“Gasprom”, “Kasmunajgas”, “Uskbekneftegas” und “Turkmengas” verkündeten gestern offiziell den Übergang zu europäischen Preisen beim Kauf von Gas in den zentralasiatischen Ländern ab 2009. Eine Preisformel gibt es bislang noch nicht, daher ist es noch zu früh über die Einzelheiten zu sprechen. Doch die Vertreter Turkmeniens beabsichtigen die Einkaufspreise von 130-150$ für die 1.000 m³ in 2008 auf 250-270$ in 2009 anzuheben. Experten merken an, dass die Erklärung am Vortag der nächsten Verhandlungsrunde mit der Ukraine gemacht wurde, was bedeutet, dass Kiew nirgendwo mehr billiges Gas beziehen kann.
Im Hauptsitz der russischen “Gasprom” diskutierte der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens, Alexej Miller, die Einkaufspreise gleichzeitig mit drei Kollegen aus Zentralasien – dem Präsidenten der “Kasmunajgas” Uzakbai Karabalin, dem Vorstandsvorsitzenden der “Usbekneftegas” Nurmuchammad Achmedow und dem Vorstandsvorsitzenden von “Turkmengas” Jagschygeldy Kakajew. Bislang fielen alle Verhandlungen zur Änderung des Gaspreise unter das Geschäftsgeheimnis – sie wurden unter erhöhter Geheimhaltung im Rahmen bilateraler Treffen durchgeführt.
Doch im gegeben Fall wurden die Ergebnisse unverzüglich und feierlich verkündet. “Ausgehend von der Interessen der Volkswirtschaften, die internationalen Umstände bei der sicheren und unterbrechungsfreien Versorgung mit Energieträgern berücksichtigend, werden ab 2009 die Länder Zentralasiens den Verkauf von Erdgas zu europäischen Preisen verwirklichen.”, heißt es in der Presseerklärung von “Gasprom”.
Im Laufe der letzten drei Jahre verkündeten alle zentralasiatischen Länder ihr Interesse an “der Einrichtung von gerechten Preisen für Gas” – dies verkündeten die Präsidenten Turkmenistans, Kasachstans und Usbekistans mehrfach. Wie ein Informant des “Kommersant-Ukraine“ bei der kasachischen Regierung ausführte, ist die gestrige Erklärung ein Resultat der Absprachen auf höchstem Niveau über den Übergang zu einer europäischen Preisbildung mit einem gleichzeitigen Verzicht auf Mittler. Den Worten eines anderen Informanten des “Kommersant-Ukraine“ in diplomatischen Kreisen nach, wurde diese Frage beim letzten Telefongespräch von Wladimir Putin und seinem turkmenischen Kollegen Gurbanguly Berdimuhammedow. Im Ergebnis, so erläuterte der erste Gesprächspartner des “Kommersant-Ukraine“, wird “Kasmunajgas” sein Gas für den Export direkt an “Gaspromexport” verkaufen und deren Joint-Venture “Kasrosgas” behält lediglich die Funktion der Gasverarbeitung in dem Orenburger Gasverarbeitungswerk. Der Pressesekretär von “Kasmunajgas” Ilja Pustogatschew informierte gestern den “Kommersant-Ukraine“, dass er über keine Informationen hierzu verfügt. Bei “Gasprom” verzichtete man auf Kommentare.
Welcher Preis für Mittelasien bestimmt wird, ist bislang nicht klar. Der Vertreter von “Kasmunajgas” teilte dem “Kommersant-Ukraine“ mit, dass bislang keine Preisformel ausgearbeitet wurde und die konkrete Summe von den Seiten im Rahmen bilateraler Treffen diskutiert wird. Ein Informant des “Kommersant-Ukraine“ bei “Gasprom”, der nahe an den Verhandlungen war, bestätigte, dass gestern “keine genauen Summen genannt wurden”. Dafür erinnerte ein Top-Manager bei “Turkmengas” im Gespräch mit dem “Kommersant-Ukraine“ daran, dass das Unternehmen 250-270$ für die 1.000 m³ als gerechten Preis ansieht. Dies ist um 185% höher als die geltenden Preise (130$ im ersten Halbjahr und 150$ im zweiten). Bei “Gasprom” weigerte man sich die Möglichkeit eines solch scharfen Preisanstieges zu kommentieren. Doch zwei Informanten des “Kommersant-Ukraine“ beim russischen Monopolisten informierten, dass “man darin nichts unnormales sieht”, dabei von einem möglichen Preis von 320$ für die 1.000 m³ für die Ukraine ausgehend, momentan kaufen wir (die Ukraine) zu solch einem Preis das russische Gas. “Uns sagen die zentralasiatischen Kollegen seit langem, dass wir die ukrainische Wirtschaft auf ihre Kosten subventionieren. Ich schließe es nicht aus, dass im nächsten Jahr die Preise für Gas wachsen können.”, erläuterte einer der Gesprächspartner des “Kommersant-Ukraine“ bei “Gasprom”.
