt durch „Einrichtungen der vorschulischen Bildung, Einrichtungen der allgemeinen Schulbildung, durch berufstechnische Einrichtungen und durch staatliche sowie kommunale Hochschulen“. Die Eltern, deren Kinder nicht mündig sind, können entscheiden, welche Unterrichtssprache sie haben wollen, und dafür reicht es, eine ausreichende Zahl von Anträgen zu stellen. Was unter „ausreichend“ verstanden wird, ist auch unklar, und die Grenzen können regionalunterschiedlich geregelt werden.
Leider setzt sich die Regierung nicht dafür ein, eine ausreichende Zahl an ukrainischsprachigen Schulen auf der Krim zur Verfügung zu stellen. Eine Untersuchung von Texty.org.ua und „Prostir Swobody“ zum „Stand der ukrainischen Sprache 2011“ zeigt, dass es im Laufe der letzten Jahre nur sieben Schulen mit Ukrainisch als Unterrichtssprache auf der Krim, darunter eine Schule in Sewastopol (Anmerkung: 22 Prozent der Bevölkerung sind ethnische Ukrainer, Stand 2001) gebe. In den meisten Rayons (Kreisen) und Städten auf der Krim, ganz zu schweigen von Dörfern, gebe es keine Schulen mit dem Ukrainischen als Unterrichtssprache. Ungeachtet dessen, dass Eltern einen langjährigen Kampf für die Gründung ukrainischer Schulen führen, erlaube die Regierung im besten Falle, ukrainische Klassen im Rahmen der Schulen mit Russisch als Unterrichtssprache zu gründen, was kein gleichberechtigter Ersatz sei. Auch die Umfrage, die durch die Research & Branding Group im Zeitraum vom 12. -22. August 2011 durchgeführt wurde, zeigt, dass im Westen der Ukraine 95 Prozent der Bevölkerung Ukrainisch spricht, im Osten und Süden – 66 Prozent und im Zentrum – 60 Prozent.
Diese Tatsache scheint für die Befürworter dieses Gesetzes, kein Grund zur Besorgnis zu sein. Stattdessen wird in diesem Artikel (Abs.8) festgeschrieben, dass in staatlichen und kommunalen Bildungseinrichtungen, in denen der Lernprozess in einer Regionalsprache erfolgt, würden die Fächer „Ukrainische Sprache“ und „Ukrainische Literatur“ ausnahmsweise auf Ukrainisch unterrichtet, was sich in diesem Fall nicht auf die Minderheitssprachen bezieht, sondern nur auf Regionalsprachen oder genauer gesagt auf Russisch. Abiturienten können auch nach „eigenem Wunsch“ entscheiden, in welcher Regional- oder Minderheitssprache sie ihren Schulabschlusstest (Abs.9) ablegen möchten und in welcher Sprache, d. h. in Amtssprache oder in Sprache, die Unterrichtssprache einer Hochschule ist, sie ihre Eignungsprüfung und Bewerbungsgespräch (Abs.10) durchführen lassen und auch in einer Regional- oder Minderheitssprache studieren möchten (Abs.2). Durch solche Regelungen, die sich von vorschulischen Einrichtungen bis hin zu Hochschulen erstrecken, erfolgt eine schrittweisende Ausrottung der ukrainischen Sprache, da bereits für Kinder die Verpflichtung entfällt, die Amtssprache Ukrainisch zu lernen, was auch in Belarus der Fall ist.
Diese Regelungen werden noch durch den Artikel 24 „Sprache der Massenmedien und Verlage“ verstärkt. Laut Absatz 2 werden offizielle Informationen über die Tätigkeit der Organe der Staatsmacht und Organe der kommunalen Verwaltung in der Amtssprache oder in Regionalsprachen erfolgen. Allerdings endet dieser Absatz mit einem aberwitzigen Satz, der besagt, dass wenn die Information in einer Sprache verbreitet werde, die sich von der staatlichen Sprache unterscheide, soll derjenige, der für diese Information zuständig sei, eine authentische Übersetzung in die Amtssprache zur Verfügung stellen. Allen ist bekannt, dass sich Sprachen voneinander unterscheiden. Oder heißt dass, dass sich die russische Sprache von der ukrainischen gar nicht unterscheidet?
Laut Absatz 3 „können Rundfunk- und Fernsehanstalten Sendungen nach eigenem Ermessen in der Amtssprache, Regional- oder Minderheitssprachen führen“. Laut Absatz 6 können Besitzer der gedruckten Massenmedien die Sprache bestimmen. Der Staat „garantiert“ auch die Übertragung von Sendungen aus Nachbarländern (Abs.5), deren „Sprache der Amtssprache oder Regional- und Minderheitssprachen ähnelt“. Nun stellt sich die Frage: Gibt es heute irgendwelche Einschränkungen, die das nicht ermöglichen und warum wird jetzt diese Regelung im Sprachgesetz festgeschrieben?
Es lässt sich schlussfolgern, dass es im Gesetz „Zu den Grundlagen der staatlichen Sprachpolitik“ nicht um die Rechte der Minderheitssprachen geht, sondern um die Durchsetzung der russischen Sprache und dass die Befürworter dieses Gesetzes, die stets mit der Charta ihr Gesetz verteidigen, sich nicht um Befolgung der Grundrechte der Charta kümmern, sondern ganz andere Ziele bestreben, nämlich auf verfassungswidrige Weise dem Russischen den Status einer Amtssprache zu verleihen.
Die Sprachpolitik des Regimes Janukowytsch – Umsetzung der Europäischen Charta der Regional- und Minderheitssprachen oder doch Sprachgenozid?
Die bereits oben genannte Untersuchung zum „Stand der ukrainischen Sprache 2011“ bestätigt, dass sich im Laufe der Jahre 2010-2011 die Situation der ukrainischen Sprache als Amtssprache auf der Ebene der Gesetzgebung, die ihre Verwendung hätte sichern sollen, nicht verbessert, sondern verschlechtert habe. Es seien eine Reihe von Gesetzentwürfen eingebracht worden, die die Verwendung der ukrainischen Sprache gezielt einschränken und Bedingungen für die faktische Dominanz der russischen Sprache ermöglichen. Dazu gehört unterdessen der Gesetzentwurf №1015-3 „Über Sprachen in der Ukraine“ von Oleksandr Jefremow, Serhij Hrynewezkyj und Petro Symonenko, der im September 2010 eingebracht wurde und Zweisprachigkeit in der Ukraine vorsah. Der Gesetzentwurf setzte zum Ziel allerdings keine berechtigte Zweisprachigkeit, sondern verlieh der russischen Sprache eine wichtigere Bedeutung als der ukrainischen. Der Gesetzentwurf wurde von Experten der Nationalen Akademie der Wissenschaft der Ukraine, Universitäten sowie von der Venedig-Kommission heftig kritisiert. Als Ergebnis wurde er im Parlament nicht zur Prüfung vorgelegt, allerdings auch nicht völlig zurückgenommen.
