Das Leben in der Provinz ist wärmer, aufrichtiger als in der Hauptstadt. Zwei Tage war ich in dem verschneiten Luzk und genoss die Gesichter. Studenten, Lektoren, einheimische Intelligenz. Sie machten mir Freude und strömten Wärme aus. Ich habe dort die Zukunft gesehen, nicht meine, sondern meines Landes, das heute unfähig und gereizt versucht die Mechanismen der Demokratie zu beherrschen.
Die Ergebnisse der Parlamentswahlen in Transkarpatien gleichen einem Déjà-vu. Im Januar 2010 war die westlichste Oblast in der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen die einzige Region der zentralen und westlichen Gebiete, in der Wiktor Janukowitsch den ersten Platz belegte. Und viele von denen, die sich nicht besonders für die Spezifik der Oblast interessieren, werteten dies als eine Art Missverständnis. Die jetzt veröffentlichten Zahlen stimmen mit den Resultaten der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen genau überein.
Keiner hat erwartet, dass die Ausstellung Agricultura vom unbekannten jungen Maler Stanislaw Silantjew – Student im 8. Semester der nationalen Kunstakademie in Lwiw – so eine hohe Resonanz haben wird. Dies wurde dadurch hervorgerufen, dass seine Arbeiten nicht dem im Lwiw existierenden Kult der sogenannten Schule von Selskij entsprochen haben. Das Bild vom Taras Schwetschenko, der von Tieren umgeben ist, wurde dabei von lokalen Beamten des Kulturministeriums stark kritisiert. Das Ergebnis – ein Skandal.
Als Fahrradfahrer reist man privilegiert. Statt sich an der Grenze in die kilometerlange Autoschlange einzureihen, kann man die armen Autofahrer bedauern, die oft mehrere Stunden warten müssen, bis sie in die Ukraine einreisen können. Man rollt eben an der Schlange vorbei und überquert als Fußgänger die Grenze.
Gestern endete in Paris die 35. Sitzung des Komitees für das Erbe der Welt der UNESCO, welches die Residenz des Metropoliten der orthodoxen Kirche der Bukowina und Dalmatiens (derzeit das Zentralgebäude der Nationalen Fedkowytsch-Universität in Tscherniwzi) in die Liste des UNESCO Kulturerbes aufnahm. Die Residenz wurde nach dem historischen Stadtzentrum von Lwiw, dem Komplex der Sophien-Kathedrale in Kiew und dem Kiewer Höhlenkloster zum vierten architektonischen Objekt in der Ukraine, welchem dieser Status verliehen wurde.
Die Ukraine empfängt uns laut – lange bevor wir an der Grenze sind. Männer und Frauen schreien durcheinander: Eine Familienkomödie läuft in Endlosschleife im Linienbus von Berlin nach Lviv. Wir sitzen direkt unter den Lautsprechern, sechzehn Freiwillige – bereit zur Sühne. Wir reisen in ein Land, das Väter und Großväter als Herrenmenschen überrollt haben.
Die Asset Management Gesellschaft „NIKO“ hat verkündet, dass sie 2012 mit dem Bau einer großen Windkraftanlage mit einer Kapazität von 500 MW beginnen wird. Für das Projekt in der Oblast Tscherniwzi plant das Unternehmen Investitionen internationaler Organisationen und ukrainischer Unternehmen in Höhe von 762 Mio. € anzuwerben. Experten heben die Unrentabilität des Projekts aufgrund der geringen Windgeschwindigkeiten in der westlichen Region des Landes hervor.
Die Ukraine ist ein relativ junger Staat in Zentraleuropa. Leider beherrschen Schlagzeilen, wie die Gaskrise, politische Krise, Verzögerungen bei der Vorbereitung zur EM 2012 oder Korruption die Berichterstattung über die Ukraine in Deutschland. Dabei hat die Ukraine doch so viel mehr zu bieten und hat vieles geschafft – und das ohne EU-Mitgliedschaft oder andere fremde Hilfe.
Kaum eine ukrainische Stadt ist in Europa so präsent wie Cernowitz. Dies ist vor allem Namen wie Paul Celan, Rose Ausländer und Karl Emil Franzos geschuldet. Ein Besuch der Stadt, oft als „Klein-Wien“ oder „Jerusalem Europas“ bezeichnet, zeigt aber, dass neben der literarischen Tradition auch eine architektonische besteht: Neben Gründerzeitbauten finden sich auch Beispiele des futuristischen, sozialistischen und modernen Bauens.
Alle Opfer in der Bukowina (22 Personen im Alter von 20 bis 40 Jahren) starben nicht an einer beidseitigen Lungenentzündung, wie es vorher gesehen wurde, sondern im Ergebnis eines viralen “Überlastungs-Syndroms”, das heißt einer totalen Lungenschädigung.
Der ehemalige Zentralbankchef, Sergej Tigipko, befürchtet, dass Rumänien die Gewährung eines Autonomiestatus für die Rumänen in der Oblast Tscherniwzi erreichen wird.
Gestern besuchte Wiktor Juschtschenko die Oblast Tscherniwzi, insbesondere die Ortschaften, welche im Sommer vom Hochwasser betroffen waren. Den Gang der Wiederaufbauarbeiten bewertend, erklärte das Staatsoberhaupt seine Unzufriedenheit mit der Arbeit der Regierung Julia Timoschenko. Und die Möglichkeit eines Auswegs der Ukraine aus der politischen Krise kommentierend, schloss er die Möglichkeit der Bildung einer parlamentarischen Mehrheit im neuen Format nicht aus.