Im Übrigen merkt ein anderer Manager beim russischen Monopolisten an, dass “Gasprom” kaum zu solch bedeutenden Zugeständnissen gegenüber Turkmenistan bereit ist. “Ihre Vertragsangebote entsprechen weder bei der Qualität, noch bei den Risiken den Verträgen für russisches Gas.”, erläuterte der Gesprächspartner dem “Kommersant-Ukraine“. “Zum Beispiel, liefert Usbekistan im Winter überhaupt kein Gas und Kasachstan importiert 4,5 Mrd. m³ aus Russland, bei einem Export von 7-8 Mrd. m³”.
Die abgestimmte Erklärung ertönte vor dem Beginn der neuen Verhandlungsrunde mit der Ukraine über die Gaslieferungen in 2008. Heute befindet sich bei “Gasprom” die ukrainische Delegation unter Leitung des Vorstandsvorsitzenden von “Naftogas Ukrainy” Oleg Dubina. Das Ziel des Treffens – vereinbaren der Teilnahme von Mittlern bei der Gaslieferung an die Ukraine an Stelle von RosUkrEnergo (RUE; 50% gehört “Gasprom”, 45% Dmitrij Firtasch und 5% Iwan Fursin) und “UkrGas-Energo” (RUE und “Naftogas” besitzen jeweils 50%) bei Beibehaltung des Preises auf dem Niveau von 179,5$ für die 1.000 m³. Im Fall des Ausschlusses von Mittlern aus dem Lieferschema verspricht “Gasprom” den Preis auf 321$ für die 1.000 m³ anzuheben.
Den Berechnungnen des Direktors von East European Gas Analysis, Michail Kortschenkin, nach, wird bei der Erhöhung des Einkaufspreises auf 250-270$ für die 1.000 m³ an der Grenze von Turkmenistan und Usbekistan und des Verkaufes des Gases in der Ukraine für 321$ für die 1.000 m³ “Gasprom” an der Lieferung lediglich 2-3$ verdienen. Zu diesen Bedingungen, vermutet der Experte, “erhöht die Ukraine die Transittarife um das 1,5 – 2fache und für die Lagerung in den Gaslagern um das 10-20fache” und errichtet ein Maximum an Hindernissen bei der Umsetzung des Projektes der Gasleitung “South Stream”, welche über die wirtschaftlich nutzbare Zone der Ukraine im Schwarzen Meer verlaufen soll (”Kommersant-Ukraine“ vom 29. Februar).
Plötzlich dem Kauf zu Marktpreisen bei Turkmenien, Usbekistan und Kasachstan zustimmend, verstärkt “Gasprom” seine Positionen in Mittelasien: Die Partner des Monopolisten verlieren die Anreize auf die Suche nach alternativen Partnern. Dies verschließt nicht nur die Möglichkeit für die Ukraine mit den Lieferanten in Umgehung von “Gasprom” Absprachen zu treffen, sondern erschwert ernsthaft die Realisierung von mit “South Stream” konkurrierenden Projekten und verringert gleichzeitig die Chancen für Europa und die USA mit den Ländern Mittelasiens über direkte Verträge zusammenzuarbeiten.
Oleg Gawrisch, Natalja Grib, Alexander Konstantinow
Quelle: Kommersant-Ukraine


Forumsdiskussionen
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„Ich schau immer bei ... ... , finde es nicht schlecht, liegt meiner Meinung nach nie KRASS daneben, DIE gemeldeten Zahlen kann man zumindest für eine seriöse Entscheidungsfindung heranziehen.“
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„Hallo Handrij, Bin letzten Freitag am Abend um 22 Uhr ausgereist. In 40 Minuten total, am Freitag! Ich schildere nochmals den Ablauf, damit der optimale Ablauf nachvollziehbar wird. Ankunft vor dem Grenzübergang,...“
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