Im August 2011 wurde das Gesetz Nr. 9073 „Zu den Grundlagen der staatlichen Sprachpolitik“ von Wadym Kolesnischenko und Serhij Kiwalow eingebracht und trat am 10. August in Kraft. Wie die bereits oben durchgeführte Analyse zeigt, steht es nicht für die Rechte der Regional- und Minderheitssprachen, die vor dem Aussterben stehen, sondern setzt sich verschleiert für die Verleihung des Status der zweiten Amtssprache der russischen Sprache ein. Gleichzeitig bremst das neue Sprachgesetz wie auch der Gesetzentwurf „Über Sprachen in der Ukraine“ die Entwicklung der ukrainischen Sprache in vielen Bereichen aus und stellt eine Gefahr für die in der Tat bedrohten vom Aussterben Minderheitssprachen in der Ukraine dar.
Am 3. November 2011 wurde das Gesetz № 6342 „Über die Rundfunk- und Fernsehausstrahlung“, der von Olena Bondarenko eingebracht wurde, vom Parlament verabschiedet, das den minimalen Umfang (50 Prozent) an nationalen Medienprodukten im Rundfunk abgeschafft und Mindestanteil an nationalen audiovisuellen Produkten im Fernsehen auf 25 Prozent halbiert hat. Somit wurde die Situation im Bereich der Musik- und Kinoindustrie in der Ukraine weiter verschlechtert, da das Radio, als auch die Fernsehsender diese Norm zu ihrem Vorteil nutzen können. Somit wurden auch Künstler, die keine richtige staatliche Förderung in der unabhängigen Ukraine genießen, ganz zu schweigen von der Unterdrückung in der Sowjetunion, nunmehr wieder auf sich alleine gestellt. Daher ist es kein Wunder, dass viele Künstler sich für den russischsprachigen Markt entscheiden, der ihnen mehr Gewinn verspricht.
Auch in Parlamentssitzungen erlauben sich einige Abgeordnete, obwohl sie der ukrainischen Sprache mächtig sind, ihre Vorträge auf Russisch zu halten, ungeachtet dessen, dass das Gesetz „Über die Parlamentsordnung der Werchowna Rada“ festlegt, dass sich nur Redner, die der Amtssprache nicht mächtig sind, einer anderen Sprache bedienen dürfen. Auch die Sitzungen von Ausschüssen, Ministerien zeichnen sich durch diese Tendenz aus.
Eine Reihe von kommunalen Verwaltungen in den Gebieten Luhansk, Donezk, Odessa sowie auf der Krim verliehen der russischen Sprache einen besonderen Status, was gegen den Artikel 92 der ukrainischen Verfassung verstößt, der besagt, dass ausschließlich Gesetze der Ukraine die Verwendung von Sprachen bestimmen. Obwohl Beschwerden eingelegt wurden, wurden sie von Gerichten abgewiesen. Auch das Gerichtswesen ist keine Ausnahme: Laut der Untersuchung der Einheitlichen Registrierung von Urteilen, wurden 4% aller Urteile, deren Zahl etwa fünf Millionen beträgt, auf Russisch verfasst, was wiederum gegen die Rechtsordnung der Ukraine verstößt.
Die Situation im Bildungswesen zeichnet sich genauso durch Willkür aus. Im Juli 2011 wurde von der Verwaltung Odessa eine Verordnung verabschiedet, die es vorschulischen und schulischen Einrichtungen ermöglichte, ihren Erziehungs- und Lernprozess auf Russisch zu gestalten. Das Bildungsministerium unter Leitung von Dmytro Tabaschnyk, der als ukrainophob gilt, erlaubte es, den Schulabschlusstest in einer anderen Sprache als Ukrainisch abzulegen. Dabei ist zu betonen, dass der “künstliche Charakter der Russifizierungspolitik des Bildungsministeriums“ durch die Tatsache illustriert wird, dass sich nur 5.488 Personen bereit erklärten, den Test im Fach „Russisch“ abzulegen. Am Prüfungstag war die Zahl von Prüflingen noch niedriger und betrug nur 3.398 Personen. Insgesamt gab es 200.000 Schulabgänger, die Tests darunter in Fächern „Geschichte der Ukraine“ und „Mathematik“ (mehr als 100.000), „Englisch“ (mehr 70.000) und anderen ablegten. Das Bildungsministerium sieht seit 2010 keine Verpflichtung für ausländische Studierende, Ukrainisch zu lernen. Sie dürfen auch, ohne Ukrainisch zu können, in der Ukraine zu studieren. Dabei ging das Bildungsministerium von falschen Tatsachen aus, als ob die Zahl von ausländischen Studierenden wegen des verpflichtenden Erlernens des Ukrainischen gesunken wäre. Die Realität zeigt jedoch ein ganz anderes Ergebnis: 2008/09 belief sich die Zahl von ausländischen Studenten auf 35.599, 2009/10 – auf 37.342, 2010/11 dagegen stieg die Zahl nur um 506 gegenüber 1.743 im Jahr zuvor, was die Zahl von 37.848 ausländischen Studierenden ausmachte. Auch in anderen Ländern, z. B. in Deutschland, sind ausländische Studierende verpflichtet, Deutsch zu lernen und somit wird der Status des Deutschen geschützt. Die Regierung von Janukowytsch treibt dagegen eine Sprachpolitik, die keine Ganzheit eines sprachlich-kulturellen Raums garantiert. Auch die obengenannte Umfrage von Research & Branding Group zeugt von der künstlichen Russifizierung: Ungeachtet dessen, dass im Westen der Ukraine 95 Prozent der Bevölkerung Ukrainisch spricht, im Osten und Süden – 66 Prozent und im Zentrum – 60 Prozent, gaben 63 Prozent der Befragten im Osten und im Süden an, dass sie in der Arbeit oder im Studium Russisch sprechen. Im Westen der Ukraine macht dieser Unterschied 7 Prozent statt 5 Prozent aus.
Laut der Untersuchung zum „Stand der ukrainischen Sprache 2011, die auch die acht wichtigsten Fernsehsender untersucht hat, beträgt der Ukrainischanteil unter allen Sendungen 22,2 Prozent, der in russischer Sprache dagegen – 46,8 Prozent. Der Rest – 31 Prozent – ist zweisprachig. Zur Prime-Time fällt die Situation zugunsten des Russischen aus: 56 Prozent aller Sendungen sind auf Russisch und nur 16 Prozent – auf Ukrainisch. Auch zur Prime-Time betrug der prozentuale Anteil von ukrainischen Liedern im Radio nur fünf Prozent – zwölf ukrainische Lieder, 146 – russische und 105 – anderssprachige (Englisch, Französisch, Italienisch). Hervorzuheben ist, dass die Ausstrahlung von Filmen, die in Russland produziert werden und die Zahl von Talkshows, an denen russische Popsänger, Künstler neben den ukrainischen teilnehmen, steigen. Und das größte Problem liegt nicht darin, dass Filme oder Sendungen in Russisch sind, sondern daran, dass sie eine proputinische mit einem sowjetischen Beigeschmack versehene Denkweise vorsetzen und somit Putins Russland und seine Vorstellung eines einheitlichen Raums im Form von der Eurasischen Union verbreiten. Daher ist der Sprachenstreit in der Ukraine emotional aufgeladen: Beim Sprachenstreit ist nicht nur die Rede vom Kampf um Rolle des Ukrainischen oder Russischen als Verständigungsmittel in der Ukraine, sondern vom Kampf um die Werte in der Ukraine als einem unabhängigen Staat, vom Kampf um die Zugehörigkeit der Ukraine zum demokratischen europäischen Westen oder dem sowjetischen Putin-Russland und insbesondere vom Kampf um den mentalen Kulturraum.
Angesichts der verfassungswidrigen Methode der Partei der Regionen, besteht kein Zweifel, dass die Regierung Janukowytsch die Weichen in Richtung Putin-Russland stellt, eine künstliche Russifizierung vorantreibt und die Europäische Charta der Regional- und Minderheitssprachen zu ihrem eigenen Nutzen missbraucht. Die Sprachsituation in der Ukraine ähnelt nicht der Sprachsituation in Ländern wie der Schweiz oder Belgien, in denen die Gesetzgebung funktioniert und alle Sprachen schützt, sondern mehr der Sprachsituation wie in Belarus, in dem es de jure zwei Amtssprachen gibt, de facto allerdings – nur Russisch. Auch ist zu betonen, dass die ukrainische Sprache jahrhundertelang unter Verboten litt und im Vergleich zu den Sprachen wie Französisch, Deutsch, Russisch oder Englisch, die eine umfassende Förderung von unterschiedlichen Staaten genießen, nur in einem Staat gesprochen und unter dem Regime Janukowytsch kaum gefördert, sondern in ihren Rechten als Amtssprache eingeschränkt wird. Wenn die Partei der Regionen weiter eine solche Sprachpolitik betreibt, dann haben die ukrainische Sprache sowie auch die Minderheitssprachen in der Ukraine, kaum Chancen sich durchzusetzen.


Dieser schreibt die Werbung in der Staatsprache vor.
Hier habe ich eine interessante Studie der Uni Köln über den Minderheitenschutz in der Ukraine verlinkt. Darin wird sehr u.a. umfangreich auch über den Sprachgebrauch referiert
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Ist aber natürlich sehr einseitig. :D
nur fast ganz so schlimm...bei meiner Frau war es genauso - nun mittlerweile ist das besprochen, denn wir haben uns getrennt ....aber immerhin haben wir eine Menge dabei gelernt...vielleicht sollte das die Westukraine irgendwann auch tun
Gruß
Siggi
Wenn jemand Vladimir heisst, hat niemand das Recht ihn zu Volodomorisiern....
damit schaft man nur boeses Blut - und wer profitiert - richtig - die regionalny...aber warum die 5 in der Sandkiste russisch sprechen sollten, erschliesst sich mir auch nicht - bei 4:1 sollte es erst recht andersrum sein...und ganz ehrlich, nach Allem, was den Ukrainern von den Russen angetan worden ist - und NIE umgekehrt - sollte ein bissl selbstreflexieren und demuetig sein bei russischsprchenden mal platz greifen - warum sollen die Opfer verrzeihen, obwohl die Taeter nix einsehen (im Gegenteil)- so wirds nix mit gemeinsamer Ukraine....ich finde, (und damit entschuldige ich mich auch fuer die Formulierung "russischer Dreck" in Zaporishshya ) aber grad in dieser "Ur- ukrainischen" Stadt mit dem Sitsch...tut es besonders weh, dies alles russisch vereinnahmt zu sehen...
Wollte nur mal ein wenig die Spannung rausnehmen-sorry
Abgesehen davon habe ich nicht behauptet, dass die Verwendung von Russisch für Menschen, deren Heimastsprache es ist, natürlich ist. Sie ist vielleicht auch in gewisser Weise natürlich für Menschen, die in beiden Sprachen zu hause sind. Dennoch bleibt meine Aussage bestehen: die Dominanz des Russischen in der Ukraine ist etwas künstliches. Sie ist durch das System von Zuckerbrot und Peitsche sowie Druck entstanden, durch Zuzug von außen und "Überzeugung" der Einheimischen. Die jahrhundertealte ukrainische Kultur und Sprache sind in den letzten 200 Jahren schon ziemlich an den Rand gedrängt worden, obwohl die Ukrainer sich dagegen noch mehr gewehrt haben als etwa die Weißrussen, aber es ist schon vieles kaputt gemacht worden.
Die Ukraine ist ein postkoloniales Land. Und wie das bei postkolonialen Ländern üblich ist, bleibt immer ein Erbe der Kolonialmacht. Wenn das Land jetzt seine eigene, vielleicht auch etwas von der ehemals dominanten abgegrenzte, Identität sucht, ist das vollkommen legitim. Dass die frühere, koloniale, Elite dabei an politischem und auch kulturellen Einfluss verliert, ist eine natürliche Begleiterscheinung in einem solchen Prozess. Ich finde, dass die Ukraine in diesem Zusammenhang fast schon vorbildlich liberal vorgegangen ist, obwohl ihr das oft nicht gut tut, da die frühere Kolonialmacht immer noch im Nacken sitzt und versucht, seinen Einfluss zu erhalten und zu vergrößern.
Hier verkehrst Du aber ein wenig Ursache und Wirkung. Ich bin zwar auch der Meinung, dass die Orangenen nicht immer geschickt vorgegangen sind, aber geltendes Gesetz zur Anwendung zu bringen, nämlich, dass alle Menschen des Landes die offizielle Landessprache beherrschen müssen, finde ich vollkommen in Ordnung. Ein paar Jahre früher konntest Du auch nicht durch die Gegend rennen und sagen: ich kann doch ukrainisch, das reicht.
Die Umfragen sagen mal dies und mal das. Ich glaube, selbst die Regionalen schrecken vor diesem Thema zurück, weil sie sehr genau wissen, dass das drastische Folgen haben würde: von den wirtschaftlichen mal ganz zu schweigen (eine Duplizierung von Bildungssystem und Bürokratie etc.), dann die zu erwartenden noch stärkeren Einmischungen Moskaus, dann eine Spaltung im Volk, die selbst für die Regionalen zu weit ginge.
Ich glaube, dass langfristig regionale Lösungen für einige Gebiete sinnvoll und realistisch sind. Aber zuvor muss der erdrückende Einfluss des Russischen, der weit über "russischsprachige" Gebiete hinausgeht, zurückgehen, muss auch die russischsprachige Bevölkerung der ukrainischsprachigen gegenüber den selben Respekt aufbringen, den sie so laut für sich selber einfordert. Der Respekt muss selbstverständlich gegenseitig sein (in Galizien gibt es auch einiges nachzuholen), aber über das ganze Land betrachtet herrscht immer noch die alte Regel: wenn 5 Kinder in der Sandkiste sitzen und eines russisch spricht, sprechen am Abend alle russisch.
Ich war schon genug in der Ukraine.
Nicht nur die Regionalen machen aus der Sprachenfrage ein Drama, sondern erst recht die Orangenen. Wenn die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung (und das KK-Gesetz trifft dort auf große Zustimmung!) in Donezk, Odessa, Lugansk, Charkow, Dnepropetrowsk, etc eine Aufwertung des Russischen will, warum gesteht man es ihnen nicht zu? In manchen dieser Regionen erscheint eher die Verwendung des Ukrainischen künstlich, als die des Russischen. Die russische Sprache hat dort sehr wohl eine lange Tradition. Soll doch jeder das sprechen was er will. Eine ukrainische Identität wird sich auch dort mit fortschreitendem Bestehen des ukrainischen Staats schon von selbst herausbilden. Es gibt deutschsprachige Belgier, die fühlen sich als Belgier obwohl ihr Landesteil erst seit dem 20. Jahrhundert zu Belgien gehört.
Umfragen haben ergeben, dass eine knappe Mehrheit der Bevölkerung die Einführung des russischen als zweite Amtssprache befürworten würde. In den Oblasten die mehrheitlich russischsprachig sind, ist sogar die überwältigende Mehrheit dafür. Warum sollen sich diese Regionen nicht selbst bestimmen können?
Zitat: "46 Mio. Menschen verstehen zwei Sprachen: Russisch und Ukrainisch. Kein Bulgarisch, kein Ungarisch, kein Rumänisch, kein Idisch oder Iwrit, weiss ich nicht wie es genau heisst. Diese Sprachen verstehen nur Häufchen von Menschen. Wir sprechen über die zwei Sprachen, die das ganze Volk versteht, " - sagte Tchetchetow.
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Also noch mal reingelegt!
Welche Sprachen sind unter dem Schutz der Charta? Kann !? jeder ?! Deutsche in BRD diese auch verstehen? Geht es in der Charta darum, dass nur die Sprachen geschützt werden sollen/können/dürfen, die jeder versteht?
Die Minderheitensprachen in DE:
Dänisch in den drei Varianten Reichsdänisch, Sydslesvigdansk und Sønderjysk (in Schleswig-Holstein),
Sorbisch (Obersorbisch in Sachsen, Niedersorbisch in Brandenburg),
Nordfriesisch (in Schleswig-Holstein),
Saterfriesisch (in Niedersachsen) und
Romanes (geschützt nach Teil 2 seit 1998, erst später Hinzufügung nach Teil 3 in Hessen).
Die Regionalsprache Niederdeutsch (in Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein nach Teil 3, in Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt nach Teil 2).
Dann hat man auch jetzt kein Problem damit, dass sie mehrheitlich in Ukrainisch abläuft.
Die Ukraine ist unabhängig geworden. Sie hat das Recht, sich ihre Amtssprache selber auszusuchen.
Dass man die in diesem Land eigentlich künstliche Vormachtstellung des Russischen durch entsprechende Gesetze in Frage stellt und im Gegenzug das Ukrainische fördert, finde ich vollkommen richtig. Das Russische hat trotz dieser Politik über das ganze Land gerechnet noch immer einen Einfluss bzw. Anteil im Arbeitsleben, in Presse, Funk und Fernsehen, der den Anteil der nativ russisch Sprechenden weit übersteigt. Daher kann ich nicht erkennen, dass Russischsprechende in der Ukraine generell schlechter gestellt sind.
Es ist aus meiner Sicht vollkommen zumutbar, dass russisch Sprechende Menschen üblicherweise wie auch andere Bürger des Landes in ukrainischer Sprache ausgebildet werden.
Es steht in der Ukraine jedem frei, in der Sprache seiner Wahl zu kommunizieren. Aufgrund der immer noch vorhandenen Vormachtstellung des Russischen sind Russischsprechende ohnehin noch weit besser gestellt als andere Minderheiten.
Ich kann zu Einzelfällen nicht viel sagen, vielleicht weißt Du ja mehr? Generell sehe ich aber an der Situation nichts ungewöhnliches. Die Staatssprache ist Ukrainisch, die Schulen sind ukrainische. Das ist normal so. Da die Sprachen sich ähneln, haben es russischsprachige Menschen an ukrainischen Schulen ohnehin noch viel leichter als Rumänen, Ungarn, Tartaren etc.
Weil die Partei der Regionen, deren Gesetz Du hier verteidigst, ein gespaltenes Volk braucht. Ohne das hätte sie nicht einmal den Anschein eines Wahlprogramms (Akhmetov reicher machen oder vor Strafverfolgung schützen, worum es ja eigentlich geht, taugt ja kaum als Wahlprogramm).
Das frage ich mich wirklich auch. Warum werde ich in jedem Supermarkt in zentralukrainischen Kreisstädten in russisch bedient, obwohl ich ukrainisch spreche? Warum wechseln Freunde, sobald sie bei der Arbeit sind, selbstverständlich ins Russische? Ich glaube, Du machst Dir überhaupt keine Vorstellung, wie benachteiligt die ukrainische Sprache noch heute ist, trotz aller der "Bevorzugungen", die Du beanstandest! Ich kann Dir hier natürlich viel schreiben, Du müsstest es einfach mal selber erleben, um ein Gefühl dafür zu bekommen.
Aber auch, wenn das, was ich hier schreibe, etwas dramatisch klingt, machen sich zum Glück die Menschen im Normalfall keinen Kopf darum und gehen einfach ihrer Geschäfte nach. Das ist gut so. Und es wäre noch besser, wenn die Regionalen aufhören würden, den Menschen von einer "russischsprachigen ukrainischen Identität" zu erzählen. Das Land braucht keine "sprachlichen Identitäten". Es braucht Menschen, die unvoreingenommen und in gegenseitigem Respekt miteinander umgehen. (mal abgesehen von einigen ganz anderen Dingen)
Dramatisiere die Dinge mal nicht. Dass Du als Bürger der Ukraine im Normalfall auf eine ukrainischsprachige Schule gehst, ist vollkommen normal. Du hast durch die Beherrschung mehrerer Sprachen ohnehin noch einen Vorteil gegenüber vielen Landsleuten, Du weißt doch selber, wie es um die Fremdsprachenkenntnisse im Land bestellt ist. Das Ukrainische war lange unterdrückt. Jetzt hat 4 Jahre lang der Staat das ukrainische gefördert. Ich stimme Dir zu, dass man an manchen Stellen auch übertrieben hat, aber grundsätzlich halte ich eine Politik, die die ukrainische Sprache und Kultur fördert, für unbedingt notwendig.
Was Donetsk und Luhansk betrifft, möchte ich Dich gern daran erinnern (ich nehme an, Du weißt es, es wird nur gern verdrängt), dass außerhalb der Städte ukrainisch gesprochen wird. Wie ukrainisch sprechende Menschen in diesen Städten angesehen sind, ist auch ein gutes Beispiel für sozialen Druck, "russisch" zu sein).
Was zu beweisen ist.
Das ist in der Tat ein Problem, was sich generell aber durch alle Schriftstücke in der Ukraine zieht. Der Nikolai ist in ukrainischen Texten immer ein Mykola und umgekehrt. Die Eintragung der russischen, ungarischen, tatarischen Variante in den Pass schafft aber auch einige Probleme.
Nach der Vereinheitlichung der Namen in die ukrainische Variante soll es in einigen Gebieten zu Verwirrungen beim Wahlregister gekommen sein, da sich die russische Variante (aus dem alten Pass) nicht eindeutig einer ukrainischen Variante im Wahlregister zuzuordnen ließ und angeblich einige Leute deswegen nicht wählen durften. Bei der allgemein in der Ukraine vorherrschenden "Unordnung" und der allgemeinen unsystematischen Vorgehensweise würde die zusätzliche Eintragung von anderen Varianten in den Pass oder ins Wahlregister eine Menge Probleme bzw. viele Manipulationsmöglichkeiten eröffnen.
Wenn die Verwaltung hier funktionieren würde, könnte man über Erweiterungen nachdenken, aber in der derzeitigen Situation sind die meisten Neuerungen dieses Gesetzes einfach kontraproduktiv und kostspielig - angeblich wird in einigen Regionen (Odessa, Lugansk usw.) der Schriftverkehr jetzt in beiden Sprachen abgewickelt. Vorher lief es nur auf Russisch. Das Chaos will ich mir erst gar nicht vorstellen.
Das Gesetz bedeutet nicht das Ende für das Ukrainische, aber es ist völlig überflüssig und schafft mehr Probleme als es zu lösen verspricht. Ich gehe auch immer noch davon aus, dass es nach der Wahl durch das Verfassungsgericht (auf höhere Anweisung) wieder abgeschafft wird (nenne man mich ruhig naiv), da auch den Regionalen das Problem bewusst zu sein scheint.
In der Ukraine war man immer sehr variabel, was die Sprachnutzung angeht. Man hatte auch kein Problem damit, als die Schulbildung dort mehrheitlich auf Russisch ablief. Die geringe Zahl der russischsprachigen Schulen in der Zentralukraine ist insbesondere auch durch politischen Druck begründet.
Eine größere Zahl an Abgängern russischer Schulen würde auch keine Verdopplung des Schulsystems bedeuten. Ich studiere Informatik in Deutschland, wir haben sicher 30%-40% englischsprachige Vorlesungen - und das ist überhaupt kein Problem. Und Englisch und Deutsch sind viel weiter auseinander als Russisch und Ukrainisch. Auch wenn man heute eine russischsprachige Schule in der Ukraine besucht, kann man inzwischen danach auch halbwegs gut ukrainisch. Die meisten Ukrainer wechseln ohnehin selbstverständlich zwischen beiden Sprachen hin und her. An Universitäten in der Ukraine ist ohnehin ein Großteil der Fachliteratur auf Russisch oder auch Englisch, einfach weil es das auf Ukrainisch nicht gibt.
Was ich nicht verstehe ist, wieso 20 Jahre nach der Unabhängigkeit die ganze Sprachendebatte immer noch so politisiert ist? Warum kann man nicht einfach die Sprache im Alltag, in der Schule, in der Universität, am Arbeitsplatz benutzen, die man will? Warum versucht die Regierung die persönliche Sprachnutzung der Ukrainer derart zu beeinflussen? Warum müssen russischsprachige Kinder auf ukrainischsprachige Schulen gehen, weil das Bildungsministerium die Zahl der ukrainischen Schulen erhöht? Warum muss man Formulare in einer Fremdsprache ausfüllen? Wieso wird mir vorgeschrieben in welcher Sprache das Schild sein muss, das ich an meinen Laden hänge? Warum steht in Pässen oft ein Name, den man weder selbst noch die Eltern gewählt haben?
Warum richtet sich der Staat nicht einfach nach den Bedürfnissen der Bürger? Warum kann man nicht einfach ohne Einschränkungen die Sprache verwenden, die man sprechen will? Als Russischsprachiger sehe ich meine Rechte durch die Orangenen konsequent bedroht, ich habe das Gefühl dass das Russische nach deren Willen über kurz oder lang vollständig aus der Ukraine verdrängt werden soll - auch aus Regionen wie etwa Donezk oder Lugansk. Selbst wenn in Donezk 100% der Bevölkerung perfekt zweisprachig ist, das langfristige Ziel der Orangenen ist es, dass das Russische dort ganz verschwindet und für die Menschen dort zur Fremdsprache wird.
Bestes Beispiel ist Julia Timoschenko: Ihre Muttersprache ist Russisch, doch spricht sie diese Sprache heute überhaupt nicht mehr.
Alleine deshalb werden viele russophone Ukrainer immer die Partei der Regionen wählen. Und deshalb findet das KK-Gesetz so großen Anklang, weil es dieser konsequenten Verdrängungspolitik des Russischen Einhalt gebietet, auch in der Zukunft.
Aber jetzt mal zurück zum Thema, lass uns das hier nicht durch eine Nebendiskussion zerschreiben!
Also ich poste u-a. auch im Standard und da ist duzen nicht so ohne weiteres ueblich - finde ich auch nicht nettiquet...
Tatsächlich kann ich auch nichts daran finden, dass man Schilder immer zumindest auch in der offiziellen Landessprache beschriftet. Das ist eigentlich überall so üblich. Wenn man das beanstandet, ist das m.E. eher ein Ausdruck dessen, dass man mit dem aktuellen verfassungsmäßigen Status Quo (Ukrainisch als alleinige Staatssprache) massiv nicht einverstanden ist. Aber das kann man dann auch einfach so sagen, statt es den Orangenen vorzuwerfen.
Na was soll daran schlimm sein, schliesslich versucht Russland immer noch diese Laender zu rekolonialisieren und z.T. zu demuetigen sch
[edit mbert:] Zitat repariert, bitte in Zukunft selber darauf achten!Beweise fuer irgendetwas - ausserdem widert mich die grossrussische Arroganz an, das ich hier einfach geduzt werde, wir sind weder auf einem ukrainischen noch einem russischen Misthaufen gemeinsam gross geworden - und ich hab Ihnen sicher kein du angeboten - und kommen sie mir nicht damit das selbiges alle so machen - jedenfalls, da wo ich herkomme macht man das nicht..auch nicht im Net....
Ich war letztes mal vor 2 Jahren in Zapporishshya - uebrigens eine ukrainische Kosakengruendung, keine Gruendung von Moskali-Kolonisten - und es gibt quasi KEINE ukrainische Beschriftung, nix ausser offiziellen Gebaueden und vielleicht der Ladenketten die wirklich gesamtukrainisch sind - Silpo z.B. na ja die gehoert ja einer Orangenen....
Und natuerlich zu Berhovo etc kein Wort, was ebenfalls den Wahrheitsgehalt meines Statements beweisen wuerde....welches Gesetz war es denn, das russische bzw. nicht ukrainische Beschriftungen unter Strafe stellte, Nummer, Datum des Beschlusses, der Gueltigkeit ??? Na ich bin neugierig....
Meines Wissens wird gerade in der Zentralukraine darin überhaupt kein Problem gesehen, Forderungen nach mehr russischen Schulen hört man dort eher selten.
Wenn man Deinem Punkt folgen würde und in großer Zahl russische Schulen in Kyiv eröffnen, würde man in großer Zahl Abgänger produzieren, die im Vergleich zu anderen viel schlechtere Ukrainischkenntnisse besäßen. Dies wäre ein Nachteil etwa an Universitäten und würde umgehend zu der Forderung führen, neben russischen Schulen auch russische Universitäten zu erhalten. Man würde auf diese Weise das Bildungssystem verdoppeln müssen, was (a) sehr teuer ist und (b) der Verfassung widerspricht. Mit dem KK-Gesetz wird somit langfristig die Grundlage für einen neuen Bedarf geschaffen, mit dem die Regionalen auch in Zukunft wieder Wähler fangen können.
Die Anzahl ukrainischer Schulen liegt nach allem, was ich weiß, weit unter dem Bedarf. Wenn Du die von Dir verwendete Prozentzahl der im Artikel genannten Zahl ukrainischer Schulen gegenüberstellst, kommst Du auf prozentuale Werte, die noch weit unter dem von Dir genannten Wert russischer Schulen in Kyiv liegt. Die Schließung von ukrainischen Schulen etwa in Donetsk kürzlich wurde mit "Mangel an Bedarf" begründet, was aber klar den Zahlen (Auslastung der Schule) und dem Protest widerspricht, der dadurch hervorgerufen wurde.
Hier ist davon auszugehen, dass auch die PR einen Anteil daran hat, denn es liegt doch in ihrem Interesse, eine "russische Front" im Osten und Süden aufrechtzuerhalten, da sie es ansonsten immer schwerer haben wird, mit ihrem "Programm" zu punkten (der Slogan "Macht Akhmetov reicher und schützt ihn vor krimineller Verfolgung" wird selbst im Osten niemanden hinter dem Ofen hervorlocken).
Die Verwendung der russischen Sprache in der Krym hat ohnehin eine andere gesetzliche Grundlage als im Rest des Landes. Deine Behauptung, dass der Usus nicht dem Gesetz entspricht, mag stimmen, aber die Verwendung des Russischen ist dennoch in viel größerem Umfang erlaubt und gefördert als im Rest des Landes.
Weißt Du, wenn es nur darum geht, habe ich mit Dir überhaupt keinen Dissenz. Ich halte regionale Lösungen für Minderheiten für eine sinnvolle Sache, allerdings bleibt die Tatsache bestehen, dass eine Minderheit sich in die Gesellschaft der Mehrheit eingliedern muss und auch deren Regeln akzeptieren. Das ist in jedem zivilisierten Land so..
Es gibt in der Ukraine keinen wirklichen "freien Markt". Die Ukraine ist ein postkoloniales Land, überall finden sich noch die Überbleibsel kolonialer Kultur. Vielleicht fällt Dir das als offenbar russischsprachigem Menschen kaum auf, aber ich kann Dir aus eigener Erfahrung sagen, dass selbst im tiefsten Westen die Auswahl an ukrainischen Presseerzeugnissen klein ist, oft sind die Publikationen überteuert. Das hat sowohl kaufmännische als auch politische Gründe. Die kaufmännischen Gründe sind, dass man ja weiß, dass praktisch jeder im Land Russisch beherrscht und auch die Akzeptanz von russischsprachigen Publikationen bei ukrainophonen Menschen eher höher ist als umgekehrt. Also verzichtet man aus Kostengründen auf die ukrainische Sprache. Politische Einflüsse gibt es auch - Russland investiert seit Jahren gezielt in die Förderung der russischen Sprache und russischer Kultur in der Ukraine.
Fast noch stärker siehst Du das im Fernsehen. Die überwiegende Mehrzahl der Talkshows, Seifenopern, kurz "echten Fernsehproduktionen" sind in russischer Sprache. Spielfilme sind tendentiell ebenso häufig aus Russland wie aus anderen Ländern (und synchronisiert werden russische Filme natürlich nicht). Die gesetzliche Notwendigkeit, Spielfilme in der Ukraine zu synchronisieren wurde durch die PR abgeschafft, wodurch der Markt offen ist für (russischsprachige) Synchronisation aus Russland.
Russisch findest Du an allen Ecken. Es gibt praktisch keine Möglichkeit, Russisch zu vermeiden. Daher gibt es keine Chancengleichheit in der Ukraine. Und daher finde ich auch eine gezielte Förderung des Ukrainischen sinnvoll und notwendig.
Die Voraussetzungen unterscheiden sich aber dramatisch. Russisch ist in der Ukraine so präsent, dass es überhaupt keines Schutzes bedarf.
Die Russifizierung verharmlost Du hier auch ganz gewaltig. Städte wie Kyiv, Poltava, Zaporyzhya, Kharkiv sind alte ukrainische Städte (und gleichzeitig schon - abgesehen von Donetsk - die größten ukrainischen Städte). Die Russifzierung fand auf vielen Ebenen statt - Ansiedlung ethnischer Russen, Russisch als Amtssprache, kulturelle Anreize etc., bis hin zu harten Verboten (etwa Emser Erlass). Die Ukraine als postkoloniales Land hat durchaus einen Bedarf, das Ukrainische gezielt zu fördern - dazu gehört sowohl die Förderung der Benutzung in alltäglichen Situationen als auch das Entwickeln der Sprache in Gebieten, wo sie früher aus politischen Gründen keine Chance für hatte. Es geht m.E. auch ganz direkt darum, einige Auswirkung der Russifizierung rückgängig zu machen, und dazu gehört auch das Zurückdrängen des Russischen aus einigen Gebieten. Das klingt bei Dir so negativ, aber Du lässt völlig weg, dass das Russiche mit seiner überhohen Stellung in der Ukraine eigentlich schon etwas Künstliches ist. Dass eine pro-ukrainische Kulturpolitik ein heißes Eisen ist und mit Bedacht und Sensibilität durchzuführen ist, ist selbstverständlich, und ebens ist sicher richtig, dass Politik generell das leider nicht immer ist, egal worum es geht.
Da sind wir ja einer Meinung! Nur mal ganz im Ernst - ich kenne in Galizien wirklich niemanden, der nicht, wenn er es will, mit seinem Gegenüber in Russisch kommunizieren könnte. Gerade als Ausländer erlebt man das immer wieder. Der weitaus größere Nachholbedarf liegt m.E. bei russophonen. Hier gilt es überhaupt erst einmal, anzuerkennen, dass das Ukrainische eine Sprache ist und nicht ein Dialekt des Russischen, der nicht ernst genommen werden braucht.
Wenn es diesen beiderseitigen Respekt gäbe, bräuchten wir hier nicht zu diskutieren. Daran gilt es zu arbeiten, und das KK-Gesetz tut exakt das Gegenteil.
Es mag bei denen Leute geben, die das so sehen, aber hier wurde auch extrem übertrieben. Das Zurückdrängen des Russischen ist ein Bestandteil ihrer Politik gewesen - und ich finde das auch richtig! - aber dass es dabei um eine vollständige Verdrängung geht, ist kaum mehr als eine Behauptung ihrer politischen Gegner. Auch bei den Orangenen sprechen viele zuhause Russisch
Vollkommen richtig. Daher ist auch das KK-Gesetz nicht nur nicht nötig, sondern sogar schädlich - es spaltet die Menschen. Die bisherige Gesetzgebung war vollkommen ausreichend.
Auf der Krim gibt es auch nur zirka 10% ukrainische Muttersprachler. Da ist das Interesse an ukrainischen Schulen dementsprechend gering. Die Verwendung des Russischen auf Behörden läuft inoffiziell tatsächlich gelegentlich auf Russisch ab, offiziell war dies aber bislang nicht vorgesehen. Wer kann es den Menschen verübeln, wenn in Donezk ein russischsprachiger Bürger zu einem russischsprachigen Beamten geht und dort Formulare auf Russisch ausfüllt? Für mich ist das nur natürlich.
Der Artikel ist auch alles andere als neutral geschrieben... Fakt ist, dass das Russische in vielen Regionen durch das Gesetz quasi gleichgestellt ist mit dem Ukrainischen, auch wenn es dadurch keine Amtssprache wird. Das Bedenken der Autorin ist letzendlich, dass wenn das Ukrainische nicht mehr ganz klar durch den Staat bevorzugt wird, es auf dem "freien Markt" dann kaum mehr Chancen hat. Das sind letztenendes alles nur Mutmaßungen, nur die Zukunft wird zeigen, wie sich die Sprachensituation in der Ukraine entwickelt, mit oder ohne KK-Gesetz. Das Ukrainische hat jahrhundertelange Unterdrückungen überstanden, erst durch die Polen, dann durch die Russen. Wieso sollte es jetzt, wo es Amtssprache der Ukraine ist, plötzlich vor dem Aus stehen - nur weil es jetzt, nach 20 Jahren Unabhängigkeit, - nicht mehr flächendeckend gegenüber dem Russischen bevorzugt wird?
Die Mehrheit der Ukrainer juckt dieses Gesetz eher wenig, die Proteste dagegen waren äußerst spärlich. In Kiew, mit seinen 2,8 Millionen Einwohnern, kamen gerade einmal 2000 Demonstranten gegen das KK-Gesetz zusammen, viele davon eigens aus dem Westen nach Kiew angereist. Der große Protest kam überwiegend aus Regionen, in denen das KK-Gesetz gar keine Auswirkungen hat, weil es dort so wenige russische Muttersprachler gibt.
Ja, wollen wir es so machen wie z.B. in Turkmenistan? Viele der Ex-Sowjetrepubliken haben eine Sprachpolitik, die man am besten mit "Jetzt zahlen wir's euch aber heim" beschreiben könnte. Für mich ist das lediglich blinder Nationalismus und nicht unbedingt vorbildhaft.
Bei zirka 40% Muttersprachlern (Zweisprachige inklusive) würde dem Russischen in so gut wie jedem anderen Land Europas (mit Ausnahme des Baltikums...) der Status als eine Amtssprache zugestanden werden. Russisch wird in der Ukraine auch nicht erst seit der Sowjetzeit gesprochen, viele ukrainische Städte wurden von russischen Siedlern gegründet und sind seitdem durchgehend russischsprachig. Dnepropetrowsk wurde so etwa von russischen Siedlern gegründet, der ukrainische Bevölkerungsanteil war z.B. 1890 bei etwa 15%. Du kannst nicht sagen, dass die Russische Sprache nur durch gewalttätiges Aufzwingen (aka Russifizierung) in der Ukraine Verbreitung gefunden hat. Es ist in der Ukraine auch keine klassische Minderheitensprache, wie etwa das Sorbische in Deutschland. Es ist in weiten Teilen des Landes die Mehrheitssprache und das schon seit langer Zeit. Da gibt es sehr wohl eine Grundlage diese Sprache auch mit gewissen Sonderrechten zu schützen.
Dass man mich nicht verstehen wollte habe ich auch in Lemberg/Lwiw erlebt, als ich mich versucht habe dort auf Russisch zu verständigen. Du kannst nicht sagen, dass es nur bei den Russischsprachigen so etwas gibt. Eine Augenhöhe gibt es erst dann, wenn beide Parteien sich gegenseitig respektieren. Dazu gehört natürlich die Anerkennung und Beherrschung des Ukrainischen auf der einen Seite, auf der anderen Seite aber auch die Einsicht, dass in bestimmten Regionen das Russische die bevorzugte Alltagssprache ist und sich dies durch harsche Gesetzgebung nicht ändern lässt. Letztenendes will ein Großteil der Orangenen, dass in naher Zukunft das Russische aus der Ukraine verschwindet.
Die Kommunikationsprobleme sind weitaus geringer als oft behauptet, alleine schon weil die beiden Sprachen so nahe miteinander verwandt sind. Wenn man sich wirklich verständigen will, dann kommst du mit Ukrainisch auch in Donezk durch.
Deine Ausdrucksweise verrät dein Niveau... im übrigen war das zu Sowjetzeiten so, heute sind russischsprachige Ladenbeschriftungen auch im Osten der Ukraine seltener geworden... dass es sie dennoch dort teilweise noch gibt, liegt daran, dass sich viele Geschäfte nicht an die Gesetze halten und dies dort auch toleriert wurde.
es war immer eine Wohltat doch mal eine ukrainische Werbung oder ein ukrainisch beschriebenes Geschaeft zu sehen - von der Krym will ich ja schon gar nicht reden....aber so sind sie, die wehleidigen Russkies, lügen , den Holodomor abstreiten, sich als Retter der Zivilisation aufspielen, als Antifaschisten (ich kann das Anti- nicht sehen...) - ausserdem ich fahr jahrelang über Berehovo aus der UA raus, da sind ab Mukatschevo ALLE Geschäfte in den kleinen Dörfern AUSSCHLIESSLICH in Ungarisch beschriftet, da gibts keine Produkty oder Magaziny da gibts Bolts und Üzlethazok, da gibts Kocmok, Borozo und Sörhazok und sonst gar nix...
aber trotzdem hatten die Ungarn nie Probleme ukrainische Formulare auszufüllen, obwohl sie sogar die byzantinischen Lettern benutzen müssen - für die war und ist ukrainisch aber auch keine Kuhsprache...und die brüsten sich nicht Westukrainer in Viehwaggons nach Sibirien gekarrt zu haben...
Es ist allein der Wille des Volkes. Ja und wenn es keine Mehrheit für das eine oder andere gibt, muss man das auch akzeptieren.
Sicher ist aber auch, dass die ukrainische Sprache auf dem Vormarsch ist und es nur noch eine Frage der Zeit, dass eine klare Mehrheit auf Ukrainisch komuniziert, auch wenn wir das vielleicht nicht mehr erleben.
Sicher? Kannst Du das auch mit Fakten belegen? In dem Artikel werden ja Fakten genannt, die eher für die gegenteilige These sprechen.
Die Russifizierungspolitik der Sowjetunion war nicht "sanft". Dass die ukrainische Sprache eine explizite Förderung benötigt, um die vielen Jahre Russifizierungspolitik zumindest bis zu einem gewissen Grade auszugleichen, dürfte für jeden verständlich sein. Dass in einer unabhängig gewordenen ehemaligen Kolonie die frühere Elite auf einige ihrer Privilegien verzichten muss (und die der durch eine Minderheit vorgegebene Amtssprache ist eines davon), ist vollkommen legitim. Die Ukraine hat im Vergleich zu anderen früheren Sowjetrepubliken eine ausgesprochen liberale Linie gefahren.
Es gibt überhaupt keine Grundlage für eine derartige "Gleichberechtigung", zumindest nicht auf Basis der aktuellen Verfassung. Ich finde diese Idee auch nicht sinnvoll. Russisch ist nach wie vor eine Minderheitensprache, wird aber auch von nicht nativen Sprechern im gesamten Land beherrscht. Umgekehrt ist Ukrainisch die Sprache der Mehrheit und offizielle Amtssprache, wird aber nur von einem kleineren Anteil der Bevölkerung beherrscht. Hier herrscht der Nachholbedarf, nicht beim Status der russischen Sprache (die ohnehin durch Funk und Fernsehen, Printmedien und sozialen Druck am Arbeitsplatz einen viel höheren Status hat, als ihr eigentlich durch die Zahl ihrer nativen Sprecher zustehen müsste).
Das Recht ist im Gegensatz zu dem, was Du hier behauptest, den Menschen nicht genommen. In einem hast Du allerdings recht - um zusammenzuwachsen, müssen die Menschen miteinander auf Augenhöhe umgehen. Diese Augenhöhe gibt es nicht, solange ein Anteil der Bevölkerung die Sprache der "anderen" als "Kuhsprache" betrachtet oder so tut, als würde er sie nicht verstehen. Die Reste des durch die Russifizierungspolitik den Menschen eingeimpften Bewusstseins sind immer noch präsent: Russisch gilt als entwickelte Kultursprache, Ukrainisch eher als Dialekt, es besteht also für Russisch-Sprecher keine gefühlte Notwendigkeit, Ukrainisch zu lernen.
Ich bin der Meinung, dass Ukrainisch so lange alleinige Amtssprache bleiben muss (und auch den Menschen im Osten und Süden beigebracht werden muss), bis jeder (mal abgesehen von alten Menschen) problemlos mit dem anderen in einer beliebigen dieser beiden Sprachen kommunizieren kann und auch bereit ist, das zu tun. Willst Du ernsthaft behaupten, das sei bereits der Fall? Vielleicht meinen wir unterschiedliche Ukrainen?
Niemand hat die Stellung des Ukrainischen in Frage gestellt, alle Ukrainer sind weiterhin angehalten diese Sprache zu lernen. Dieses Gesetz ist nicht anti-ukrainisch. Die Sprachpolitik der Orangenen war nichts anderes als eine Ukrainisierungspolitik, vergleichbar mit der sanften Russifizierung in der Sowjetunion ab der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Das KK-Gesetz versucht zumindest eine annährende Gleichberechtigung der beiden Sprachen (Russisch und Ukrainisch) zu schaffen, obwohl das Ukrainische als alleinige Amtssprache nach wie vor klar höher gestellt ist. Es geht überhaupt nicht darum das Land zu spalten, sondern einer sprachlichen Minderheit (immerhin ca. 40%) ihre ganz natürlichen Rechte zuzugestehen. Ist die Schweiz ein gespaltenes Land? Dort wird selbst dem Rätoromanischen ganz natürlich der Status als Amtssprache gegeben - und niemand hat ein Problem damit, das Land ist alles andere als gespalten. Eine einheitliche, ukrainische Identität wird nur entstehen, wenn sich alle Bürger in diesem Land gleichberechtigt fühlen. Und das geht nicht, wenn man zirka 40 Prozent der Bevölkerung das Recht auf freie Verwendung ihrer Sprache nimmt. Und erzähl mir nicht, dass unter den Orangenen dies dem Russischen zugestanden wurde. Du durftest nicht mal ein russischsprachiges Schild oder eine Werbetafel an deinem Laden aufhängen.
Die selbständige Ukraine existiert jetzt seit über 20 Jahren und ich denke, dass man es in dieser Zeit schaffen konnte, wenigstens die paar Vokabeln Amtsukrainisch zu lernen, um notwendige Amtsgeschäfte zu erledigen. Wie man im täglichen Leben spricht, das schreibt einem ja nach wie vor keiner vor und welche Fernsehsender man zu bevorzugen hat, auch nicht.
Ansonsten bin ich der Meinung, die Sprache des eigenen Landes zu sprechen hat auch etwas mit Identifikation mit dem eigenen Land zu tun und ich würde mich schämen, wenn ich es nicht zumindest versuchen würde.
Ich empfinde das KK-Gesetz als eine Katastrophe, die eine Spaltung des Volkes fördert, indem sie Menschen im PR-Wahlgebiet ermutigt, und rechtfertigt, sich zu verweigern und abzukapseln. Die Gesetzgebung der Ukraine ist im Vergleich zu den meisten anderen postsowjetischen Ländern sehr liberal, und das Land hat(te) Grund, darauf stolz zu sein. Die Verpflichtung, dass alle Bürger des Landes die Staatssprache wenigstens beherrschen, finde ich vollkommen berechtigt und auch notwendig, und ganz ehrlich - eine symmetrische Zweisprachigkeit ist aus meiner Sicht die wesentliche Voraussetzung, dass das Land zusammenwächst.
Zu unterstellen, dass die Notwendigkeit, die Staatssprache zu beherrschen (a) nicht besteht und (b) darauf abzielen soll, die eigene Sprache und Kultur zu verleugnen, ist pure Demagogie. Wir sollten darauf nicht hereinfallen.
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